Porträt

laut.de-Biographie

Amusement Parks On Fire

Sie sind selten geworden, aber es gibt sie noch: visionäre Alben, die schon beim ersten Höreindruck aus der Masse der Veröffentlichungen herausragen, aufzeigen, dass es etliche musikalische Ansätze gibt. Neue Ansätze, fernab von Retrorock und Trendschielerei. Das selbstbetitelte Debüt von Amusement Parks On Fire gehört zu diesen Raritäten: 43 Minuten zwischen im weitesten Sinne shoegazendem Gitarrengewitter, leidenschaftlichem Gesang und Piano-Interludes. Doch von vorne.

Amusement Parks On Fire, das ist anfangs gar keine Band, sondern die Plattform eines Einzelnen. Mike Feerick aus Nottingham bringt es gerade einmal auf 16 Lenze, als er beschließt, "ein Stück zeitloser Kunst" zu schaffen. Ein kühnes Vorhaben, für das er sich drei Jahre lang in sein Schlafzimmer zurückzieht. Nachdem er ausgiebig an Songs gefeilt hat, geht er mit Demomaterial gerüstet ins Studio.

Dort spielt Feerick für das Debütalbum fast sämtliche Instrumente persönlich ein. Geoff Barrow von Portishead zeigt sich von den rauschhaften Epen begeistert und bietet ihm 2004 einen Plattendeal bei seinem Label Invada an. Obwohl Barrow gegenüber Rockmusik normalerweise Vorbehalte hat. Der Vertrag kommt zustande, im Juli steht "Amusement Parks On Fire" in Britanniens CD-Regalen - und erntet euphorische Kritiken.

Der NME erfindet für die Scheibe sogar den Begriff "Nu-Gazing". Eine Einordnung, die dem Kopf hinter der Musik so gar nicht passt: "Ich schwöre, dass ich My Bloody Valentine nie gehört hatte, bevor Daniel Knowles (Produzent und mittlerweile Gitarrist) einmal eins ihrer Alben mit ins Studio brachte." Den Vergleich mit MBV-Frontmann Kevin Shields versteht er zwar als Kompliment, wehrt sich aber gegen das Schubladendenken der Journalisten. Tatsächlich habe er während des Songwritingprozesses vor allem Sigur Rós, Black Flag und die Smashing Pumpkins gehört.

Für die anschließende Tournee im Vorprogramm von Bloc Party und Six By Seven rekrutiert Feerick befreundete Musiker aus der Heimatstadt Nottingham. Mit Daniel Knowles, Jez Cox (Bass) und Peter Dale (Drums) erobert er ganz Südengland wie im Flug. Die Live-Performance der Band beschreibt das Magazin Drowned In Sound als undefinierbar lautes, alles durchdringendes Erlebnis.

Im Mai 2005 erscheint der Erstling via Filter US Recordings in den USA, auch dort sind die Medien begeistert. Die New York Times huldigt der "großen jugendlichen Ehrlichkeit", in deren Genuss Deutschland erst vier Monate später kommt. Zum Ausgleich gerät die Wartezeit auf den Nachfolger hierzulande äußerst kurz - schon im Juni 2006 legen Amusement Parks On Fire mit "Out Of The Angeles" nach.

Der auffälligste Unterschied zum Debüt: Sämtliche Mitglieder des Quartetts (Gavin Poole ersetzt jetzt Bassmann Jez Cox) wirken diesmal am Songwritingprozess mit. Die Band lässt den Songs deutlich mehr Zeit zur Entfaltung, Ecken und Kanten tauschen sie gegen größere Harmonie ein. "Je weiter man in der eigenen Geschichte voran schreitet, desto mehr wird man von sich selbst beeinflusst", erklärt Feerick. Das Selbstbewusstsein eines Künstlers, der bereits in Jugendjahren Spuren in der Musiklandschaft hinterlassen hat.

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