laut.de-Kritik

Mit baumelndem Gemächt über die Showtreppe.

Review von

Schlimm, schade und ein bisschen seltsam wäre es, zeigten sich die Urheber eines neuen Projektes von selbigem nicht überzeugt. Es verwunderte also nicht, als Ghostface Killah vor einiger Zeit "Batman-und-Robin-Shit" versprach, "real street shit for the fans", den er gemeinsam mit Sheek Louch auszubrüten gedachte.

Das Ergebnis der Zusammenarbeit entlockte Ghost außerdem nahrhafte Metaphern: Passend "wie Kondensmilch mit Haferflocken" erscheine ihm die Kombination seiner Wu-Recken mit den Kollegen vom D-Block. "Mit einer Prise Zimt." Weihnachtlich gewürzt, Mahlzeit. Pünktlich zum Beginn der Lebkuchen-Saison lassen Ghost und Louch nun Taten folgen. Die bleiben von der Konsistenz von Haferschleim zum Glück meilenweit entfernt.

Die große Faszination, die "Wu Block" ausstrahlt, steckt - wie so oft - in den Kontrasten: In üppig instrumentierte, gekonnt zusammengesamplete, Soul-schwanger funkelnde Beats platzen unverblümte, kompromisslose, harte Raps. Exemplarisch in "Pour Tha Martini": Das Gefühl, die Herren MCs stiegen mit aus der Hose hängendem Gemächt eine glitzernde Showtreppe herunter, werde ich wohl so schnell nicht mehr los.

Die schwelgerischen Streicher und Bläser von "Guns For Life" nutzte bereits DJ Day für "Four Hills". Auch hier fesselt die Kluft zwischen den luxuriös perlenden Sounds und der garstigen Thematik. Dunkler, fieser, weniger glamourös gerät "Pull Tha Cars Out" oder "Comin For Ya Head" mit seiner lauernden, reduzierten Atmosphäre.

Über "Cocaine Central" herrscht wieder satt pumpender Bass. Halb schiebt sich der Beat voran, halb kriecht er. Wer sich hier verliert, kann schon mal seinen Abflug verpassen. Funky 70er-Gefühl in "Been Robbed", schmissige Bläser in "Different Time Zones", eine Dubreggae-Basslinie in "Bust Shots", eine von Erykah Badu beigesteuerte Hook in "Drivin Round": ein Track gerät souliger, melodischer, edler als der voran gegangene.

Erst Texte und Vortrag machen daraus wahre "Wu Block music for the black hooded champion". Echte inhaltliche Offenbarungen, wirklich neue Erkenntnisse über das hard knock life eröffnet "Wu Block" zwar nicht. Die Mannen des Wu-Tang Clans, allen voran Ghostface Killah, dürften mir aber gerne auch den Beipackzettel eines Migränemedikaments vorrappen, ich fühlte mich trotzdem noch blendend unterhalten.

Jede Begegnung mit Method Man, Raekwon, Inspectah Deck und dem immer noch zu oft sträflich missachteten Masta Killa bedeutet dem Wu-Jünger ein Fest. Doch auch die Jungs vom ehedem unter The LOX firmierenden D-Block - neben Sheek Louch Styles P und Jadakiss - machen allesamt einen amtlichen Job.

Der von Erick Sermon mit bratzendem Bass und auf den Nerven klimperndem Piano packend in Szene gesetzten Aufforderung "Do It Like Us" dürfen Kollegen getrost Folge leisten: "Wu Block" erscheint von vorne bis hinten grundsolide. Es fehlt aber einfach ein durchschlagender Banger. Der übercatchy Hit mit dem Potenzial zum Evergreen ist nicht dabei. Wenn sich in Jon Woos stechenden Sounds jedoch Böses zusammenbraut, befinden die harschen Zeilen der beiden Wu Block-Vorreiter mit vollem Recht: "I feel murder in the air." Also: "Take Notice"!

Trackliste

  1. 1. Crack Spot Stories
  2. 2. Pour Tha Martini
  3. 3. Pull Tha Cars Out
  4. 4. Guns For Life
  5. 5. Comin For Ya Head
  6. 6. Cocaine Central
  7. 7. Take Notice
  8. 8. Drivin Round
  9. 9. Different Times Zones
  10. 10. Stick Up Kids
  11. 11. All In Together
  12. 12. Do It Like Us
  13. 13. Stella
  14. 14. Been Robbed

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28 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    Album laeuft momentan oefter als Kendrick Lamar und Sean P und das waren seit beider Erscheinen Dauerbrenner.

  • Vor einem Jahr

    kam leider erst etwas verpätet dazu, das album komplett durchzuhören. der review kann ich im großen und ganzen zustimmen, allerdings entbehren einige aussagen nicht einer teilweise unfreiwilligen komik. wenn es heisst " Doch auch die Jungs vom ehedem unter The LOX firmierenden D-Block - neben Sheek Louch Styles P und Jadakiss - machen allesamt einen amtlichen Job." da kann ich von meiner seite nur sagen das jeder street-rap jünger weiss, das es mixtapes von den oben genannten artistenn gibt, die den wu-tang output der jüngeren vergangenheit auseinander nehmen. das soll auch gar kein gefronte gegen die wu-mcees sein! aber als crew müssen sich styles, sheek und jada weder skill- noch street technich vor niemanden verstecken. des weiteren frage ich mich dann, wenn ein künstler "real street shit for the fans" ankündigt und man dann einen "übercatchy Hit mit dem Potenzial zum Evergreen" vermisst, ob man jemals das konzept des straßenraps wirklich verstanden hat. spätestens bei dem sich immer wiederholenden vorwurf ( auch in bezug auf deutschen straßenrap) "Echte inhaltliche Offenbarungen, wirklich neue Erkenntnisse über das hard knock life eröffnet "Wu Block" zwar nicht" sind wir dann endgültig beim slapstick angekommen. man könnte ja meinen, das liegt daran, dass das hard knock life schon seit tracey morrows zeiten immer wieder nach dem gleichen muster abläuft, aber auch wenn ich mich versuche ernsthaft auf die punkte einzulassen: welche neuen erkenntnisse? welche inhaltliche offenbarung? soll ghostface einen 16er darüber rappen wie es war mit dem pager drogen zu ticken, sheek rappt einen 16er über das i phone zeitalter und im dritten 16er kommt dann das fazit? auch den vorwurf "Es fehlt aber einfach ein durchschlagender Banger" kann man so nicht stehen lassen, "Comin For Ya Head" ist dieser banger. und styles zertört mit seinem part das ganze album. allerdings braucht man da auch ein mindestmaß an testosteron um das nachvollziehen zu können, attitude und so! in diesem sinne: "take notice"!

  • Vor einem Jahr

    lange rede kurzer sinn: hör doch einfach auf in zukunft street-rap alben zu rezensieren! von der materie hast du offensichtlich keine ahnung, und humorvoll und pointiert sind deine texte sowieso nicht. halt dich in zukunft einfach an dsds nd fler,das scheint genau deine abteilung zu sein.