Porträt

laut.de-Biographie

Tim Wright

Wer schon einmal seinen Urlaub an den Stränden Spaniens verbracht hat, wird sie höchstwahrscheinlich miterlebt haben: schwankende Lads mit sonnenverbrannter Feige und ordentlich Promillegehalt, die mit schwere Zunge gerade noch "Engeland, Engeland" grölen können. Nicht anders die bierbäuchigen Ruhrpottproleten in Tennissocken, die mit gehörig Standgas unschuldige Mallorquiner zulallen oder wahlweise schwachsinnige Handtuchkriege vom Zaun brechen.

Ob Tim Wright sich in seinen Ferien zu solch Verhalten verleiten lässt, ist soweit nicht bekannt. Indes wird ihm nachgesagt, bisweilen eine beachtenswerte Trinkfestigkeit an den Tag zu legen. Während der Produktion von Thirst, seinem Debüt-Album für Novamute, soll Wright gänzlich abstinent gewesen sein. Entsprechend fiel die Wahl auf den Plattentitel. Engländer und ihr Sinn für feinsinnigen Humor.

Tims musikalische Sozialisation beginnt, wie bei vielen anderen Musikern, mit der Plattensammlung seiner Eltern. Darunter die Beach Boys und Pink Floyd. Als Teenager interessiert er sich ausgiebig für Captain Beefheart und Psychic TV. In dieser Zeit spielt Wright auch in diversen Bands, ohne ernste Hintergedanken.

Das ändert sich erst an der Universität in Manchester, wo Tim seit 1988 für Physik immatrikuliert ist. Anarcho-Punk à la Crass oder Conflict wird ein weiterer Einfluss, ebenso wie die Dub Produktionen von "On-U-Sound". Derweil ist die Rave-Mania in und um Manchester in vollem Gange. Und Wright lässt es sich nicht nehmen, auf illegale Parties zu gehen.

Nachdem er seine eigenen musikalischen Gehversuche intensiviert und sogar einige Auftritte absolviert, schreibt er sich 1992 in York für das Fach Musiktechnologie ein. In York trifft Wright auf Gleichgesinnte und hat nun auch eine höherwertige Ausstattung zur Verfügung, elektronische Musik nach seinem Gusto, speziell Rave-Sound mit schweren Basslines zu produzieren.

Im Finsbury Park Studio entstehen unter der Ägide von John Dalby Tracks, die unter dem Alias Germ auf Resource herauskommen. Durch einen Freund kommt Wright mit dem Label GPR (General Production Recordings) in Kontakt, für das er als Germ eine Reihe von EPs und Alben ("Parrot" & "Gone") veröffentlicht. Als GPR Mitte der neunziger Jahre Pleite geht, hat dies für Wright schwere finanzielle wie rechtliche Folgen. Unter dem Namen Germ darf Wright vorerst keine Platte auf den Markt bringen. Nur mühsam kommt er aus diesem Schlamassel wieder heraus.

Mit der Gründung der Jazz-Formation Sand geht es wieder aufwärts. Bei Satellite erscheinen in der Folge zwei Sand-Alben. Daneben tritt Wright noch als Moondog in Erscheinung. 1997 bekommt er vom Label "Ill" ein Angebot für einen Plattenvertrag. Wright wird zum Tube Jerk, unter dessen Namen zahlreiche Singles und die Alben "Shift" sowie "Fold" erscheinen.

Mit einem Remix für den Track "Whipaspank" von Cristian Vogel weckt Wright das Interesse von Vogels Label Novamute, das ihn 2002 unter Vertrag nimmt. Nach einer Reihe von Singles erscheint hier 2004 Wrights Debüt "Thirst", das gehörig Durst auf mehr macht.

Alben

Tim Wright - Thirst: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2004 Thirst

Kritik von Gregory Britsch

Die Geradlinigkeit von Techno mit dem beschwingten Flair von Garage. (0 Kommentare)

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