Porträt

laut.de-Biographie

Tierstar

Wer im Deutschrap maximale Realness-Werte anstrebt, dreht nicht nur die obligatorische Runde im Knast, sondern protzt gleich mit dem Verfassungsschutz im Bekanntenkreis. In den paranoiden Zeiten nach 9/11 dürfte der Name Die Schläfer jedenfalls durchaus für einige Aufmerksamkeit auch außerhalb des Hip Hop-Kontexts gesorgt haben.

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Die Schläfer nennt der Berliner Andrez die Rap-Crew, die er Mitte der 2000er zusammen mit den MCs Peshmerga und Autodidakt gründet. Dort sammelt er, der als Jugendlicher in den 1990er Jahren noch auf Englisch vorträgt, erste professionelle Raperfahrungen.

Dennoch bleibt Andrez lange Jahre im Untergrund. Neben der Straßenrap-Persona setzt er als Tierstar Andrez ab der Jahrtausendwende zunehmend auf Battlerap-Feinschliff. So entschieden, dass er Ende der 2000er nicht nur zu den Stammgästen des Battlerap-Formats "Rap am Mittwoch" gehört, sondern sogar als Talentscout für das populäre Event fungiert.

"Rap muss eine Message haben, zumindest meistens", erklärt er, der sich als "Realityrapper" versteht. Seine Themen entnimmt er zwar dem üblichen Gangstarap-Spektrum zwischen Gewalt, Hass und Perspektivlosigkeit. Tierstar betont dabei jedoch noch mehr als die Konkurrenz, ausschließlich eigene Erfahrungen zu dokumentieren. Posen seien ihm fremd.

So hantiert Andrez Tierstars Storytelling in der Tat regelmäßig mit Sozialkritik. Außerdem legt er neben der Authentizität viel Gewicht auf weitere tradierte Hip Hop-Werte, was er in Texten unter anderem mit geschichtlichen Abrissen über seine Heimatstadt oder einer Chronik verstorbener MCs unterstreicht. "Wäre ich nicht Rapper geworden, hätte ich die Schriftstellerlaufbahn eingeschlagen", erklärt der Berliner.

Auch musikalisch steht Andrez mit beiden Beinen im Boom Bap-Sound. Als "an die Neunziger angelehnt, aber dem Geist der Gegenwart entsprechend" bezeichnet das sein Label distri. Dort erscheint nach mehr als zehn Jahren im Geschäft und mehreren Verschiebungen Andrez' Debütalbum "1 Tag Mehr In Der Hood".

Andere Künstler des Gangstarap-Genres interessieren Tierstar nicht sonderlich. "Ich kenne mich in der aktuellen Szene eigentlich gar nicht so besonders gut aus", gesteht er im Interview. Nichtsdestotrotz gehen seine Facebook-Likes neben Kool Savas und B-Tight auch an Celo & Abdi.

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