Porträt

laut.de-Biographie

Ben Salomo

Die Bezeichnung "Junge von der Straße" trifft gleich in mehrfacher Hinsicht auf Jonathan Kalmanovich zu. Der Name der Stadt Rechovot, südlich von Tel Aviv gelegen, bedeutet "Straße". Hier kommt Kalmanovich 1977 zur Welt.

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Als er vier Jahre alt ist, zieht seine Familie nach Berlin. Der Junge, der sich später einmal Ben Salomo nennen soll, wächst in bescheidenen Verhältnissen in Schöneberg auf.

Lange erfährt er nichts von Rapmusik. Familiär von Gesang und Tanz geprägt, bekommt er stattdessen ein paar Jahre lang Klavierstunden. Mitte der 80er kommt er bei einem Besuch in Israel zwar mit Breakdance in Berührung, doch die Verbindung zu Hip Hop ist ihm zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.

In seinem Schöneberger Hinterhof begegnet er 1992 einem Mädchen mit Walkman. Das erste Mal Deutschrap mit Fanta 4. Von dieser neuen Musik begeistert, gibt er sich immer mehr davon, legt aber bald die Freundeskreis-Tapes zur Seite und verschlingt zusammen mit Kumpels N.W.A, KRS-One und Rakim, die größeren Brüder aus Amerika.

1997 begibt er sich auf ein Date ins legendäre SO36. Die dortige Deutschrap-Performance befindet er aber für so whack, dass er davon überzeugt ist: Das kann er selbst besser. Was er natürlich auch zeigen muss, nicht zuletzt, um seine Verabredung zu beeindrucken.

Noch unter dem Namen Joka unterwegs, fäng er an, Texte und Techniken zu analysieren und selbst zu schreiben. Zusammen mit einem Freund bildet er seine erste Crew Flow Joes und kommt damit beim Label Artikulabor unter. Erste Veröffentlichungen folgen.

Zu diesem Zeitpunkt herrscht in Berlin große Rivalität unter den verschiedenen Crews. Nach seinem ersten und einzigen Besuch bei der Royal Bunker-Cypher zeigt sich Joka so "beeindruckt", dass er zusammen mit Crewmitglied Asek beschließt, eine eigene Cypher zu veranstalten: die Geburtsstunde von "Rap am Mittwoch".

Lange hält sich dieser Versuch jedoch nicht. Nach dem Ende von Royal Bunker platzt "Rap am Mittwoch" - damals noch in einem kleinen Raum in der UFA-Fabrik - aus allen Nähten. Die Betreiber äußern Bedenken und die Verantwortlichen müssen die Segel streichen.

In den kommenden Jahren bildet Salomo zusammen mit Asek und Floe Flex die Crew Illuminaten. Um 2001 folgt zusammen mit Asek die Gründung des eigenen Labels Tempeltainment, aus dem später zusammen mit Chefkoch, Damion Davis, Mike Fiction und Dj Pete die KaosLoge entsteht. Verschiedene hier veröffentlichte Sampler folgen, wobei sich "Einblick" am besten verkauft.

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Schon jetzt zeigt Salomo bemerkenswertes Talent, Leute zusammen zu bringen. Eine Anmerkung auf einer der Compilations, die viele Berliner Künstler aus unterschiedlichen Lagern versammeln: "Diverse Crews sind verfeindet und wollen nicht miteinander in Verbindung gebracht werden. Außer mit den Illuminaten." Das Hamburger Magazin Wicked kürt die Illuminaten zum "best unsigned act".

Der große Erfolg bleibt trotz Investitionen aus. 2006 löst sich die Gruppe um Salomo auf, er selbst schlägt sich fortan als Barkeeper durch. Ex-Crewmitglied DJ Pete kooperiert mit dem polnischen Hip Hop-Modelabel Stoprocent.

2010 steht die Eröffnung einer Filiale in Berlin an. Die Verantwortlichen brauchen einen Kenner der dortigen Rapszene. Noch von seinem Vorgänger Sebastian Schweizer (Chimperator Productions) eingearbeitet worden, bekommt Salomo den Job.

Bald überzeugen ihn Kollegen und Freunden davon, "Rap am Mittwoch" wieder aufleben zu lassen. Eine gute Entscheidung und der Beginn eines neuen erfolgreichen Kapitels für den "Sohn Salomos".

Weder Image- noch Gangsterrapper, hegt der Musiker Ben Salomo den Anspruch, reifen und durchdachten Conscious-Rap zu produzieren."Hätte der Herr mich fünf Meter weiter links fallen lassen, wäre ich vielleicht in Gaza geboren", ist er sich bewusst. Vielleicht mit ein Grund dafür, dass er den Frieden im Sinn hat: "Is' doch nur Rap!" und "Gebt euch Respekt!" gehören zu seinen häufigsten Schiedsrichtersprüchen bei "Rap am Mittwoch".

Salomonische Urteile, also ein bestimmtes Verständnis von Gerechtigkeit und Wahrheit, finden sich auch in seiner Musik. Darin warnt er vor Konsum und Manipulation, geht aber auch weiter zur letzten Konsequenz und gibt zu, dich in diesem Moment selbst zu manipulieren.

Der "israelische Kanacke", wie er sich selbst bezeichnet, positioniert sich gegen den Krieg, für den Frieden und verliert sich dabei nicht in Religionswirrwarr, Verschwörungstheorien oder in anderen irreführenden Bilderberger-Vorurteilen. Diese erfrischende Haltung spiegeln alle seine Aktivitäten.

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1 Kommentar

  • Vor 3 Jahren

    Awesome :D Klasse Beitrag, Klasse Rapper, Klasse Person :) Seit 3 Jahren leider nur Internet-Zuschauer Rap am Mittwochs (wird sich hoffentlich mal ändern - wenn ich älter werde) aber Ben ist immernoch offen, street, fair wie am ersten Tag :) Ich wünsche RaM noch viieele erfolgreiche/re Jahre ^-^ Hoffe Ben bleibt wie er ist