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Stiefmütterlich könnte man fast nennen, wie Neal Sugarman das eigens nach ihm benannte Trio zehn Jahre lang behandelt hat. So lange soll es nämlich dauern, bis der Drittling "Pure Cane Sugar" endlich seinen verdienten Nachfolger bekommt. Glücklicherweise ist Sugarman entschuldigt: Er musste zwischenzeitlich den Soul zum Leben erwecken.
Der Saxophonist und Flötenspieler fungiert nicht nur als Kopf der Sugarman Three, sondern auch als Mitbegründer und Chef der längst schon legendären Daptone Records, die die Musikwelt in den Nullerjahren gehörig durcheinander mischen. "Ich war einfach so beschäftigt", sagt Sugarman im Gespräch mit laut.de.
Gemeinsam mit Gabriel Roth zeichnet er für Perlen wie Lee Fields, Charles Bradley, die Budos Band oder Sharon Jones verantwortlich. Zudem hätte Amy Winehouse wohl keinen vergleichbaren Durchbruch erlebt, hätten Sugarman und die übrigens Dap-Kings nicht ihren Teil zu "Back To Black" beigesteuert. Angesichts solcher Aufgaben müssen die Wurzeln sich schon einmal hinten anstellen.
Dabei war an Daptone noch gar nicht zu denken, als The Sugarman Three ihr Debüt veröffentlichten. "Sugar's Boogaloo" erschien 1998 noch auf Desco Records, dem Label, das Gabriel Roth gemeinsam mit Philip Lehman vor Daptone betrieb. Erst als sich die Kompagnons trennen, heben Roth und Sugarman Daptone aus der Taufe.
Voraus gingen für Sugarman Reisen durch das musikalische Amerika. Ein Besuch in New Orleans ist dabei natürlich Pflicht, für Sugarman sollte es zu einer Art Berufung werden. In der Stadt, die gemeinhin als Geburtsort des Jazz gilt, verliebt er sich in den Sound der Hammond-Orgel. Zurück in New York lernt er Adam Scone kennen, der das Instrument nicht weniger gut bedient als die Session-Partner aus New Orleans.
Gemeinsam mit dem Drummer Rudy Albin gründen sie das Trio, das schon bald zum Quartett anwächst. Gitarrist Al Street stößt dazu, um das Debüt einzuspielen. Später übernimmt Daisy Sugarman die Flöte, Gabriel Roth alias Bosco Man stellt sich an die Percussions und David Guy bläst in die Trompete – um nur einige wenige Namen zu nennen.
Als eine Art Souljazz beschreibt Sugarman den Sound der ersten beiden Platten, deren Konzept er für "Pure Cane Sugar" komplett umwirft. "Ich war richtig interessiert, mit Sängern zu arbeiten, weil ich zuvor nur Instrumentalmusik gemacht habe", erinnert er sich. Neben Lee Fields und Charles Bradley lädt er Naomi Davis ins Studio. Gemeinsam entsteht die zweite Platte, die Daptone überhaupt veröffentlicht hat.
Die erste hört auf den Namen "Dap Dippin' With Sharon Jones And The Dap-Kings" und soll den langanhaltenden Erfolg der Diva Sharon Jones begründen. Auf seine Sugarman Three besinnt sich Neal erst, als er mal wieder mit Adam Scone in New York abhängt. Bei Gesprächen über Musik beschließen sie, endlich den von vielen Fans und Kritikern lang ersehnten Nachfolger einzuspielen – sofern er denn etwas taugt.
Denn im Gegensatz zu den Vorgängern soll "What The World Needs Now" keinem festen Konzept folgen, sondern das Ergebnis einer Session über vier Nächte abbilden. "Wenn die Platte nicht so gut geklungen hätte, hätten wir sie nicht herausgebracht", sagt Sugarman. Es sei sein bislang bestes Album, jubelt er bei der Veröffentlichung.
Trotzdem stehen Sugarman Three schon schnell wieder hinten an. Die alltägliche Label-Arbeit und andere Aufnahmen gehen vor. Die eigene Band gilt dem Label-Chef eben doch nur als lieb gewonnenes Beiwerk.
Der Daptone-Chef über seine Band und "What The World Needs Now".
Pünktlich zum Jubiläum des Labels bringt Daptone-Chef und -Gründer Neal Sugarman den vierten Erguss seiner Kombo The Sugarman Three auf den Markt. Das Besondere: Der Vorgänger erschient kurz nach der Daptone-Gründung vor zehn Jahren.
Grund genug für laut.de, um nach Übersee zu telefonieren. In einem kurzen Gespräch zwischen Tür und Angel berichtet uns Neal direkt aus New York von den Sessions, die zu "What The World Needs Now" führten, und wieso der Viertling seiner Ansicht nach seine bisher gelungenste Platte darstellt.
Zehn Jahre! Was hat dich so lange aufgehalten?
Ich war einfach so beschäftigt mit Daptone, außerdem hab' ich bei Sharon Jones & The Dap-Kings gespielt. Davor hab' ich mit The Sugarman Three gearbeitet. Ich glaube, mein Geschmack hat sich auch etwas verändert. Die erste Platte der Band war so eine Hammond Orgel-Souljazz-Platte. Als ich angefangen habe, mit Sharon Jones zu arbeiten, war das mehr in Richtung Backing Up-Sänger und Hornsection.
Aber der Grund, noch einmal eine Platte zu machen, war, dass ich in New York mit Adam Scone, dem Hammond Orgel-Spieler, rumhing. Wir sprachen über Musik und entschieden, wieder zusammenzukommen und eine Platte aufzunehmen. Wir haben die Scheibe in einer sehr kurzen Zeit eingespielt. Wir brachten die Leute zusammen und hatten eigentlich keine Erwartungen. Wenn die Platte nicht gut geklungen hätte, hätten wir sie gar nicht herausgebracht. Aber ich bin wirklich glücklich mit dem Ergebnis. Es hat sich herausgestellt, dass es ein Erfolg war und die Platte es verdient hat, veröffentlicht zu werden.
Stimmt es, dass ihr die Scheibe in nur vier Tagen aufgenommen habt?
Vier Nächte! Wir hatten den Zeitplan, in dem wir alle beisammen hatten und arbeiteten. Es war eine großartige Session. Eine dieser Situationen, in denen alles passt. Wir haben an einem Song gearbeitet, ihn aufgenommen und uns dem nächsten zugewandt. Und wenn es mal nicht funktioniert hat, haben wir halt aufgehört und einen anderen Song gespielt. Hinterher hat es natürlich viel Zeit gebraucht, die Aufnahme zu mixen, wegen ein paar Overdubs. Aber die Grundlagen waren in ein paar Tagen gelegt.
Gibt es deshalb auf der Scheibe keine Sänger? Auf den letzten Platten hattest du ja einige Features von Lee Fields, Charles Bradley oder Naomi Davis.
Als ich diese letzte Sugarmann Three-Aufnahme vor zehn Jahren gemacht habe, war ich mit dem Kopf genau da. Ich war richtig interessiert daran, mit Sängern zu arbeiten, weil ich zuvor nur Instrumentalmusik gemacht habe. Jetzt stehe ich irgendwie auf der anderen Seite, weil ich in den letzten zehn, 15 Jahren viel mit Sängern gearbeitet habe. Die Idee war, eine Instrumental-Soul-Platte zu machen, mal wieder für die Abwechslung.
Es ist Instrumental-Soulmusik. Es ist eine Mischung aus Covern, die bekannt sind wie "What The World Needs Now", anderen Classic-Soul-Covern und eben dem, das dabei herauskommt, wenn eine Truppe von meiner Meinung nach wirklich großartigen Musikern zusammenkommt und eine Platte macht, sie arrangiert und live einspielt.
Hast du vorher überhaupt Songs geschrieben oder entstand alles aus der Session?
Vieles haben wir gemeinsam im Studio geschrieben, ein paar hatte ich schon vorher geschrieben.
Hast du einen Favoriten?
Ich mag "Got To Get Back To My Baby" und "Jealous Moon". Es hat einfach Spaß gemacht, die Platte zu machen. Hoffentlich spüren das die Hörer. Einfach eine Truppe guter Musiker, die zusammen kreativ sind, in der Zeit, in der sie im Studio sind.
Wo wir über gute Musiker reden: Du hast gemeinsam mit Gabriel Roth und drei weiteren Mitgliedern der Dap-Kings gespielt. Hattest du keine Sorge, dass das den Sound in gewisser Weise verwässert und The Sugarman Three wie die Dap-Kings klingen lässt?
Ich habe darüber nicht wirklich nachgedacht. Ich wollte einfach mit Leuten zusammenkommen und Musik spielen, mit denen ich es liebe, zu spielen. Und Gabriel Roth ist diesbezüglich einer meiner Favoriten. Genau wie Dave Guy, der bei den Dap-Kings Trompete spielt. Ich habe daran keinen Gedanken verschwendet. Ich wusste, dass es anders klingen würde, wegen des Kontextes der Songs, die ich geschrieben habe. Außerdem habe ich die Session ja quasi geleitet. Es war einfach eine andere Richtung, wir hatten anderes Material. Es bot eine Möglichkeit, mit den Leuten ins Studio zu gehen, mit denen ich es liebe, Musik zu spielen. Mit Leuten, mit denen ich oft spiele, und anderen, mit denen ich schon ewig nicht mehr gespielt habe. Es war eine großartige Reunion.
Im Prinzip läuft es genau so. Ich habe hier eine Idee, ich habe einige Akkorde, lass' es uns spielen. Das klingt gut, das klingt gut, wieso änderst du das nicht noch. Und dann lass' uns stoppen und die Drums einspielen und so weiter. Oh, das klingt doch nicht gut, lass' es uns so machen, wie wir es gestern getan haben oder so. Es läuft exakt so, wie du es gesagt hast. Es geht darum, dich selbst zu verbessern und zu verändern. Niemand nimmt das alles persönlich, jeder ist im Studio, um die beste Musik zu spielen, die möglich ist.
Klingt interessant. Ist das der Grund, weshalb du sagst, dass es dein bestes Album bis jetzt ist?
Ich habe das Gefühl, einen frischen Sound zu haben. "Sugar's Boogaloo" und "Soul Donkey" waren eher Souljazz-Platten. Als ich "Pure Cane Sugar" gemacht habe, wollte ich unbedingt etwas anderes machen. Ich wollte eine Funk-Platte und ich hatte Lee Fields und Charles Bradley. Ich finde, es ist eine richtig coole Platte, aber sie ist nicht wirklich natürlich. Dieses Mal habe ich die Band nicht in eine Richtung gelenkt. Wenn sie in einem Raum zusammenspielen, haben die Jungs einen bestimmten Sound. Und das wollte ich fördern und bestimmen lassen, welches Material wir letztlich auf der Platte haben werden. Bei "Pure Cane" war ich darauf eingeschossen, die perfekte Funk-Platte zu machen, dieses Mal war das Motto: "Ja, das klingt gut, lass' uns das aufnehmen." Dieses Mal musste ich nichts beweisen.
Na, dann herzlichen Glückwunsch. Es ist eine wirklich gute Platte dabei herausgekommen. Irgendwelche Pläne, nach Deutschland zu kommen?
Hoffentlich. Im Moment sind wir sehr beschäftigt mit Sharon Jones, zumindest im Sommer. Im Herbst hoffe ich, mit den Sugarman Three rauszukommen.
Was kommt als nächstes? Gibt es ein neues Sharon Jones-Album?
Wir haben gerade eine ganze Reihe von Sharon Jones-Songs aufgenommen. Die neue Antibalas-Platte kommt raus, außerdem gibt es viele Touren. Eigentlich wie immer.
Pure Cane Sugar (2002), Soul Donkey (2000), Sugar's Boogaloo (1998)
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