Porträt

laut.de-Biographie

Sharon Van Etten

Die Intimität des Geständnisses prägt das Schaffen von Sharon Van Etten (Jahrgang 1981). Die Singer-Songwriterin aus dem suburbanen New Jersey produziert seit Teenage-Tagen Stücke über die Schattenseiten der Liebe, über Zurückweisung, Verlustangst und emotionalen Missbrauch. Damit möchte sie, die regelmäßig mit Cat Power, St. Vincent oder Feist verglichen wird, eine Brücke des Verständnisses zu ihrem Publikum schlagen.

Brücken schlägt Van Etten allerdings auch zu wichtigen Indiegrößen. Als sie bei einem Konzert in New York Kyp Malone von TV On The Radio eine Demo-CD ihrer Songs überreicht, ist es auch um ihn geschehen. Kaum eine Songwriterin beschreibt ihr Leiden an der Liebe, ihr Hoffen, Hadern, Rebellieren und Resignieren derart eindringlich, denkt er sich: "Sharon ist eine freundliche Person und ein großartiges Talent - ihre Stimme schneidet durch die Wand, die ich unaufhörlich um mein Herz herum zu errichten versuche."

Bon Ivers Justin Vernon überzeugt sie schließlich, von Drag City zum Plattenlabel Jagjaguwar zu wechseln. Dort erscheint nach "Because I Was In Love" 2009 und "epic" 2010 ihr Durchbruchsalbum "Tramp". Van Etten, die die andere Seite des Musikbusiness zwischenzeitlich als Publizistin kennenlernt, gewinnt dafür The Nationals Aaron Dessner als Produzenten und Bassspieler. Als Gäste verpflichtet sie zudem Zach Condon sowie Jenn Wasner von Wye Oak. "Am Ende des Tages waren das vor allem Freunde, die am Album teilhaben wollten", erklärt Van Etten.

In jedem Fall bannt ihr kathartischer, spröder Sound zwischen Indiepop, Gitarrenrock und Countryfolk die Aufmerksamkeit der Presse. Für das vierte Album in 2014 hingegen wendet sich Van Etten akustisch von den Rockmomenten ab. Was bleibt, ist ihr Sujet: die Verhandlung von dunkler Liebe sowie die Frage, wie sich eine Beziehung mit ihrer Musikkarriere verbinden lässt. Beiträge liefern u.a. die Freunde Dave Hartley und Adam Granduciel von The War On Drugs, Peter Broderick und Jonathan Meiberg (Shearwater).

Immer wieder fragen Journalisten in Interviews, woher die nahbare Verletzlichkeit ihrer Lieder rührt. Ein Faktor in der Künstlerwerdung Van Ettens, die als mittleres von fünf Kindern im Kirchenchor singt und Klarinette, Piano und Geige spielt, liegt in einer gescheiterten Beziehung. Nachdem sie sich in der Highschool das Gitarrenspiel beibringt und erste Songs verfasst, zieht sie fürs Studium nach Tennessee. Das tragische Verhältnis zu einem Mann, das sie dort über sechs Jahre pflegt, liefert dort den endgültigen Anstoß zur Karriere.

Um in den Nachwehen der Beziehung nicht in Depressionen zu verfallen, verarbeitet Van Etten das Unglück künstlerisch. "Mein damaliger Partner hatte mich in meiner Musik überhaupt nicht unterstützt", sagt die Sängerin. Als "schrecklich" habe er sie gar bezeichnet. Sie zieht zurück zu den Eltern nach New Jersey und 2005 weiter nach Brooklyn, New York. Dort formen sich ihre Tracks, die "dunkel und schwer" seien, aber auch "ermutigend. Deshalb schreibe ich sie. Deshalb fühle ich mich besser". Beruflich geht sie in der Megametropole zunächst einer Ausbildung zur Sommelierin nach.

Die Tatsache, dass Sharon Van Etten beim Bühnenvortag mitunter in Tränen aufgeht, unterstreicht das authentische Moment ihrer Musik. "Düstere Gefühle und Traurigkeit sind okay. Es ist auch okay, dein Leben in Frage zu stellen. Ich bin eine sehr emotionale Person und ich mag es, offen über meine Gefühle zu sprechen. Besonders natürlich mit meinen Freunden und meiner Familie."

Van Etten tourt mit The National und Nick Cave And The Bad Seeds, trinkt bevorzugt Whiskey und träumt von einer Kollaboration mit PJ Harvey.

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