Porträt

laut.de-Biographie

SPK

Australien 1978. Irgendwo in diesem weiten Land treibt der junge Nick Cave sein Unwesen und in einer psychiatrischen Anstalt beschließen Neil Hill, Sinan und Graeme Revell eine Band zu gründen. Ersterer wohnt dort als Patient, letzterer ist sein Pfleger mit der Nase für die richtige Therapie. "System Planning Korporation" nennen sie ihr Projekt einmal ganz ernsthaft, woraus ein anderes Mal mit einem ironischen Schmunzeln auch "Surgical Penis Klinik" werden kann. Oder mit Referenz zum RAF Terrorismus gar ein "Sozialistisches Patienten Kollektiv". So zumindest will es die Legende. Und da kaum eine Industrial Band so virtuos den Schleier des Geheimnisvollen über sich ausgebreitet hat wie SPK, sei in diesem Falle dem Mythos Tribut gezollt.

Legendär sind auch ihre Live Performances bei denen sie, wie ihre Brüder im Geiste, die Einstürzenden Neubauten, so allerlei Zeug (Schweißgerät, Flammenwerfer) zum Einsatz bringen, so dass schon mal gegen die Brandschutzvorschriften verstoßen wurde oder die vorderen Reihen das Konzert beinahe als rauchende Aschehäufchen verlassen hätten. Optisch wurden SPK-Konzerte mit Vorliebe durch Filmaufnahmen aus der Pathologie in Szene gesetzt oder es wurden gleich Schafgehirne von Bandmitgliedern verspeist. Die ersten beiden wegweisenden Releases "Information Overload Unit", auf ihrem eigenen Label Side Effekt Records, und "Leichenschrei" gehen noch direkt auf die martialische Industrial-Schock-Ästhetik zurück, die auch die Werke von Throbbing Gristle oder Whitehouse prägte. Später gibt Revell dann sein Side Effekts Label an seinen Freund Brian Lustmord ab, der den Ruf, eines der wichtigsten Experimental-Labels zu sein, weiter festigt.

Auf dem 83er Album "Auto Da Fe" gewinnt der Synthesizer als Klangquelle, wie bei den befreundeten Nocturnal Emissions, immer größere Bedeutung und die harschen Noiseorgien früherer Tage sind einer Philosophie der tanzbaren und fast melodischen Songs gewichen, die sich bis zu "Oceania", dem letzten SPK Album nach verfolgen lässt. Einzige Ausnahme ist die düster schöne LP "Zamia Lehmanni", von Graeme Revell, als einzigem verbleibenden SPK-Mitglied komponiert. Sein Talent für musikalische Klangmalerei, das ihn später nach Hollywood brachte, kommt hier voll zum Ausdruck. Wie auch schon auf seinen beiden Soloalben "The Insect Musicians", wo er mit Samples von Insekten bizzare Songgebilde erschuf, und "Necropolis, Amphibians and Reptiles", einer Homage an den Schweizer Künstler Adolf Wölfli, der einen guten Teil seines Lebens in einer Irrenanstalt verbrachte.

Nachdem SPK trotz Heirat mit Sinan mmer mehr zum Soloprojekt von Graeme Revell verkommen war, animierte er das Projekt nach "Oceania" nicht noch einmal, sondern verlagerte seinen Wohnort nach Los Angeles, wo er bis heute als Filmkomponist unter anderem das passende Unisono für das Vampirgemetzel in "From Dusk Till Dawn" oder den richtigen Groove für die Erfolgsstory des Drogendealers George Young in "Blow" gefunden. Darüber hinaus hat er die Musik für "Streetfighter", "Hard Target", "The Crow" und "Strange Days" komponiert.

Alben

  • SPK - Information Overload Site

    Fanseite. Das beste im Netz zu SPK mit ausführlicher Diskographie, und viel, viel mehr. Lohnt sich.

    http://www.ping.be/~spk/
  • Graeme Revell

    Offizielle Seite mit Infos zu aktuellen Filmprojekten. SPK bleibt leider aussen vor.

    http://www.graemerevell.com/index2.html

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