Porträt

laut.de-Biographie

Recloose

Dreistigkeit siegt. Ganz bestimmt. Matt Chicoine alias Recloose bildet den lebenden Beweis dafür, dass Frechheit zur richtigen Zeit am richtigen Ort eine Karriere ins Rollen bringen kann.

Bereits als Kind entdeckt Matthew Chicoine das Saxophon für sich. Acht Jahre widmet er sich dem Instrument und entwickelt sich zu einem ordentlichen Jazz-Musiker.

Über die Jahre verschieben sich jedoch seine Vorlieben. Als College-DJ bleiben Jazz und Funk zwar nach wie vor angesagt. Dazu gesellt sich allerdings ein Faible für Hip Hop-Platten.

Matt studiert an der University of Michigan in Ann Arbor. Im Campus-Radio kommen seine Mixe zu ersten Ehren. Die Techno-Weltmetropole Detroit liegt nur einen Katzensprung entfernt. Klar, dass dieser Umstand die musikalische Karriere auf Dauer nicht unberührt lässt.

Nach und nach entdeckt Matt elektronische Klänge für sich und versucht sich an Eigenheim-Produktionen. 1996 schließt er sein Studium ab und jobbt ausgerechnet in der Sandwich-Bar, in der Carl Craig und Konsorten vom Label Planet E hin und wieder zum Lunch einkehren.

Wie gesagt: Dreistigkeit siegt. Matt belegt die Stulle für den Labeleigner mit einem seiner Mixtapes. Dieses mundet Craig dank Facettenreichtum und Originalität letztlich besser als das bestellte Brot.

Der Spaziergang zwischen Detroit-House und Jazz gefällt. Carl Craig nimmt Matt, der unter dem Bühnennamen Recloose operiert, bei Planet E unter Vertrag. Hier erarbeitet sich über die Jahre einen Ruf als exzellenter Remixer. Er dreht unter anderem Tracks von Towa Tei, MJ Cole und Azymuth durch den Fleischwolf.

2001 verschafft sich Recloose mit seinem Debüt "Cardiology" weltweit Gehör. Detroit House, Techno und Nu Jazz verschmelzen geschickt arrangiert zu einer frisch klingenden Einheit.

Auf Tour verliert Recloose sein Herz an eine Neuseeländerin und kehrt Detroit den Rücken. Das 2005 erscheinende "Hiatus On The Horizon" spiegelt die krasse Veränderung seiner Lebensumstände: Es tönt souliger und wesentlich entspannter.

"Mein Umfeld in Neuseeland hat mich auch subtile Weise umgekrempelt", verrät er gegenüber about.com. "Für mich waren es ganz neue Erfahrungen, am Strand zu leben, Ausflüge in die Berge, zu Vulkanen, heißen Quellen und so weiter unternehmen zu können. Eine solche Umgebung verführt nicht gerade dazu, Techno oder elektronische Musik zu machen."

Recloose holt sich neuseeländische Musiker ins Boot. Unter anderem sind Jazz-Keyboarder Jonathan Crawford und Fat Freddy's Drop-Sänger Joe Dukie mit von der Partie. Um seine Werke auf die Bühne zu bringen, stellt er die achtköpfige Recloose Live Band zusammen.

In dieser Besetzung entsteht das Live-Album "Backwards And Sideways", und auch für weitere Veröffentlichungen bleibt Recloose zwar keinem Label, wohl aber Neuseeland treu. Zu Joe Dukie gesellt sich später auch noch MC Tyna, The Natural.

Das Resultat spiegelt Matthew Chicoines kompletten Lebensweg: von Detroit nach Wellington, vom Jazz über Hip Hop, Funk und Elektro zum Soul.

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Recloose - Cardiology: Album-Cover
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  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2002 Cardiology

Kritik von Martina Schmid

DetroitHouseTechnoNujazz. Geht nich? Gibt's nich! (0 Kommentare)

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