Porträt

laut.de-Biographie

Quincy Jones

Kaum vorstellbar, wie die Popwelt ohne Quincy Jones aussähe. Der Tausendsassa ist eine der mächtigsten Figuren des Musikgeschäfts, Produzent unzähliger Hitsingles, Trompeter, Arrangeur, Komponist und Bandleader. Und er beschert der MTV-Generation ihren "King Of Pop".

Gemeinsam mit Michael Jackson gelingt Quincy Jones 1982 sein Meisterstück. "Thriller" avanciert zu einem der wichtigsten Alben aller Zeiten, das bis weit ins neue Jahrtausend strahlt und nach Jacksons Tod 2009 abermals eine Renaissance erlebt. Mehr als 110 Millionen Einheiten gehen weltweit über die Ladentheke. Neun Jahre nach "Thriller" zeichnet die US-amerikanische Musikindustrie den Produzenten mit dem Grammy Legend Award aus. Quincy Jones ist zu diesem Zeitpunkt 58 Jahre alt.

In den vier Jahrzehnten zuvor arbeitet Jones mit den schillerndsten Namen der Musikgeschichte. Mit 17 zieht er nach New York, um für Oscar Pettiford gegen einen Hungerlohn Arrangements zu schreiben. Über den Jazzbassisten lernt Jones das damalige Who is Who der Szene kennen. Charlie Parker, Thelonious Monk und Miles Davis sind nur einige, mit denen er fortan verkehrt. Ray Charles zählt schon zu Jugendtagen zu Jones' Freunden, Dizzy Gillespie engagiert ihn einige Jahre später als Trompeter für seine Tour.

Der ganz große Erfolg bleibt ihm als Musiker jedoch verwehrt. Zwar veröffentlicht Quincy Jones in seiner Karriere mehr als 30 Alben, Anklang finden die Scheiben jedoch zumeist nur bei den Kritikern. 1956 erscheint das Debüt "This Is How I Feel About Jazz", auf dem unter anderem die Kollegen Herbie Mann und Charles Mingus als Gäste auftreten. Ein Jahr später geht er nach Paris, um sich fortzubilden. In der französischen Hauptstadt produziert er für Barclay Records, einem Ableger der Mercury Records. Sarah Vaughan gehört zu den ersten Künstlern, die in Jones' Verantwortungsbereich fallen.

Der aufstrebende Produzent hinterlässt Eindruck. Und zwar so viel, dass ihm die Mutterfirma Mercury in sozial brisanten Zeiten einen Chefsessel anbietet. "Wenn du ein Schwarzer bist, musst du doppelt so gut sein und doppelt so fleißig, um nach oben zu kommen", blickt Jones einige Jahre später auf seinen Posten als Vize-Präsident zurück. Er ist der erste Schwarze, der in die Führungsetage eines Major Labels rückt. Von 1961 an schießt seine Karriere steil gen Himmel.

Trotz seines Erfolgs kämpft Jones ständig mit Ressentiments. Seien es rassistische Vorurteile, die in der USA der 1960er und 1970er an der Tagesordnung sind, oder soziale Verurteilungen. Er höhle die schwarze Musik aus, lautet der Vorwurf der Linken in den 1970er Jahren, als Jones mit afro-amerikanischen Künstlern wie Aretha Franklin, Herbie Hancock und Chaka Khan Welterfolge feiert. Seine Interpretation von Rhythm'n'Blues, Funk, Gospel und Soul sei banal und trivial und werde den Grundsätzen der schwarzen Genres nicht gerecht, spotten die vornehmlich weißen Kritiker. Jones' Erfolg überdauert auch diese elitäre Diskussion.

Die Geschichte der Schwarzen sei in ihrer Musik zu finden, nicht in Büchern, so der Leitspruch des Produzenten, der längst auch außerhalb der schwarzen Gemeinschaft Anerkennung genießt. Mit Frank Sinatra arbeitet er schon früh zusammen, zunächst in der Orchesterleitung, später als Arrangeur der Kollaboration mit dem Count Basie Orchestra und Produzent von Sinatras letztem Studioalbum "L.A. Is My Lady".

Gleichzeitig komponiert Jones den Soundtrack für verschiedene Hollywood-Streifen. 1964 kommt mit "Der Pfandleiher" der erste Film in die Kinos. In der Folge ist Jones unter anderem für die musikalische Untermalung von 50 Cents Semi-Autobiografie "Get Rich or Die Tryin’" verantwortlich. Für Steven Spielbergs "Die Farbe Lila" erhält Jones 1985 eine Oscar-Nominierung, verpasst die Auszeichnung jedoch. Zehn Jahre später ehrt ihn die Academy mit dem Jean Hersholt Humanitarian Award.

Jones arbeitet zumeist mit fertigen Künstlern zusammen, die mit beachtlichen Erfolgen bereits Weltruhm erlangt haben. Seine Stärke ist nicht, neue Talente zu entdecken und zu fördern, sondern Strömungen aufzuspüren und Trendwechsel zu initiieren. Auch Michael Jackson ist schon Popstar, als er sich 1979 für "Off The Wall" erstmals unter Quincy Jones' Fittiche begibt. Der Produzent formt aus dem Kinderstar vergangener Tage ein Jugendidol der 1980er und 1990er Jahre, das der Popmusik seiner Zeit einen Schritt voraus war. 1987 endet die Zusammenarbeit mit "Bad". Jackson ist zu diesem Zeitpunkt längst auf dem Olymp der Musikgeschichte angekommen – auch dank der Produktion, wie Jones unumwunden klarstellt: "Man muss sich nur die Platten anhören, die Michael mit den Jacksons zuletzt gemacht hat – und sie dann mit "Thriller" vergleichen. Für den Unterschied bin ich verantwortlich."

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