Porträt

laut.de-Biographie

Prodigy (USA)

"I'm only 19 but my mind is old." Solch juvenil überhebliche Worte nimmt die Szene einem heranwachsenden Rapper meistens nicht so gerne ab. Nicht so bei Albert "Prodigy" Johnson.

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MC Fitti feiert Advent, Lil Wayne in ... pardon ... mit Paris. Alle wollen Kendrick Lamar. Bis auf MoneyBoy. Der will Kollegah, kriegt aber Mariah Carey.

Als er und sein Partner Kejuan "Havoc" Mujita in den Neunziger Jahren, gerade volljährig geworden, unter dem Namen Mobb Deep ins Rampenlicht treten, folgen keine Schmähungen als Naseweise. Die detailreichen und ungeschmückten Beschreibung der Ghetto-Realität der Queensbridge Housing Projects nimmt die Szene vielmehr mit offenen Armen auf und inkludieren Mobb Deep sogleich in den Kanon der Leitfiguren des Mittneunziger Hardcore-Raps aus der hochstilisierten urbanen Hölle New Yorks.

Im Gegensatz zu den meisten Kollegen bleibt Prodigy über die Jahre einer der wenigen tatsächlich harten Hunde. Als er im Alter von 33 Jahren eine dreieinhalbjährige Haftstrafe wegen illegalen Waffenbesitzes antreten muss, schließt sich vorerst der Karrierekreis des Rappers: ein Straßenlyriker am Rande des Wahnsinns und zu wenig kompromissbereit, um es ganz nach oben zu schaffen.

Prodigys Geschichte bleibt eine Geschichte eines Kämpfers, nicht zuletzt weil der in Long Island, New York geborene Künstler seit seiner Kindheit mit der schweren Krankheit Sichelzellenanämie zu kämpfen hat. Darüberhinaus war sich Prodigy nie zu schade, dem Hip Hop-Genre-immanenten Battle-Gedanken zu frönen und sich im Laufe seiner Karriere mit Größen wie Tupac und Jay-Z oder weniger bekannten Kollegen wie Keith Murray und Saigon anzulegen.

Prodigy bleibt die Blaupause des unkontrollierten Gangsta-Rappers - seine Wurzeln erklären dies nur bedingt: Sein Urgroßvater William Jefferson White gründet die Elite-Universität Morehouse College, der Großvater ist der weltberühmte Jazz-Musiker Budd Johnson. Prodigys Vater bricht jedoch mit der ehrenwerten Familientradition: Der Waffenfanatiker ist schwer drogenabhängig. So landet Prodigy mitsamt Familie in den weniger schönen Gegenden New Yorks.

Diese destruktiven Elemente inspirieren ihn, zu Beginn der Karriere im Mobb Deep-Kontext, später wartet ein Solo-Millionenvertrag mit 50 Cents Mainstreamlabel G-Unit. Das Debüt "H.N.I.C." und das lediglich als Mixtape über Koch Records vertriebene "Return Of The Mac" avancieren zu gefeierten Post-Millennium-Großtaten in Sachen Hardcore Rap, den es laut Berufsnörglern eigentlich gar nicht mehr gibt.

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Prodigy (USA) Ultimate P
Klaustrophobe Ghetto-Tales eines Ausnahmerappers.

Als Prodigy im Oktober 2007 zu seiner mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wird (in den Bau wandert er wegen gesundheitlicher Probleme erst ein halbes Jahr später), nutzt er jede freie Sekunde, um seine Abwesenheit zu planen bzw. stellt sicher, dass er relevant bleibt. Alleine in den ersten 14 Monaten nach Haftantritt folgen drei Alben, etliche Videos und immer wieder kontroverse Statements über die Szene aus dem Knast, die hitzig diskutiert werden.

Ab dem 7. März 2011 schnuppert Prodigy wieder die frische und freie Lust der weiten Welt. Der Deal mit G-Unit ist zwar Geschichte, doch die Reime und Geschichten während des Gefängnisaufenthalts müssen unters Volk. Mit dem Buch "My Infamous Life: The Autobiography of Mobb Deep's Prodigy" mischt er zunächst die Queensbridge-Straßen auf und entfacht fast einen Bürgerkrieg am Block. Parallel droppt er mit "HINC 3" und "Bumpy Johnson" zwei halbgare Tapes, bis er im Sommer 2013 mit "Albert Einstein" an alte Klasse und Intensität anknüpfen kann.

Auch der Gefängnisaufenthalt konnte den Opportunisten und Emcee-Magier Albert Johnson offensichtlich nicht stoppen. Und somit bleibt er einer der größten, aber auch streitbarsten Legenden des Hardcore Rap.

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