Porträt

laut.de-Biographie

Prince Buster

Die bis heute entweder zutiefst verehrte oder belächelte jamaikanische "Volksmusik" der späten 50er Jahre, der Ska, wurde von mehreren Vertretern revolutioniert; einer von ihnen ist unumstritten der am 28. Mai 1938 in Kingston/Jamaica geborene Cecil Bustamente Campbell, besser bekannt als Prince Buster. Unglücklich mit seinen beruflichen Aussichten als Schienenarbeiter bei Kingston Railways, entlädt er seine Aggressionen nach Feierabend als Hobby-Boxer im Ring. Doch schon bald kommt ihm glücklicherweise die Musik in die Quere. 1961 wird der Muskelmann Security Guy für den aufstrebenden Produzenten Clement 'Coxsone' Dodd vom Downbeat Sound System, bei dem auch Lee 'Scratch' Perry gerade ins Musikbiz schnuppert. In den damals alltäglichen Straßenkämpfen der 'Rude Boys' um die besten Soundsystems darf Buster für seinen Boss häufig die Fäuste fliegen lassen, so dass man ihm schnell den Spitznamen 'Prince' verpasst. Nebenbei arbeitet er aber auch als Talentscout, und kurze Zeit später als Produzent und Sänger für Dodd.

Ab 1960 nimmt er für das "Bluebeat"-Label auf, u.a. den Folkes Brothers-Song "Oh Carolina", der 1994 durch die Coverversion von Shaggy zu neuen Ehren kommt. Bluebeat ist bis zur Gründung von Island Records das einzige Ska-/Reggae-Label in England. Der Ska-Sound der ersten Stunde wird deshalb auch als Bluebeat bekannt, da er zunächst ausschließlich auf jenem Label erschienen ist.

Busters Erfolg kommt über Nacht. Seine Platten verkaufen sich nicht nur in seinem frisch gegründeten Plattenladen "Buster's Record Shack" (der angeblich heute noch existiert) sondern auch in England, wo die Mod-Bewegung auf den Jamaica-Sound abfährt. "Al Capone" wird der erste in Jamaica aufgenommene Song, der die britischen Top 20 knackt. Prince Busters selbstherrlich-arrogante Haltung gegenüber den von ihm verlachten "Pseudo-Artisten", in deren Kompositionen er den Soul und die totale Hingabe vermisst, bringt ihn zusätzlich in die Schlagzeilen. Er selbst verarbeitet in seinen Texten alle Themen, die ihn beschäftigen, speziell religiöse, gesellschaftskritische aber auch sexuelle. Zeilen wie "My dick is in a terrible state" oder "She was a rough rider" brauchen wohl nicht näher erklärt zu werden.

Der Song "Ten Commandments Of Men", der herrlich chauvinistisch die Rollenverteilung unter Eheleuten beschreibt, stößt beim weiblichen Teil der Bevölkerung verständlicherweise auf wenig Gegenliebe. Busters Höhenflug ist aber nicht mehr zu stoppen, jeder Song aus seiner Feder scheint von der Chartspitze magisch angezogen zu werden. Ende der 60er engagiert sich Buster zunehmend für die Black Power-Bewegung, die die Stärkung der Bürgerrechte für die schwarze Bevölkerung zum Ziel hat. Nachdem er 1964 bereits sein Idol Muhammed Ali auf einer England-Tournee kennen lernt, konvertiert Buster kurze Zeit später ebenfalls zum Islam. Sein neuer Name lautet nun Mohammed Yusef Ali.

In den 70ern zieht sich der Neu-Muslime aus dem Musikbusiness zurück und arbeitet vorwiegend im Jukebox-Handel. Die Band Madness benennt sich nach einem seiner Songs und zollt ihm mit ihrer ersten Single "The Prince" zusätzlich Tribut. Das Two Tone-Ska-Revival in England lenkt die Aufmerksamkeit Ende der 70er wieder verstärkt auf die jamaikanischen Soundväter und deren Platten.

Um 1980 zieht sich Buster nach Miami in ein Haus mit Studio und Swimming Pool zurück, veröffentlicht aber nichts. In den 90er Jahren tritt er im Zuge der stetig ansteigenden Nachfrage nach lebenden und noch singfähigen Ska-Legenden (u.a. Laurel Aitken, Toots Hibbert) einige Male in erlesenen europäischen Metropolen sowie in Japan auf. Mit "Big Five" hat er leider keine allzu fähige Begleitband am Start. Augenzeugen behaupten, seine Rocksteady-Knüller sollen nicht mehr den Geist der 60er geatmet haben. 1998 verwendet Levi's den Buster-Song "Whine & Grine", der anlässlich des 40-jährigen Bestehens von Island Records neu aufgenommen wurde, für einen Werbespot. 31 Jahre nach "Al Capone" feiert Prince Buster damit seinen zweiten Charteinstieg und promotet den Song gar auf 'Top Of The Pops'. 2001 wird Buster/Yusef Ali im jamaikanischen Konsulat in Miami mit einer Auszeichnung für die Verdienste um die Entwicklung der jamaikanischen Musik gewürdigt.

Als Prince Buster-Grundstock ist das Best Of-Album "FABulous Greatest Hits" ein Muss für jeden Ska-/Reggae-Fan, denn es zeigt den Prince mit all seinen großen Hits der 60er Jahre. Darüberhinaus ist das 2001 auf einem spanischen Label wieder aufgelegte Live-Erlebnis "King Of Bluebeat" (in den 80er/90ern unter anderen Plattentiteln veröffentlicht) zu empfehlen. Es enthält einen sehr guten Live-Mitschnitt von Busters UK Tournee im Jahr 1967.

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