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Der am 7. Juni 1957 geborene Paddy McAloon mag keine Tourneen. Seine letzte Konzertreise datiert auf das Jahr 2000 - nach zehnjähriger Pause. Er ist 32 Jahre alt, als er beschließt, dass er Tourneen nicht mag. Mit 42 kann er sich nicht mehr erinnern, weshalb eigentlich. Und dann versucht er es eben noch einmal, vielleicht um den Grund für diese Abneigung zu finden: Er sagt, er könne sich nicht konzentrieren, zumindest nicht zwei Stunden lang. Er verliere den Faden, wenn jemand aus dem Publikum dazwischen schreie.
Er ist alt geworden, der Mann hinter Prefab Sprout, der 1977 gegründeten Band aus dem nordenglischen Newcastle, die Anfang der Achtziger Jahre im Popzirkus auftauchte. Und er weiß es, er hat die Reaktionen gesehen: Das Publikum erkennt ihn auf der Bühne nicht mehr, die Presse druckt alte - junge - Fotos ab. Fotos von damals, als Paddy noch anders, frisch aussah. Damals, mit seinem Bruder Martin McAloon am Bass und dem Drummer Neil Conti. Jazziger Pop mit Synthies und akustischem Klängen im Hintergrund, abgerundet mit der schönen Background-Frauenstimme von Wendy Smith, Paddys Exfreundin. Dazu intelligente kunstvolle Texte (und höchstgelobte dazu), brilliant inszeniert auf ihrem Debutalbum "Swoon" aus dem Jahr 1984.
Neben hübsch verpackten und akurat gefönten Bands wie Human League und New Order sucht Paddy mit Prefab Sprout nach den Inhalten des Seins: Worte werden mit Musik vermischt, arrangiert und symbiotisch verwoben. 1985 erscheint das Nachfolgealbum "Steve McQueen", produziert von Thomas Dolby. Das Album löst ziemlich gemischte Reaktionen aus, eine davon erklärt das Werk zum "besten Album der Popgeschichte".
Während sich die Band nach dem 88er Album "From Langley Park to Memphis" (unter Mitwirkung von Pete Townsend und Stevie Wonder) ein wenig Zeit zum Luftholen gönnt, erscheint im Jahr 1989 "Protest Songs" nach vier Jahren Archivierungszeit eine Sammlung von Liedern, die ursprünglich schon 1985 als Nachfolgealbum von "Steve McQueen" für nur eine Woche (!) in den Läden stehen sollte. Das eigentliche Comeback soll dann 1990 vonstatten gehen. "Jordan: The Comeback" heißt das Album und handelt Religionen und amerikanische Mythen wie Elvis Presley aus europäischem Blickwinkel ab - Themen, die Paddy McAloon inzwischen faszinieren. Der Erfolg von "Jordan" ist allerdings mäßig. Nachdem 1992 ein Best-Of-Album erscheint, verlässt Neil Conti die Band und erst fünf Jahre später erscheint "Andromeda Heights", dann 1999 "The 38 Carat Collection".
Nach der Veröffentlichung von "The Gunman And Other Stories" (2001), dessen Lieder großteils bereits 1994 entstanden und schon von Jimmy Nail oder Cher aufgenommen worden sind, gehen die Bandmitglieder endgültig ihre eigenen Wege. Als ihn eine fast zur Erblindung führende Augenkrankheit und ein Tinnitus zu einer kreativen Auszeit zwingen, ist von McAloon kein musikalischer Output mehr zu erwarten, in Fachkreisen ist voreilig vom "verglühten Pop-Genie" die Rede.
Allen Unkenrufen zum Trotz verbessert sich sein gesundheitlicher Zustand und er produziert 2003 sein Soloalbum "I Trawl The Megahertz", eine elektronische Fingerübung mit orchestralen Einlagen und Sprechpassagen. Stets selbst sein größter Kritiker schreibt er anschließend nach wie vor Songs, weigert sich aber, diese auf Tonträger zu bannen:
"Ich habe Songs geschrieben. Dutzende, vielleicht Hunderte. Aber ich hatte einfach keine Lust, nur einen einzigen davon zu veröffentlichen. Es hat mich einfach nicht interessiert. Klingt komisch, nicht wahr? Meine Vorstellung vom Popstar-Dasein hat sich jedenfalls komplett verändert. Wenn man so will, bin ich eine Art Brian Wilson in seiner harten Phase. Nur ohne die Psychiater und die Psychopharmaka!"
Dass 2009 mit "Let's Change The World With Music" ein Werk mit bis dato unveröffentlichten Prefab Sprout-Songs aus den Jahren 1992/93 auf den Markt kommt, ist schließlich dem Flehen der Plattenfirma zu verdanken. MacAloon hatte die Demo-Versionen dieser Liebeserklärungen an die Musik behutsam überarbeitet und offenbart sich erneut als liebenswerter Pop-Ästhet mit dem Hang zu schwelgerischen bis zuckersüßen Kompositionen. Auch wenn er älter geworden ist, mit diesem Album holt er sich einfach seine Jugend zurück.
Rudimentär designte Fansite mit ordentlichem Inhalt.
http://www.browningmcintosh.com/plocktonwest/sprout.html
Ausführliches Interview mit Paddy McAloon (2009).
http://www.telegraph.co.uk/culture/music/rockandpopfeatures/6163329/Paddy-McAloon-of-Prefab-Sprout-interview.html
Etwas magere Seite mit Hörproben, Infos und weiteren Links.
http://www.myspace.com/prefabsprout
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