Porträt

laut.de-Biographie

Perrecy

Dass die britische Kult-Figur Morrissey devote Fans hat, ist in Indie-Kreisen keine Neuigkeit. Seit der Sänger 1982 mit seiner damaligen Band The Smiths auszog, unglücklichen Teenagern in aller Welt eine Stimme zu geben, findet seine Musik von Südamerika bis Australien begeisterte Fans. Auch in Ingolstadt.

Dort wohnt und arbeitet Perrecy, dessen Erweckungserlebnis auf das Jahr 1984 datiert, als die Single "Heaven Knows I'm Miserable Now" erscheint. Damals lebt er zwar noch nicht in der Audi-Stadt, hier beginnt aber seine "Liebe zu guter Musik, zu guten Texten und meine Verzweiflung".

Als Perrecy während eines Barbados-Urlaubs deutsche Touristen beobachtet, die gedankenlos Reggae-Songs trällern, ohne die streckenweise chauvinistischen Inhalte zu bemerken, entsteht die Idee, Reggae-Songs ins Deutsche zu übersetzen und auf der Ukulele zu interpretieren.

Zwei Jahre nach Morrisseys grandiosem 2004er Album-Comeback "You Are The Quarry" transferiert Perrecy sein Hobby in eine neue Richtung: Er übersetzt die Songs des Meisters und seiner Ex-Band ins Deutsche. Zu seinen ersten Interpretationen gehört die Durchbruchssingle besagten Albums. Aus "The First Of The Gang To Die" wird "Der erste der Jungs der starb".

Der Zauber seiner Versionen liegt dabei nicht nur in der komplett E-Gitarren-freien Umsetzung und seiner schmeichelnden Stimme, sondern besonders in den speziellen Text-Übersetzungen. Jede deutsche Zeile folgt der englischen auf Schritt und Tritt, was zu höchst amüsanten Ergebnissen führt.

Etwa in "Dieser charmante Mann" die Zeile: "Was kümmert des Lebens Komplexität wenn sein Beifahrersitz ist aus solch weichem Leder genäht?" (Original: "Why pamper life's complexity when the leather runs smooth on the passenger seat?").

Anfang 2007 gibt Perrecy die ersten Interviews. Mittlerweile hat er weitere Songs in sein Programm genommen: "Preussisch Blut, Bayrisch Herz", "Stopp mich wenn du glaubst, dass du dieses Ding schon kennst" und "Haarschneider auf Flamme". Im selben Jahr versucht er sich an dem von zahlreichen Smiths-Experten als Ausnahmetrack gepriesenen 1985er Song "How Soon Is Now". Dessen deutsche Ukulelen-Entsprechung lautet: "Wie bald ist nun?" und ist die wahrscheinlich längste Version des vergangenen und künftigen Perrecy-Repertoires.

Kontakt zu seiner stetig wachsenden Fangemeinde hält der Ingolstädter per MySpace-Blog, wo er auch mal elementare Fragen stellt wie: "Kann mir jemand Worte schicken, die sich auf 'schlecht' reimen, wahlweise auch auf 'elend' oder auf 'Arbeit'?"

Seine musikalischen Würdigungen bleiben dank des Internets nicht auf den deutschen Sprachraum beschränkt: Noch Ende 2007 entsteht in München und New Jersey ein erster Fanclub mit dem schönen Namen Bavarian Front Disco ("The First of the Famous International Perrecy Fanclubs - as appointed and approved by the man himself"), der auch rasch Mitglieder aus Morrisseys damaliger Heimat Los Angeles rekrutiert.

Im Kleinen Haus des Theaters Ingolstadt geht am 8. Februar 2008 einer der ersten Perrecy-Auftritte über die Bühne. Karten gab es aufgrund eines Online-Problems lange Zeit nur über Telefon (ein nostalgischer Umstand, der Perrecys Idol sicher gut gefallen hätte).

2009 hat er bereits über 20 Songs von Morrissey und den Smiths interpretiert, die er ab und an auch live präsentiert. Natürlich nicht alleine, denn: "Es gibt einen Grund, warum Johnny Marr nie gesungen hat. Man kann das Zeug sonst nicht spielen!"

Daher tritt er (natürlich) in Viererbesetzung auf, bestehend aus ihm, Andy Rourke'n Ucker (Bass), Co Marr (Ukulele) und No Joyce (Schlagzeug, Gesang). Mit Dandy Rourke und Pro Joyce hat er sogar zwei Auswechselspieler in der Hinterhand. Die Legende geht, dass zwei dieser trübsinnigen Gestalten auch bei der befreundeten Band Slut im Line Up stehen. 2013 debütiert er - großspurig wie sein Idol - mit einem Doppelalbum, das den Titel jener Platte trägt, die Perrecy zu der ganzen Idee brachte: "Du Bist Das Opfer".

Morrissey selbst ist bislang noch nicht auf den charmanten Mann aus Ingolstadt aufmerksam geworden. Sein Gitarrist Boz Boorer ist aber immerhin schon Perrecys Facebook-Freund.

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