Porträt

laut.de-Biographie

One Be Lo

Die einen Vertreter des Hip Hop-Genres bedienen sich der künstlerischen Schubladen, um beim Publikum hängen zu bleiben. Die anderen machen genau das Gegenteil. Sie verlassen kontinuierlich die ausgetretenen Pfade und sorgen so dafür, dass ihnen zwar der ganz große Erfolg abhanden kommt, sie aber beim kleineren Rest umso höher im Kurs stehen.

Ein Beispiel dafür ist One Be Lo, der Ende der Siebziger als Raland Scruggs im amerikanischen Bundesstaat Michigan das Licht der Welt erblickt. Als unbestrittener Underground-Rap-Held bleibt er zwar der breiten Hörerschaft verwehrt, wird aber von seinen (wenigen) Fans im Laufe seiner Karriere als Vorzeige-Emcee gefeiert.

Bis dahin ist es aber ein steiniger Weg. Raland wächst in dem Ort Pontiac in Michigan auf und gerät schnell auf die schiefe Bahn. In Amerika (und wahrscheinlich überall sonst auf der Welt) braucht es eben nicht zwangsläufig eine klischeehafte Ghetto-Umgebung wie South Central Los Angeles oder die Bronx in New York, um kriminelle Energie bei einem Heranwachsenden ohne große Perspektive zu entfachen. Zum großen Kriminellen bringt es Raland aber nicht. Nach einem bewaffneten Raubüberfall schnappt ihn die Polizei und der Delinquent kommt für eine längere Zeit ins Gefängnis.

Tatsächlich macht ihn der Knast zu einem anderen Menschen. Der junge Mann konvertiert zum Islam, ändert seinen Namen in Nahshid Sulaiman und verschreibt sich fortan der guten Seite der Macht. Außerdem lernt er hinter den Mauern der Hiawatha Correctional Facility den Rapper Senim Silla kennen.

Beide liegen auf der gleichen Wellenlänge. Genau wie Senim Silla blickt auch Nahshid bereits auf eine kurze Rap-Vergangenheit zurück. Vor seiner Zeit im Knast versuchte er sich nicht nur als (Klein-)Krimineller, sondern auch unter dem Pseudonym OneManArmy am Mikrofon. Mit seinem Schulkollegen Decompoze war er bereits in der Rap-Szene Pontiacs involviert. Gemeinsam hatte man Größeres vor. Doch der Knast machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Oder auch nicht. Denn geläutert, frisch gestärkt und hoch motiviert kommt der Rapper aus dem Gefängnis und hat in Senim Silla einen ebenso engagierten Partner gefunden. Gemeinsam hat man Großes vor. Um den neuen Lebensabschnitt endgültig zu proklamieren, ändert OneManArmy auch seinen Künstlernamen und steht fortan als One Be Lo hinter dem Mic.

Die beiden Rapper schließen sich also unter dem Namen Binary Star zusammen und nehmen 1999 mit einem Budget von 500$ ihr Debütalbum "Waterworld" auf. Die Reaktionen überraschen das Duo, man verkauft erstaunlich viele Exemplare, doch leider ist es Binary Star nicht möglich, ihren lokalen Buzz über die Staatsgrenzen hinauszutragen. Die Bewährungsauflagen verbieten ihnen Auftritte außerhalb Michigans.

Ein Jahr später gelingt es Binary Star jedoch, den Business-Aspekt genauer ins Auge zu fassen. Mit One Be Los ehemaligem Schulkollegen Decompoze gründen sie Subterraneous Records und re-releasen das Debüt mit kleinen Veränderungen unter dem Namen "Masters Of The Universe" weltweit. Die Underground-Szene ist begeistert und feiert die lyrischen Skills und die nicht alltägliche musikalische Untermalung von Binary Star. Natürlich geschieht dies abseits des Mainstreams, dennoch schmuggelt sich der Longplayer in manche Bestenliste des Millenniumsjahres.

Dem Duo selbst hilft das nicht viel. Wenig später trennen sich One Be Lo und Senim Silla aufgrund kreativer Differenzen und gehen fortan getrennte Wege. Senim Silla verschwindet von der Bildfläche, aber One Be Lo behauptet sich in Folge als weitläufig gefeierter Underground-Emcee.

2002 veröffentlicht Subterraneous Records eine Sammlung von One Be Los Tracks unter dem Namen "Project F.E.T.U.S.". Wobei ein Großteil der Songs bereits vor der Binary Star-Zeit entstand. Die Taktik geht jedoch auf. Das New Yorker Underground-Label Fat Beats Records wird auf den Rapper aufmerksam und veröffentlicht drei Jahre später One Be Los eigentliches Debüt "S.O.N.O.G.R.A.M.".

One Be Lo bleibt dabei seiner Linie treu, seine Solo-Werke mit langen Akronymen zu betiteln. Stand "Project F.E.T.U.S." für "For Everybody That Under Stands", ist "S.O.N.O.G.R.A.M." die Abkürzung für "Sounds Of Nahshid Originate Good Rhymes And Music". Inhaltlich konzentriert sich One Be Lo mehr und mehr auf tiefgründige und intelligente Inhalte, die er mit vorzeigbarem Flow präsentiert.

Im gleichen Jahr folgt eine weitere Zusammenstellung unveröffentlichter Tracks mit noch detailreicherem Titel: Diesmal steht "S.T.I.L.L.B.O.R.N." wahlweise für "Something To Interest Lo Listeners Beyond Original Recorded Networkings" oder "Subterraneous/Trackezoids Invest Lost Lyrics Bringing Old Rhymes New".

Der Mainstream-Erfolg bleibt ihm weiterhin verwehrt, doch durch intensives Touren kann sich der Vater von drei Kindern akzeptabel über Wasser halten. Nach seinem mehr oder weniger erfolgreichen Exkurs bei Fat Beats Records kehrt One Be Lo zurück zu seinem eigenen Label Subterraneous und veröffentlicht schließlich 2007 "The R.E.B.I.R.T.H." - "Real Emcees Bring Intelligent Rhymes To Hip Hop". Der Name ist natürlich Programm und folgt erneut einer alternativen Rap-Fährte.

Zum herkömmlichen Rapper hat One Be Lo sowieso nie getaugt. Und so soll es auch bleiben. 2008 kehrt er seiner Heimatstadt Pontiac den Rücken und zieht mitsamt seiner Familie nach Ägypten. Die Entscheidung hat sowohl rationale - dort ist das Leben schlichtweg billiger -, als auch tiefergehende Gründe - One Be Lo strebt ein Sein als Weltbürger an. Der Musik will er auf seiner Reise aber treu bleiben. Noch zu Beginn des Jahres tritt er nach etlichen Jahren wieder mit seinem Binary Star-Kollegen Senim Silla auf; man spricht sogar von einem neuen Album. Und auch solo kündigt One Be Lo weitere Taten an. In absehbarer Zeit soll sein Opus Magnum erscheinen: "L.I.F.E." - "Lo Is For Everybody". Ob er die breite Masse trotz fehlenden Schubladen tatsächlich erreichen kann?

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