Mit Dream Theaters John Petrucci und Ex-Scorpions Uli Jon Roth spielt Mr. Satriani im März in Deuschland Konzerte. Wir hatten ihn am Telefon.

California (mbr) - Schon seit über 20 Jahre zieht die G3-Tour ihre Kreise. Das Prinzip: Joe Satriani tritt mit zwei anderen legendären Saitenkönnern auf (Soloparts plus gemeinsamer Jam). Die Ehre einer eigenen Tournee wird nicht gerade vielen Rockgitarristen zuteil: Doch einem der angesehensten überhaupt rollt eben noch jeder den roten Teppich zur Bühne hin aus.

Der Amerikaner - 15 Grammy-Nominierungen und über zehn Millionen verkaufte Platten schwer - hat dieser Tage nicht nur sein brandneues Studioalbum "What Happens Next" in der Tasche. Demnächst (26. bis 29. März) landet der Saitenhexer im Zuge der aktuellen G3-Auflage mit John Petrucci und Uli Jon Roth auch in Good Ol' Germany an. Im Vorfeld der Touraktivitäten und Albumpromotion erreichten wir Joe Satriani in Kalifornien, um über die anstehenden G3-Dates zu sprechen.

Lass uns über die G3-Tour reden. Du kommst im März für einige Termine nach Deutschland – mit John Petrucci und Uli Jon Roth.

Es ist einfach toll, die Jungs mit auf Tour zu haben. Mit John habe ich bereits sechs oder sieben Mal getourt, er ist ein Freund und wirklich beängstigend guter Gitarrist. Ich bin immer ganz aufgeregt, auf der Bühne neben ihm zu stehen, um zu sehen, ob ich mit ihm Schritt halten kann. Und Uli ist einer meiner Helden: Mit ihm die Bühne zu teilen, ist eine große Ehre für mich. Was viele nicht wissen: Ich hatte vor vielen, vielen Jahren das Wah-Wah-Pedal fast ganz aufgegeben, weil ich dachte, niemand kann jemals etwas Besseres damit anstellen als Jimi Hendrix.

Einer meiner Schüler meinte damals: 'Oh, du solltest diesen Typen hören, Uli Jon Roth'. Er zeigte mir die Platten "Firewind" und "Earthquake". Das haute mich damals völlig um. Ich dachte nur: 'Wow, dieser Typ bringt nicht nur eh unglaublich viel Gefühl in sein Spiel ein, sondern auch dann, wenn er aufs Wah-Wah-Pedal tritt! Er war allen anderen so weit voraus. Das machte mir Mut, es irgendwann wieder zu benutzen, machte es aber erst wieder bei "Surfing With The Alien". Das hat mein Leben verändert.

Die G3-Touren laufen seit 1995. Worin gründet diese Langlebigkeit?

Ich glaube, dass mein Grundgefühl, warum G3 funktionieren könnte, das Publikum von Anfang an teilte. Es wird sich auch nie ändern, dass die Leute auf der Bühne und im Publikum dasselbe wollen: Die elektrische Gitarre feiern, den ganzen Bullshit beiseite lassen und musikalisches Können zelebrieren.

Das erfordert zwar viel Mut von den Musikern, nebeneinander zu stehen und zu wissen, dass der Typ links oder rechts von dir in einigen Dingen oder in allem besser ist als du selbst. Aber eigentlich geht's darum, dass jeder versucht, es zur besten Gitarrenshow aller Zeiten werden zu lassen. Genau das macht die G3-Konzerte so unglaublich und lässt sie ein Eigenleben entwickeln. Es geht nicht darum, sich selbst zu zelebrieren, sondern mit dem Publikum zu feiern!

Nach welchen Kriterien suchst du das Line-up aus?

Wir schauen uns die große Menge Gitarristen an: Jene, die uns kontaktieren, die interessiert sind, bei der Show mitzumachen. Leute, die ich kenne, mit denen ich bereits gespielt habe, auch neue Leute bzw. jene, mit denen ich schon immer spielen wollte. Das ist organisatorisch nicht einfach. Denn eine Menge Profis sind schon drei Jahre im Voraus mit Studio- und Konzertterminen zugeplant. Es kann ganz schön schwierig sein, jemanden wie John Petrucci aus dem Dream Theater-Schedule rauszukriegen, um G3-Shows zu spielen.

Bei einigen geht es einfacher, bei manchen ist es noch schwerer. Aber so läuft eben das Musikgeschäft: Booking ist dermaßen wettbewerbsorientiert, dass du lange im Voraus buchen musst. Deshalb dauert es ein Jahr, die Tour zu organisieren. Ich suche immer nach Leuten, die einerseits ganz anders ticken, aber in ihrem Spiel auch ähnlich sind. Diese Ähnlichkeit gibt den Leuten etwas, an dem sie sich festhalten können. Die Unterschiede wiederum kreieren diese Energie, das Interesse jedes Beteiligten. Man ist gespannt, wie der andere spielt und freut sich jeden Abend darauf, auf die Bühne zu gehen. Diese Begeisterung überträgt sich aufs Publikum.

Dein aktuelles Album hast du mit Chad Smith und Glenn Hughes aufgenommen. Die beiden konntest du für deine G3-Tour nicht aktivieren?

Die zwei Jungs sind mit ihren anderen Bands ziemlich ausgelastet. Ich wusste schon bei den Aufnahmen, dass Chad mit den Chili Peppers beschäftigt ist, Glenn einige andere Projekte stemmt und beide keine Zeit haben. Die G3-Liveband hat eine besondere Aufgabe: Sie muss sich meinem ganzen Backkatalog widmen, und der erstreckt sich mittlerweile über dreißig Jahre. Deswegen sehe ich die Liveband immer noch mal als ein ganz anderes Monster an.

Ich freue mich, dass Mike Keneally wieder an den Keyboards und an der Gitarre mit von der Partie sein wird. Bryan Beller spielt wieder Bass. Die Drums kommen diesmal von Joe Travers, ihn wollte ich schon vor einigen Jahren engagieren, jetzt hat er endlich Zeit. Er ist ein großartiger Schlagzeuger, ich habe gerade eine Woche lang mit ihm geprobt. Ich freue mich schon auf die Shows.

Gibt es eigentlich ein Traum-Line-Up, das du noch verwirklichen willst?

Ich dachte immer an Eddie Van Halen. Die Fans lieben ihn, und es wäre toll, wenn er auf die Bühne käme, um mal zu zeigen, was er wirklich alles drauf hat. Es wäre toll, wenn er mal kurz außerhalb des Van Halen-Kontexts spielen würde. Ich hätte gerne Musiker, die total unterschiedlich sind, würde gerne Jimmy Page und Joe Bonamassa zusammenbringen. Billy Gibbons und Brian May. John Petrucci und Uli John Roth zusammenzubringen, ist genau etwas in dieser Art: John ist jünger als ich, Uli ist eine Legende. Dazwischen zu stehen, ist ein Traum. Wen würdest du denn gerne sehen?

Keith Richards wäre toll. Oder John Frusciante

Das sind tolle Ideen. Keith Richards ist allerdings zu teuer, glaube ich (lacht). John Frusciante wäre großartig, aber manche Leute wollen einfach nicht touren. Es ist ja auch eine Menge Arbeit, das muss man schon auch sagen. Wir spielen sechs Shows pro Woche, da kannst du nicht einfach nicht auftauchen. Du musst dich zusammenreißen, jeden Abend 45 Minuten alleine spielen und dann noch jammen. Du wärst überrascht: Nicht jeder ist dafür gemacht. Bis jetzt hatten wir aber immer Glück und jeder einzelne war sehr professionell.

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