Porträt

laut.de-Biographie

Mugison

Ach, Island. Musikalische Heimat sphärischer, irgendwie entrückter Künstler, deren elfengleicher Sound mystisch über die eisblauen, unendlich weiten Flächen zu schweben scheint.

Das sind knapp zusammenfasst die hartnäckigsten Klischees über den kleinen Staat am Rande Europas, denn selbstverständlich geht es auch ganz anders. Island ist nämlich auch die Heimat von Mugison, dem Bluesrocker.

Der junge Mann teilt sich zwar mit Größen wie Sigur Rós, Múm und Björk die Nationalität, das wars aber auch schon mit Gemeinsamkeiten. Gefühlte 80 db lauter und um einiges dreckiger bewegt sich Mugison irgendwo zwischen Beck, Jack White und der Blueskneipe nebenan.

In Island ist Mugison mit 10.000 verkauften Alben schon eine richtig große Hausnummer, bei nicht mal 300.000 Isländern sind seine platinträchtigen Verkaufszahlen schließlich mehr als ordentlich. Statt ausufernder Epik gibt es bei ihm schmutzige, knackige Songs, die nach Mississippi schmecken und nach gekautem Grashalm. Ein übersteuertes Megaphon, Anleihen an Nick Cave, Tom Waits und Beck - und das Gefühl, sich irgendwo draußen in der Nähe eines Sumpfes zu befinden. Nicht neben einem Geysir oder Gletscher.

Bürgerlich eigenlich Örn Elías Guðmundsson, kam der kleine Gunnar zu seinem Spitznamen, als er seinen Vater Muggor in Malaysia besucht. Der ist dort als Karaokesänger tätig, was vielleicht auch die leichte Verschrobenheit seines Sohnes zumindest zum Teil erklärt.

Jedenfalls können die Jungs in Malaysia den Namen seines Vaters nicht korrekt aussprechen und nennen ihn Muggi. Zurück in Island wird daraus nach isländischer Namenskonvention: Der Sohn von Muggi, Mugison. Klingt ja auch viel besser als Örn.

Die Legende besagt, dass er sich mit seinem ersten selbst verdientem Geld - genauer gesagt, dem Erlös aus gebrannten CDs, ein Ticket nach London leistet, wo er eine Ausbildung zum Tontechniker absolviert. In London fängt er derart instruiert und inspiriert auch an, selbst Platten aufzunehmen, statt nur die der anderen zu kopieren, und stößt durch Zufall auf den stets neugierigen Matthew Herbert.

Der mag seine Sachen auf Anhieb so sehr, dass er ihm prompt ein Plätzchen auf seinem Label Accidental Records anbietet. So veröffentlicht er im Jahr 2003 seinen ersten Longplayer "Lonely Mountain".

Das Album erreicht Platinstatus und wird in Island zur Platte des Jahre gekürt. Da Mugison darauf nicht vorbereitet ist, verbringt er den Rest des Jahres damit, zusammen mit eingespannten Freunden und Verwandten, das liebevoll handgenähte Pappcover, das Herbert so gut gefallen hatte, 10.000-fach zu reproduzieren.

Es folgen ein Menge Auftritte, unter anderem mit den Queens of The Stone Age durch Kanada. Zwei Alben später perfektioniert Mugison seinen bluesigen Indietronic mit staubiger Stimme. Live nur mit Elektrogerätschaften und Gitarre ausgerüstet, zieht er eine einmalig soulige One-Man-Show ab. Und das Ergebnis? Hoffentlich eine Vorreiterrolle in Sachen isländischer Blues- und Rockmusik, eine lange fällige Korrektur des Island-Elfenklischees und wundervolle Zeilen wie:

"The chicken is one of very few birds / That never can fly / But even with his head chopped off / He’ll still give it a hell of a try / How beautiful is that".

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