Porträt

laut.de-Biographie

Martin Luther

Der Name verpflichtet. Zumindest in den eigenen Augen. So verkündet ein gewisser Martin Luther, Soul-Singer/Songwriter aus San Francisco, selbstbewusst die Reformation von Soulmusik von den Bühnen der Welt. Was sang einst Gil Scott-Heron? "He is a legend in his own mind"? Wer Großes erreichen will, muss sich eben große Ziele setzen.

Als Sohn einer streng religiösen Familie aufgewachsen, muss der kleine Martin tagtäglich hinter dem Klavier sitzen und religiöse Lieder trällern. Die Eltern wünschen sich, dass aus dem talentierten Jungen einmal ein großer Kirchenmusiker werden soll. Hört sich ziemlich öde an. Ist es auch. Besonders als Martin die Klänge von Sly, Prince und Earth, Wind & Fire vernimmt – voilà, da haben wir die erste Liebe.

Fortan ist Kirchenlieder trällern nur noch Mittel zum Zweck, um an der eigenen Musikerkarriere zu feilen. Freilich außerhalb der Kirche. Das führt zu Auseinandersetzungen mit der strengen Klavierlehrerin, die sich mit oben genannten Musikern vielleicht gerade noch anfreunden kann. Als Martin jedoch Van Halen für sich entdeckt, bricht die Zusammenarbeit für immer.

Die Geschichte vom "Choir Boy-Turned-Rocker" ist perfekt. Neben dem College-Studium feilt Martin Luther also am Solodebüt. Genügend musikalische Skills hat er sich durch seine strenge Ausbildung im Kirchenchor ja bereits angeeignet. 2000 erscheint "The Calling" - geschrieben, produziert und arrangiert von Martin Luther. Das Album schafft es jedoch nicht einmal zum Underground-Erfolg. Nichtsdestotrotz funktioniert die Mischung aus Rock, Soul und tief greifenden Lyrics im R'n'B-Gewand. Das erkennen zumindest einige Künstler, deren Füße, was ihre Bekanntheit betrifft, bereits im Trockenen stehen. So folgen Touren durch die ganze Welt mit The Roots, Jill Scott, Dead Prez und Digable Planets. Rampensau Luther gefällt's dort, was sich natürlich positiv auf die Motivation für die eigene Karriere auswirkt.

2004 veröffentlicht Luther auf dem amerikanischen Markt sein zweites Werk "Rebel Soul Music". Wieder independent, doch diesmal mit weitaus größerem Erfolg. Über 20.000 Einheiten wandern über die Ladentische. Jetzt macht sich die Live-Erfahrung bezahlt, denn als erstem Independentkünstler bietet der Musiksender MTV Martin Luther an, in ihrer Sendung MTV Live zu spielen. Eine Ehre, die das Multitalent vor allem den hervorragenden Kritiken der Presse zu verdanken hat. Also wird erst MTV Live gerockt, dann solo die Kleinbühnen der Vereinigten Staaten.

Und tatsächlich, "Rebel Soul Music" ist innovativ. Von der Reformation des Soul-Genres zu sprechen, ginge zwar zu weit. Trotzdem wurde selten zuvor so angenehm die Balance zwischen knarzenden Gitarren und sanften Gospelgesängen gefunden, wie auf den 14 Tracks des Longplayers. Eineinhalb Jahre später, im Februar 2006, kommen erfreulicherweise auch die europäischen Freunde von Genrewanderungen in den Genuss der Platte. Der PIAS-Vertrieb nimmt sich Martin Luthers Label Rebel Soul Records an und streut "Rebel Soul Music" unters Volk.

Auf einer weitreichenden Europa-Tour haben die Unwissenden hierzulande die Möglichkeit, sich von den Qualitäten des Künstlers selbst zu überzeugen. Nebenbei versucht sich Luther als Schauspieler in einer Hauptrolle im Film "Across The Universe", in dem er, welch Wunder, einen ambitionierten Jungmusiker spielt. Falls es also nicht klappen sollte, die Soulmusik komplett umzukrempeln, kann sich Martin Luther immer noch auf das zweite Standbein, die Schauspielerei, verlassen.

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