Porträt

laut.de-Biographie

Mark Medlock

Als die Moderatoren Tooske Ragas und Marco Schreyl in der vierten DSDS-Staffel den Namen des Gewinners verkünden, geht dieser kurz in die Knie, dreht dem Publikum den Rücken zu und reißt die Arme in die Luft. Der bereits im Voraus als Favorit gehandelte Sänger setzt sich mit einer erstaunlichen Mehrheit gegen seinen 16-jährigen Konkurrenten Martin Stosch durch. 78 Prozent der Anrufer küren Mark Medlock zum Sieger von "Deutschland sucht den Superstar".

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Mark Leon Medlock kommt am 9. Juli 1978 in Frankfurt am Main zur Welt. Sein Gesangstalent erbt der Musiker von seinem aus den USA stammenden Vater, der ihn bereits mit sechs Jahren das Singen lehrt. Zu Beginn des neuen Jahrtausends verliert der gelernte Altenpfleger beide Elternteile kurz hintereinander: Seine Mutter stirbt 2000 an Krebs, sein Vater erliegt 2002 einem Herzinfarkt.

Um seine Mutter bis zu ihrem Tod pflegen zu können, verlässt Mark frühzeitig die Schule und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Seine gleichgeschlechtliche Ehe scheitert nach fünf Jahren, und wegen der Chancen, die DSDS ihm bietet, trennt sich Medlock, der sich selbst als "total schräg" bezeichnet, sofort nach seinem Sieg von seinem Freund.

"Ich habe jetzt eine einmalige Chance. Da muss ich über Leichen gehen", lässt der Sänger verlauten. Diese Devise meistert er anschließend mit Perfektion, indem er der Presse munter einen Skandal nach dem anderen liefert. So will ihn die Bravo Ende 2007 koksend auf der Toilette einer Berliner Disco erwischt haben, und während einer Sicherheits-Kontrolle am Flughafen Köln-Bonn ein halbes Jahr später sorgt er mit einem heftigen Wutausbruch für Furore. Grund: die Aufforderung der Beamten, flüssige Kosmetika zu entsorgen.

Gar nicht viel später macht Medlock mit einer Schlägerei in einem Saunaclub von sich reden und wird 2009 wegen Körperverletzung und Beleidigung zu einem Bußgeld von 56.000 Euro verurteilt. Außerdem beschuldigt man ihn, einen Mann auf einer Party sexuell genötigt zu haben.

All das ahnt zunächst jedoch niemand. In der Castingshow gewinnt der Sänger schnell das Herz des "Pop-Titans" Dieter Bohlen, der ihn nach seinem Sieg produziert und auch die Songs für ihn schreibt. Während der Sendungen sorgt Bohlens Liebling oft für Presserummel. Sein Bekenntnis, mit elf Jahren bereits seine Unschuld verloren zu haben, und seine Homosexualität sorgen für Schlagzeilen.

In den Castings und den Mottoshows profiliert sich "Bobbelsche", wie ihn seine Anhänger liebevoll nennen, gesanglich vor allem mit seiner souligen Stimme und den dazu passenden Liedern, etwa von Barry White oder Ben E. King. Doch auch mit Schmuseballaden wie "Hello" von Lionel Richie singt sich Medlock in die Herzen der Fans. Deutschlands Erfolgsproduzent setzt für seinen Schützling auf klassisches Balladen-Instrumentarium: Die Kuschelnummern von "Mr. Lonely" bleiben stets im Rahmen des Mainstream-Pop.

Nur wenige Tage nach dem Superstarfinale verkünden Bohlen und Medlock ihre Absicht, unter dem Namen Miami Vice ein neues Popduo zu gründen. Das erste Mal in der Geschichte der Castingshow lässt sich Bohlen auf eine so enge Zusammenarbeit mit einem der Künstler ein und setzt, zumindest was den Erfolg angeht, die Latte äußerst hoch. "Wir sind die neuen Modern Talking", tönt er im Vorfeld eines "Wetten, dass..."-Auftritts.

Das entsprechende Album "Dreamcatcher" erscheint letztlich aber doch nicht unter dem Signet der Frühachtziger-Actionserie, sondern schlicht unter "Mark Medlock & Dieter Bohlen". Hier wie auch auf den nachfolgenden Soloalben Medlocks weicht man keinen Millimeter vom Bohlen'schen Pop-Balladenkonzept ab. Schade: Ein Sänger wie Mark hätte eine ordentliche Portion Soul verdient.

Wer hoffte, die 2011 bekannt gegebene Trennung von Dieter Bohlen eröffne Medlock nach "Rainbow's End" endlich den Weg in eine weniger glattgebügelte musikalische Zukunft, sieht sich getäuscht: "My World", die erste Veröffentlichung ohne den übermächtigen Mentor, setzt zwar tatsächlich stärker auf Soul. Mit einer doch recht mutlosen Ansammlung sattsam ausgenudelter Schmusehits zieht man aber auch wieder nicht das größte Schnitzel vom Teller.

Ende des Jahres 2011 verlässt Mark Medlock seine Heimatstadt Offenbach und zieht nach Sylt, in die Obhut seiner neuen Managerin. Der Karriere scheint dieser Schritt jedoch wenig zuträglich zu sein: Schon im darauffolgenden Sommer gibt Medlock seinen Abschied von der Bühne bekannt.

Ein Windei, wie sich herausstellt: Wenige Monate steht er mit seinem frisch gegründeten eigenen Label Black Feather Records wieder auf der Matte. Viel mehr als ein Duftwasser bringt die Plattform zunächst allerdings nicht hervor. Ende Mai 2014 folgt mit "Im Nebel" ein Album, wieder soll es Marks letztes sein, wieder kommen die Dinge anders.

Im März 2017 veröffentlicht Mark Medlock, nur für seine Fans, wie er explizit betont, doch wieder eine Platte: Um "Zwischenwelten" zu goutieren, muss man dem ehemaligen DSDS-Sänger dann auch tatsächlich äußerst gewogen gegenüberstehen. Billige Produktionen ohne Melodien oder musikalische Einfälle treffen auf halb esoterisch, halb christlich angehauchte Texte, die wohl nachdenklich und tiefgründig wirken sollen, tatsächlich aber eher Besorgnis um Marks Verfassung schüren.

Wer dem Bobbelsche ungebrochen zugetan ist, möchte einfach nicht hinnehmen, dass seine Sternstunde mit "Easy" im Casting von DSDS eine einmalige Angelegenheit gewesen sein soll. Seine treuen Jünger glauben es noch immer: In ihren Augen bleibt der Offenbacher die hessische Reinkarnation von Otis Redding. Für immer.

News

Alben

Mark Medlock - My World: Album-Cover
  • Leserwertung: 2 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2011 My World

Kritik von Dani Fromm

Das ist deine allerletzte Chance, Bursche! (0 Kommentare)

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Mark Medlock ist 'Superstar' Mark Medlock bei den Proben zum 'Viertelfinale'.

Mark Medlock bei den Proben zum 'Viertelfinale'., Mark Medlock ist 'Superstar' | © LAUT AG (Fotograf: Peter Wafzig) Mark Medlock bei den Proben zum 'Viertelfinale'., Mark Medlock ist 'Superstar' | © LAUT AG (Fotograf: Peter Wafzig) Mark Medlock bei den Proben zum 'Viertelfinale'., Mark Medlock ist 'Superstar' | © LAUT AG (Fotograf: Peter Wafzig) Mark Medlock bei den Proben zum 'Viertelfinale'., Mark Medlock ist 'Superstar' | © LAUT AG (Fotograf: Peter Wafzig)

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