Porträt

laut.de-Biographie

Lovvers

Reichen zwei Bands schon für einen neuen Trend? Jedenfalls taucht im Zuge der seit 2008 grassierenden Punk- und LoFi-Welle nach den Wavves mit den Lovvers nun schon die zweite Band auf, die sich aus Coolness-Gründen ein zusätzliches 'v' im Namen gönnt. Ähnlich hatte es mit den 'The'-Bands nach dem Hype um The Strokes auch einmal angefangen.

Lovvers - Ocd Go Go Go Girls Aktuelles Album
Lovvers Ocd Go Go Go Girls
John Peel hätte diesen 1,99-Dollar-Live-Sound geliebt.

Michael Drake, Stephen Rose, Henry Whithers and Shaun Hencher gründen die Lovvers im Mai 2006 im englischen Nottingham, nachdem sich die Vorgängerbands "The Murder Of Rosa Luxemburg" und "Kamikazee" aufgelöst haben. Doch schon nach dem ersten Konzert ist die Band fast an ihrem Ende: Auf der Heimfahrt schläft Gitarrist Henry am Steuer ein und setzt den Kleinwagen mit 70 km/h gegen eine Straßenlaterne.

Die ganze Band landet im Krankenhaus – nur Henry hat als einziger keinen Kratzer abbekommen. Ein paar Wochen später springt Schlagzeuger Steve einfach mal von einer Flussbrücke und bricht sich beide Fußgelenke. Wer bei so viel selbstzerstörerischer Energie an Punk denken muss, liegt richtig. Endlich gesundet spielen die Lovvers hiernach über 100 krawallartige Shows in zwei Jahren und veröffentlichen in der Zwischenzeit auch vier Vinylsingles, die von der Band live eingespielt werden.

Dass man in Englands geschichtsträchtiger Punkszene nicht überall mit offen Armen empfangen wird, stört die Lovvers nicht im geringsten: "Manchmal können wir die schlechteste Band sein, die du je gesehen hast. Wenigstens geht es uns nicht darum, die richtigen Bandshirts zu tragen oder am meisten Merchandise dabei zu haben", antwortet Sänger Shaun auf den Vorwurf, dass die Band ihre Instrumente live mitunter ziemlich schlampig spielt. Ein junge Kerrang!-Leserin geht sogar so weit, dass sie einen Leserbrief an die Musikzeitschrift schreibt, indem sie darum bittet, das ihrer Meinung nach beschämende Live-Erlebnis wieder aus ihrem Gedächtnis zu löschen.

Der Sound der Lovvers ist einerseits beeinflusst von amerikanischem 80er Art-Punk von Bands wie Flipper, den Wipers oder SST. Aber auch ein explizit britischer Oldschool-Punk-Einschlag Marke Buzzcocks lässt sich nicht verleugnen. Diese ungefähren Koordinaten machen schon das erste Album "Think" - mit 7 schnellen, rauen Songs in 13 Minuten eher eine EP – zu einem NoFi-Spektakel.

Und doch lässt man sich in der britischen Presse lieber über das gehobene Styling der Band aus. Genervt gehen die Lovvers erneut auf Tour. Mit amerikanischen Noisepop-Bands durchquert man halb Europa, teilt Bühnen mit Jay Reatard, Times New Viking, Mika Miko, Abe Vigoda. Die Kollegen von No Age werden vor einer Show so mit Vodka abgefüllt, dass sie im Suff auf der Bühne aufeinander losgehen.

In der Zwischenzeit arbeitet man auch an neuen Songs, die 2009 auf dem zweiten Album "OCD Go Go Girls" via Wichita veröffentlicht werden, das insgesamt etwas lässiger klingt und bewusst genauso schlampig produziert ist wie der Output der Wavves. Das zweite 'v' im Namen steht deshalb wohl für "vague": verschwommen.

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