Porträt

laut.de-Biographie

Llynch

Bei Llynch mahlen die Mühlen immer etwas langsamer als bei den meisten anderen - dafür aber umso heftiger. Wer sich allein die achtjährige Zeitspanne vor Augen führt, die zwischen der 2000 in Saarbrücken entsprungenen kreativen Kopfgeburt und dem Erscheinen des Debütalbums liegt, muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass diese Noise-Fetischisten mit vorschnellen Schüssen aus der Hüfte absolut gar nichts am Hut haben.

Obwohl oberflächliche Phrasendrescherei noch nie ihr Ding war, stolpert man angesichts des langen und beschwerlichen Weges, den diese deutsche Avantgarde-Hardcore-Institution zurücklegen musste, um schließlich zum Ziel namens Longplayer zu gelangen, zwangsläufig über Opas weisen Spruch: "Was lange währt, wird endlich gut." Wenn sich fünf talentierte Verrückte nach einer akustischen Überdosis Botch und Deftones vornehmen, eigenständige Musik mit Anspruch und dauerhafter Relevanz zu schaffen, zählen sie offensichtlich weder Erbsen noch Jahre.

Alle Expeditionsteilnehmer, die 2000 zur Mission Llynch aufgebrochen sind, halten der gemeinsam ersponnenen musikalischen Vision treu die eiserne (Brech)Stange. M. Rosner (Drums), P. Hell (Gesang), M. Feit (Gitarre/Keyboards) C. Breuer (Bass/Synthesizer) und M. Kraemer (Gitarre) verfolgen ihren eigentümlichen Entwurf von freigeistigem Hardcore seit ihrer musikalischen Initiation konsequent.

Lediglich die Zutaten aus ungewöhnlichen Harmoniefolgen, effektvoll verfremdetem Gesang und rhythmisch vertrackten Arrangements kombinieren und gewichten Llynch in allen erdenklichen Variationen. Der rote Faden, der ihr Werk dabei unverkennbar durchzieht, spannt sich um die unnachahmlich atmosphärische Dichte, die so umwerfend wie ungreifbar erscheint.

Nach der vielversprechenden Mini-CD "The Transformation Of Madison", die 2002 auf dem Mannheimer Underground-Label Scorched Earth Policy erscheint, streut der Fünfer vereinzelte Vorboten in Form einer Split-LP mit der US-Band Minor Times (2003), welche 2005 unter dem Titel "The Transition Songs" als EP neu aufgelegt wird. Auf diese kurzformatigen Appetizer folgt 2008 die Krönung namens "We Are Our Ghosts". Ein kompromissloser, komplexer und stilistisch vielseitiger Brocken von Debütalbum, der die erwartungsfreudigen Hörer für ihren langen Atem belohnt.

In einschlägigen Szenekreisen erspielen sich Llynch mit explosiven Performances über die Jahre hinweg einen Ruf als verdammt tighte und mitreißende Liveband. Mit infernalischem Sound und aufopferungsvollem physischen Einsatz bringen sie die ungezüglete Intensität ihrer Platten eins zu eins auf die Bühne. Im Gepäck von Gesinnungsgenossen wie Converge, Playing Enemy, Anodyne und Crowpath sorgen sie europaweit für Kinnladen auf Halbmast und lassen sämtliche Möchtegern-Schwergewichte mit nassen Hosen zurück.

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