Porträt

laut.de-Biographie

Kristof Schreuf

Kristof Schreuf gilt vielen als hochwichtiger Vordenker der so genannten Hamburger Schule (Blumfeld, Tocotronic ...). Einen Wikipedia-Eintrag über Schreuf aber sucht man vergebens. Auch sonst sind die Informationen über den Künstler, der 1963 in Frankfurt am Main das Licht der Welt erblickt haben soll, im weltweiten Netz recht sparsam gesät.

Für die FAZ ist Schreuf denn auch "der unbekannteste und verschollenste unter den einflussreichen deutschen Popkünstlern". Was aber ist bekannt? Schreuf war Sänger und Texter der Band Kolossale Jugend, die von 1988 bis 1991 existierte und noch heute ob ihrer herausgeschrieenen Texte in einschlägigen Kreisen einen nicht eben geringen Ruf genießt.

Der Bandname Kolossale Jugend soll dem einzigen Album der britischen Post-Punk-Legende Young Marble Giants, "Colossal Youth", entlehnt sein. Die Diskografie der Band indes ist überschaubar: Nach dem 1989 veröffentlichten Debüt "Heile Heile Boches" erscheint mit "Leopard II" ein Jahr später auch schon das letzte Album der Kolossalen Jugend. Zum Line-Up der Band gehören neben Schreuf Christoph Leich (Schlagzeug), Klaus Meinhardt (Bass) sowie Pascal Fuhlbrügge (Gitarre).

Auf der webpage der Band(www.kolossalejugend.com) kann man sich einen Eindruck vom wilden Touralltag (1988-90) der Kolossalen Jugend machen ("4 zahlende zuschauer + das tresenpersonal und der putzmann ..."), der Clip zum Song "Wohnung" kündet vom anarchistischen Charme der Band.

Wie wichtig Schreufs einflussreiches Treiben für die Hamburger Schule ist, belegt nicht zuletzt ein Blumfeld-Song: Jochen Distelmeyer zitiert Schreuf im Song "Anders als glücklich": "Anders als glücklich hat Kristof Schreuf gesagt hier nochmal schriftlich von einem der laut denkt und sich sagt ich seh das ähnlich und bring es zu Papier das macht mich ehrlich und vielleicht hilft es dir."

Nach der Auflösung von Kolossale Jugend gründet Schreuf 1995 die Formation Brüllen. Zur Gruppe gehören nebst Schreuf Luka Rothmann (Bass) sowie Martin Buck (Percussions). 1997 erscheint beim Hamburger Label Buback das Album "Schatzitude". Ein angekündigtes zweites Album harrt noch seiner Veröffentlichung.

Schreuf allerdings hegt auch Ambitionen im außermusikalischen Feld: 2003 gar wird er von der großen Iris Radisch (Literaturkritikerin der Zeit) für den renommierten Bachmannpreis vorgeschlagen. Beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt darf Schreuf den Text "Wahrheit ist das wovon Männer gerne behaupten, dass es ihnen um sie geht" lesen. Legendär auch das Warten auf Schreufs Buch "Anfänger beim Rocken", das schon seit einigen Jahren in der "Edition Suhrkamp" erscheinen soll. Und doch nicht rauskommt.

Auch als Journalist tut sich Schreuf hervor (etwa für die Junge Welt), ohne auch hier durch besondere Schnelligkeit aufzufallen. Zumindest, wenn man Max Dax Glauben schenkt, Chefredakteur der Spex, der konstatiert: "Kristof Schreuf war im Übrigen noch nie ein schneller, pragmatischer Anpacker. Als Journalist ist er berüchtigt, Texte zu spät abzuliefern ...".

"Die famoseste Nervensäge, die die Hamburger Popmusik hervorgebracht hat" (taz) aber straft dann doch alle Nörgler Lügen: Im Frühjahr 2010 veröffentlicht Schreuf sein erstes Soloalbum, für das er teils begeisterte Kritiken einstreicht. Auf "Bourgeois With Guitar", produziert von Tobias Levin in dessen Electric Avenue Studio, zitiert sich Schreuf durch die Pop- und Rockhistorie: AC/DCs "Highway To Hell" dient ihm dabei genauso als Ausgangsmaterial wie Neil Youngs "Rockin’ In The Free World" oder Donna Summers "I Feel Love".

Die spärlich instrumentierten Coverversionen, die gar keine Coverversionen sein wollen, kommen so gut an, dass etwa ein Jan Wigger (Spiegel-Online) konstatiert: "die triumphale Wiederkehr eines Naturgenies".

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