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Die durchdachte Leichtigkeit, mit der das Kollektiv Turmstrasse den Groove in seinen Tracks zur Entfaltung bringt, macht die Musik des Produzentenduos so sympathisch. Auf einen guten Flow vertrauen Christian Hilscher und Nico Plagemann auch sonst bei wichtigen Fragen im Leben, frei nach dem alten Swinger-Club Motto: "Alles kann, nichts muss." Das zumindest legt ein Blick auf die Laufbahn der beiden Produzenten nahe.
Hilscher und Plagemann lernen sich in ihrer Heimat Mecklenburg-Vorpommern auf einer Party kennen, wo sie als DJ und Live-Act auftreten. Die gute Chemie des Abends mündet später in einer Wohngemeinschaft. Dort arbeiten die beiden an eigenen Tracks.
Als der Schritt an die Öffentlichkeit ansteht und schnell ein Name her muss, fällt die Wahl auf die WG-Adresse in der Turmstraße. Den ersten Einblick in ihr musikalisches Schaffen gewähren Hilscher und Plagemann 2004 mit der EP "New Weakness" auf dem Netlabel No Response.
2006 gründen sie mit Musik gewinnt Freunde ihr eigenes Label. "Es sollte nur eine einzige Platte werden mit einer sehr kleinen Stückzahl", sagen die beiden im Interview. Was zunächst als kurzzeitige Maßnahme zur Vinyl-Veröffentlichung erster Tracks gedacht ist, bringt den Stein dann allerdings erst richtig ins Rollen.
Das Turmstrasse-Release erreicht auch das Kölner Label Kompakt, wo man sich entschließt, den Vertrieb für die Newcomer zu übernehmen. Nach diesem Ritterschlag dauert es nicht lange, bis die Nachfrage nach weiteren Kollektiv Turmstrasse-Tracks in Gang kommt und selbige auf Musik bringt Freunde folgen.
Mit dem Umzug nach Hamburg ergeben sich weitere Möglichkeiten für das Duo. Beste Beziehungen unterhalten sie beispielsweise zu Solomuns Label Diynamic. Dort veröffentlichen sie ihre Tracks genauso wie auf Ostwind und Connaisseur. Dort erscheinen 2007 auch ihre beiden Clubhits "Grillen Im Park" und "Tristesse".
Zwei Jahre später rückt sie ein Compilation-Beitrag auf Sven Väths Label Cocoon auch international in den Blickpunkt.
Mit ihrem Debütalbum "Rebellion Der Träumer" bringen Kollektiv Turmstrasse 2010 ihre ruhige Seite zum Klingen. Die chilligen Listening-Tracks markieren eine deutliche Zäsur zu den bisherigen Veröffentlichungen, die ihre Heimat ganz eindeutig auf der Tanzfläche haben.
Christian und Nico über das ruhigere neue Album und ihr Ibiza-Debüt.
Kaum von ihrem ersten Ibiza-Auftritt zurückgekehrt, erwartet Kolletiv Turmstrasse ein dicht gedrängter Terminkalender.
Jede Menge Promotiontermine für ihr auf Connaisseur Recordings veröffentlichtes Album "Rebellion der Träumer" stehen an. Auch wir nutzten die Gelegenheit zum Gespräch mit Christian Hilscher und Nico Plagemann.
Euer Album war ja schon seit geraumer Zeit angekündigt. Warum hat sich das Release verzögert?
Wir wussten eine Zeit lang nicht, wohin die Reise mit dem Album gehen soll. Es existierten schon die ersten Ideen von Stücken, doch damit waren wir nicht so recht glücklich. Man könnte sagen, wir haben nach dem rotem Faden gesucht.
Die vergangenen Jahre waren sehr erfolgreich für euch. Ihr habt mit "Grillen Im Park" und "Tristesse" zwei Clubhits veröffentlicht und wart zudem auf Sven Väths Cocoon Compilation mit einem Track vertreten. Ist der Erwartungsdruck dadurch gestiegen?
Uns war schon bewusst, dass ein sehr großer Aufmerksamkeitsfokus auf uns und dem kommenden Album liegt. Während der Albumproduktion haben wir uns aber nicht so viele Gedanken darüber gemacht. Das wurde uns erst viel später bewusst, als die ersten Reaktionen kamen.
Ihr habt im September auch im Amnesia auf Ibiza gespielt. Wie war die Atmosphäre dort? Welche Erinnerungen habt ihr von dem Gig mit nach Hause gebracht?
Für uns war das ein Jahres-Highlight! Über Ibiza hat man natürlich schon viel gelesen und gehört, aber wir sind selbst tatsächlich noch nie da gewesen. Der Auftritt, das Wetter und die Atmosphäre, das alles zusammen hat einfach gepasst und wir hatten vier tolle Tage auf der Insel.
Euer neues Album "Rebellion der Träumer" wendet sich vom Dancefloor ab und markiert damit einen deutlichen Bruch mit den bisherigen Releases. Warum dieser Schritt?
Es ist kein Bruch in dem Sinne. Wir zeigen mit dem Album nur eine weitere Seite von uns. Mit "Rebellion der Träumer" wollen wir etwas Neues schaffen und eben nicht nur die Seite wiederspiegeln, die man schon von uns kennt und die man von uns erwartet. Das Album soll die Hörer überraschen und mit auf eine Reise nehmen.
Das Album hat sich ja wie erwähnt ganz langsam entwickelt. Das Konzept zu "Rebellion der Träumer" ist dann aber recht schnell über den Sound entstanden. Wir haben da nichts erzwungen und eigentlich nur gemacht was uns gefällt. Wir werden ja auch ständig beeinflusst, gerade Dubstep und Electronica haben uns in letzter Zeit viel begleitet. Da gab es einiges Neues zu entdecken und es hat unglaublich viel Spaß gemacht, das in unsere Arbeit einfließen zu lassen.
Auf dem Album sind auch Gastmusiker zu hören. Wie war die Zusammenarbeit im Studio? Wie haben sie das neue Album beeinflusst?
Wir würden lügen, wenn wir jetzt behaupteten, die Zusammenarbeit war immer einfach. Wer uns besser kennt, der weiß, dass wir unseren ganz eigenen Arbeits- und Kommunikationsrhythmus haben. Das wiederum macht es nicht immer einfach für Leute, die mit uns zusammen arbeiten. So gab es schon das eine oder andere Missverständnis, aber natürlich auch neue Einflüsse und Erkentbnisse.
Die meisten Tracks des Albums eignen sich nur bedingt für die Tanzfläche. Spielt ihr die Stücke trotzdem live?
Gut erkannt. Wir arbeiten aktuell an einer Umsetzung der Albumstücke für unser Live-Set.
Kündigt sich mit "Rebellion der Träumer" ein neuer Kollektiv Turmstrasse-Sound an oder können chilligere Nummern und tanzbare Tracks problemlos nebeneinander existieren?
Für uns können sie wunderbar nebeneinander existieren. Wenn man genau hinhört, dann erkennt man auch in diesem Album den typischen Kollektiv Turmstrasse-Sound. Es gibt viele Wege sich musikalisch auszudrücken: chillige und auch tanzbare. Wir machen einfach das, worauf wir Lust haben, und das ist Musik.
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