Porträt

laut.de-Biographie

Kimya Dawson

Es gibt genügend Perversitäten und Freaks auf dieser Welt. Da darf gefragt werden, ob es notwendigerweise auch perverse und freakige Songs braucht? Die Antwort lautet: Ja! Künstler der New Yorker Anti-Folk-Szene bringen uns diese Einsicht 2002 näher. The Moldy Peaches, die Kymia Dawson mit Adam Green gründet, oder Jeffrey Lewis stehen in vorderster Front der rebellischen Lo-Fi-Hymnen.

Kimyas Gesangs- und Tanzpartner Adam wird in Deutschland seit 2003 mit seinem Soloalbum "Friends Of Mine" gefeiert. Da wird es Zeit, dass seine charmante Kollegin mit ihren p(r)unkvollen Solo-Schmuckstücken mehr in den Vordergrund rückt. Mittlerweile in ihren 30igern, veröffentlicht Kimya unermüdlich Homerecordings und präsentiert eine kindliche Unschuld an der Gitarre.

Besonders gerne geht sie auf ausgedehnte Konzertreise und schließt überall auf der Welt Freundschaften. Frank Black von den Pixies nennt sie deshalb nur noch "Road Warrior". Zu den treuen Reisebegleitern gehören u.a. Lewis, Daniel Johnston und They Might Be Gigants, mit denen auch gemeinsame Songs entstehen.

Das Debüt "I'm Sorry That Sometimes I'm Mean" sorgt in Europa 2003 für wässrige Journalisten-Augen. Mit zärtlicher Reibeisen-Stimme singt Kimya über die Suche nach der richtigen Beziehung und der Problematik der unerreichbaren Liebe. Fast schon zu intim und erschreckend ehrlich. Gleichzeitig scheint sie vor dem Erwachsenwerden zurückzuschrecken. Das beweisen die kindliche Erscheinung und die verspielte Cover-bzw. Homepagegestaltung. Das scheinbar unschuldige Auftreten führt dazu, dass der Hörer eine gewisse Verantwortung übernehmen und seiner Kimya für ewig die Treue schwören muss.

Lauscht man den Soloalben, schließt man sofort Freundschaft mit ihr. So viel Offenheit über die eigentlich schönste Sache der Welt erfährt sonst nur der engste Freundeskreis. Kimya kennt, wie in der Anti-Folk-Szene üblich, anscheinend keinerlei Berührungsängste. So umarmt sie auf den Moldy Peaches-Gigs jede einzelne Person im Zuschauerraum. Das mag für den einen "Hippie" sein, für den anderen ist es vielleicht das Schönste, was ihm in dieser Nacht widerfährt.

Die Fans bedanken sich jedenfalls stets mit warmen Worten und glücklichen Gesichtern - und fühlen Seelenverwandtschaft. Da gibt es schrullig-aussehende Singer/Songwriter aus New York, die tatsächlich die selben Träume und Ängste haben und diese in lustigen Kostümen und aufwendigen choreographischen Tanzeinlagen auch noch ausdrücken.

2004 erscheint "Hidden Vagenda" mit einer weiteren guten Portion Zynismus und herzzerreißender Melodiegewalt. Ein Album, das die "bessere" Hälfte der Moldy Peaches ein wenig mehr ins Rampenlicht stellt.

"In den 70er Jahren gibt es keine größere Provokation, als nett zu sein." Dieser Satz stammt von Jonathan Richman, der Lautstärke sogar als Hindernis versteht und lieber gefühlvoll aus dem Nähkästchen plaudert. Das kann Kimya nur bestätigen und bringt 2006 ihr nächstes intimes Tagebuch "Remember That I Love You" auf den Markt. Hier zeigt sich ihre ungetrübte Lebensfreude erneut in ruhigen Melodien. Sie bleibt ihrem Homerecording-Sound treu und provoziert mit schüchterner Stimme und begleitender Gitarre. Demnächst wird sie ihre kleine Revolution nicht mehr alleine betreiben. Kimya erwartet ein Baby und ihre Glückshormone finden gewiss den Weg in ihre große Liederkollektion. Ihr Bauch wächst von Tag zu Tag und ihr privates Dasein stellt sie gewohnt offen und fröhlich auf ihrer MySpace-Seite dar.

News

Alben

Videos

Video Video wird geladen ...

Noch keine Kommentare