Porträt

laut.de-Biographie

Kellner

Die besten Karrieren beginnen ja bekanntlich unscheinbar und still. Weder Bob Dylan, Billy Joel noch Yusuf Islam, the artist formerly known as Cat Stevens, wurden im grellen Lichte der Öffentlichkeit durch die Castingfolter-Mangel gedreht, um am Ende der Verwertungskette als lupenreine, aalglatte Publikumslieblinge vom einschlägigen Privatsender ausgeschissen zu werden. Tja, früher war eben alles anders. Und auch besser. Oder?

Nicht unbedingt. Auch zehn Jahre nach der Jahrtausendwende kann man es in Deutschland noch ohne die übliche TV-Show-Verwurstung zu veritablem Ruf bringen. Oder besser gesagt: Gerade dann. Mathias Kellner beweist allen gefrusteten DSDS-Popstars-Supertalent-Hatern: Es geht auch ohne Bohlen, ohne Vorstrafe und ohne Glamour-Attitüde.

Der Junge aus Regensburg beginnt seine Karriere wie aus dem Nichts: Nach seiner Schreinerlehre ist er arbeitslos. Kurz vor Hartz IV entwickelt der Hobbygitarrist aus der Perspektivlosigkeit heraus die Idee, es doch mal mit der Musik zu versuchen. Wenn nicht jetzt, wann dann? "Harte Zeiten können für einen Songwriter sehr inspirierend sein", sagt Kellner. Er geht einen ungewöhnlichen Weg: Es kostet ihn zwar einiges an Überzeugungskraft, doch am Ende hat er den Mann auf dem Arbeitsamt auf seiner Seite und gründet eine Singer/Songwriter-Ich-AG.

Sein Business-Plan erfordert Kleinstarbeit. Kellner ist sich nicht zu schade, in den winzigsten Clubs der Republik für ein Minimum an Gage aufzutreten, um sich und seine Musik bekannt zu machen. "Ich habe auch für 50 Euro in Leipzig gespielt, obwohl die Fahrtkosten schon 70 Euro waren", erzählt er dem Bayerischen Rundfunk. Seine Aufopferung zahlt sich aus.

Als Opener für die bayerische Songwriterin Claudia Koreck und ihre Band macht er das kleine Plattenlabel Südpol Music auf sich aufmerksam, bei dem neben Koreck auch die Killerpilze und Katie Melua unter Vertrag sind. Letztere supportet er 2008 auf ihrer Tour. Katie ist ganz angetan von Kellner und begeistert sich für seine Tracks: "Hey Mathias, dieses 'Rich Man' ist ein großartiger Song!" Verlegen ob solcher warmen Worte der britischen Musikerin antwortet er schlicht: "Danke Katie, aber deine Songs sind auch toll."

Dem Lob Meluas ziehen viele nach: Nachdem Kellner 2009 sein Debüt "This Ocean Life" veröffentlicht, wählt ihn der Sender Bayern 3 zum Newcomer des Monats. Er überzeugt mit seiner Mischung aus unaufgeregtem Countryrock und folkigem Indie-Pop.

Mal ruhig, mal fetzig, aber immer gefühlvoll, ist Kellner ein gern gesehener Live-Performer. Nach über 100 Konzerten als Vorband (Für Koreck oder Melua) mit Florian Sprenger an der Gitarre, Johannes Molz am Bass und Andy Schechinger bzw. Christoph Luschmann an den Drums legt er nach: 2010 erscheint "Hey Dude", mit dem Kellner die eingeschlagene Akustik-Rock-Pop-Linie fortsetzt.

2012 folgt das Debüt als Schauspieler in der bayrischen Komödie "Was Weg Is, Is Weg", er schreibt ebenfalls an der Musik zum Film sowie auch bei anderen Soundtracks mit.

Die Themen seiner Songs nimmt er aus dem Alltag. Ob er vom Zombie-Film erzählt, der ihn bis in seine Träume verfolgt, oder sich über das Publikum ärgert, das ihm nicht zuhören will: Seine Melodien sind eingängig, seine Stimme ist schön kratzig und kraftvoll.

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