Porträt

laut.de-Biographie

Jim Ford

Es hätte eine Neuauflage des Gleichnisses vom verlorenen Sohnes sein können, der in die Welt zieht, sein Vermögen und Talent verprasst, schließlich den wahren Weg findet und wieder zurück kommt. Jim Ford kam zurück, aber nicht für lange. Kurz, nachdem er die Chance wahrgenommen hatte, die Scherben seines Lebens zusammen zu kehren, starb er einsam in einer schäbigen Wohnung.

Dabei sah es zunächst ganz gut aus. 1941 im ländlichen Kentucky geboren, verschlägt es Ford Mitte der 1960er Jahre von New Orleans nach Kalifornien. In Los Angeles fällt er zunächst als Raufbold auf, bevor er als Songschreiber anheuert. 1967 feiert er den Durchbruch mit dem Stück "Niki Hoeky", das seinen Kumpel P.J. Proby in die hohen Etagen der Charts spült und später Aretha Franklin zu einem Hit verhilft.

Fords originelle Mischung aus Funk, Country, Funk und Rhythm And Blues bildet auch die Grundlage für sein Debüt "Harlan County", das 1969 erscheint. Thematisch beschäftigt sich das Album mit dem harten Leben der Minenarbeiter in Kentucky. Der kommerzielle Erfolg ist mäßig, Fords weißer Soul stößt bei Kollegen aber auf offene Ohren.

1971 fliegt er nach London, um ein zweites Album aufzunehmen. Augenzeugen zufolge hat er eine riesige Tüte Kokain bei sich. Verschiedene Sessions enden ohne greifbares Ergebnis - erst 2009 erscheint das Material unter dem Titel "The Unissued Capitol Album". Dennoch ist der beteiligte Nick Lowe von Ford so begeistert, dass er ihn später als den größten Einfluss auf seine Musik bezeichnet.

Zurück in den USA schreibt Ford mehrere Songs für Bobby Womack (darunter den Hit "Harry Hippie") und schließt Freundschaft mit Sly Stone, in dessen Haus er eine Zeit lang lebt und an dessen Klassiker "There Is A Riot Going On" (1971) er sich beteiligt. Seine Lebensgefährtin in dieser Zeit ist Movida Castaneda, eine Ex-Frau Marlon Brandos.

1973 begibt sich Ford noch einmal ins Studio (das Ergebnis ercheint 2009 mit dem Titel "Big Mouth USA - The Unissued Paramount Album"), doch anschließend verlieren sich seine Spuren. Dem Kokain verfallen, landet er einsam und verarmt in einem Trailer Park im kalifornischen Mendocino County, wo er als Lebensunterhalt Autos repariert. Erst 2004 lässt er die Drogen bleiben, trinkt aber weiterhin.

2006 spürt ihn das deutsche Label Bear Family auf, das auf dem Fußboden seines Wohnwagens zahlreiche Mastertapes entdeckt. 2007 bringt es "Harlan Country" mit 15 weiteren unveröffentlichten Liedern und einem 40-seitigen Booklet unter dem Titel "The Sounds Of Our Time" auf den Markt. Der Achtungserfolg führt zur Planung einer Studiosession und eines Tribute-Konzertes in London, das im 2008 mit der Beteiligung Nick Lowes in London stattfinden soll.

Doch daraus wird nichts. Ein Monat nach Fords Taufe in einer evangelischen Kirche, ahnen Nachbarn am 18. November 2007 Böses, als sein Auto mit offenem Kofferraum im Regen steht. Die Polizei entdeckt seinen Leichnam in einer Wohnung im kalifornischen Fort Bragg, wo er seit seinem Rausschmiss aus dem Trailer Park lebt.

Das unspektakuläre Ende einer Musikerkarriere, die trotz eines erwiesenen Talents nur ein Album und eine Handvoll erfolgreicher Songs hervorbrachte.

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