Porträt

laut.de-Biographie

Jewel

In Alaska kann es sehr kalt werden, aber anscheinend nicht so kalt, dass es Musikern die Birne vereist. Jewel hat den Frost-Test bestanden und sich auf die Socken gemacht, um in wärmeren Gefilden der Vereinigten Staaten Musik zu machen. Das tut sie schon seit vielen Jahren, und der Zusatz "erfolgreich" wäre in ihrem Fall eine leichte Untertreibung. Schon Anfang der Nullerjahre hat Jewel rund 30 Millionen Platten verkauft.

Vorchecking: Placebo, Andreas Bourani, EL VY
Vorchecking Placebo, Andreas Bourani, EL VY
Außerdem ab Freitag in den Plattenläden: Die Toten Hosen, Gregor Meyle, Katy Perry, Pantera, Enter Shikari, Rolling Stones, Alanis Morissette, u.a.
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Mit einer glasklaren Sopranstimme begleitet sie ihre Songs. Von folkigen, balladesken Klängen bis hin zu rockenden oder tanzbaren Diskostücken, Jewel versteht es, jeden einzelnen Stil gekonnt zu vertonen. Textlich beschränkt sie sich nicht auf Banalitäten, sondern serviert dem Hörer einen eingängigen Mix aus Poesie und kritischen Worten.

In den klirrend kalten Regionen von Homer in Alaska kommt sie 1974 auf die Welt und spielt schon als Kind mit ihren Eltern in Eskimo-Dörfern. Ihre Affinität zu folkigen Sounds stammt aus diesen Tagen. Vater und Mutter lassen sich zwar scheiden, aber sie bleibt weitere sieben Jahre bei ihrem musizierenden Daddy, bevor sie nach Michigan umzieht, um dort auf der Interlochen Fine Arts Academy zu studieren - zu dieser Zeit schreibt sie erste eigene Songs.

Nach dem Abschluss zieht sie zu ihrer Mutter nach San Diego und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch, bis sie in ihrem Kleinbus davonzieht. Ihren Traum von einer Musikerkarriere hat sie mit im Gepäck, als sie in Pacific Beach zum ersten Mal öffentlich auftritt und ihre Songs spielt. Einer ihrer ersten Fans ist Flea von den Red Hot Chili Peppers. Bald sind Jewels Shows rappelvoll und das große Label Atlantic nimmt sich ihrer an. 1995 erscheint das Debüt "Pieces Of You", das sie auf Neil Youngs Ranch in Kalifornien aufnimmt.

Nachdem die Platte zuerst bleischwer in den Regalen liegt, steigt sie vierzehn Monate nach Erscheinen in die Charts ein und geht am Ende über zwölf Millionen Mal über den Ladentisch. Da Jewel sich auch als Dichterin versteht, veröffentlicht sie anschließend mit "Night Without Amour" eine Spoken-Word-Platte. Ihr Zweitling "Spirit", das im selben Jahr erscheint, schießt unabhängig davon wieder ganz nach oben.

Einen Soundwandel bringt "0304", bei dem Lester Mendez (Shakira, Santana, Enrique Iglesias) die Produktion leitet. Tanzbar und deutlich Charts-orientiert, stellt es für viele einen Bruch mit der Vergangenheit dar. Während sich manch alter Fan enttäuscht abwendet, kommen auch viele neue Fans hinzu, wie die Positionierung auf Platz zwei der US-amerikanischen Charts beweist.

"Mit diesem Album hatte ich vor allem ein Ziel: Es sollte Spaß machen. Ich wollte den Wunsch zu tanzen, nach ein wenig Leidenschaft und dem Gefühl, lebendig zu sein, wecken. Deshalb wurde deutlich mehr Wert auf Rhythmen gelegt", erklärt Jewel. Um einen Ausverkauf handelt es sich also nicht, wie Kritiker ihr vorwerfen, eher um die Neuorientierung einer talentierten Singer/Songwriterin mit Mut zum Experimentieren.

Dennoch besinnt sie sich mit "Goodbye Alice In Wonderland" (2006) auf ihre Wurzeln - woraufhin ihre Karriere den ersten wirklichen Knick erfährt. Die Verkaufszahlen sind vergleichsweise schlecht, so dass ihre Plattenfirma den auslaufenden Vertrag nicht verlängert. Jewel wechselt zum Label Valory Records aus Nashville und veröffentlicht mit "Perfectly Clear" ihr erstes Country-Album. Die Zeiten ihrer großen Erfolge scheinen vorbei zu sein.

2009 will die Künstlerin es noch einmal wissen und veröffentlicht "Lullaby". Die höheren Ränge der Charts bleiben ihr jedoch verwehrt. Im selben Jahr bringt sie mit Ehemann Ty Murray das erste gemeinsame Kind zur Welt. "Sweet & Wild" stellt 2010 ihr zweites Country-Album dar, der Song "Satisfied" erhält eine Grammy-Nominierung. Im Jahr darauf wagt sich die Sängerin mit "The Merry Goes 'Round" in die Kindermusik-Sparte vor. Auf dem Albumcover prangt passenderweise auch gleich das Logo des Spielzeug-Herstellers Fisher-Price.

2013 leistet sich Jewel nach knapp 20 Jahren eine Verschnaufpause mit einer "Greatest Hits"-Rückschau, schiebt aber noch im selben Jahr die Platte "Let It Snow: A Holiday Collection" nach, ihr zweites Weihnachtsalbum.

In Europa weitgehend unbeachtet, erscheint im Oktober 2015 "Picking Up The Pieces", das mittlerweile 12. Studioalbum der mittlerweile geschiedenen Amerikanerin. Für ihre Fans bleibt sie dennoch eine erstklassige wie feinfühlige Entertainerin, wie etwa die DVD "The Essential Live Songbook" beweist.

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