Porträt

laut.de-Biographie

Jan Sievers

Man möchte Jan Sievers ja gerne den klassischen Wandel vom Saulus zum Paulus unterstellen – kommt er doch aus dem Werbegeschäft, gemeinhin verschrien als oberflächlich, schnelllebig und kapitalistisch. Im Frühjahr 2020 steigt Sievers ein in die Musikbranche, die natürlich nur bekannt ist für ihre Tiefgründigkeit, den poetischen Wert ihrer Produkte und ihr Desinteresse für Geld.

Doch letztendlich besteht zwischen seinem alten Job als Werbetexter bei Springer & Jacoby und seinem neuen als Deutschlands intellektueller Schmuse-Barde kein so großer Unterschied. Vielleicht waren seine sprachlichen Arbeiten in der Werbung von geringerer Halbwertszeit als ein richtig guter Song – aber wohl nicht unbedingt von mindererer Qualität. Überraschend und mitreißend sollten beide sein. Und der von ihm geprägte Ausspruch "Ganz großes Tennis!" ist immerhin schon fast in den deutschen Sprichwortkanon übergegangen. Der Sievers hat auch Potential zu großer Musik.

Geboren in Hamburg schreibt er mit 14 seine ersten eigenen Texte und wirft, nach einigen erfolgreichen Jahren im Werbebusiness, das Texten zugunsten des Komponierens hin. Und dennoch ist das, wieder einmal, kein allzu harter und unnachvollziehbarer Bruch: Schließlich wird Sievers stets für die Klarheit und Prägnanz seiner Liedtexte gepriesen – eine Technik, die ihm bestimmt auch schon im Copy-Test der Agentur weitergeholfen hat. Reklamesprache soll immerhin so markant und knackig sein, dass sie schnell Produkte verkauft.

Seine Stimme sei beim Hobby-Publikum stets gut angekommen – so schlicht ist die Begründung, warum sich Sievers für den Karrierewechsel entschieden hat. So simpel und männlich soll er auch privat sein, gelobt wird er als "männlich-markiger Typ" (Beschreibung Plattenfirma), der Autos und Extremsport liebt. Jede "dichterische Pose" will er vermeiden, er überlege nach jeder geschriebenen Textzeile dreimal, ob man sie auch wirklich auf Anhieb verstehe. "Ich glaube, die Fans spüren das und finden sich dadurch um so mehr in meinen Songs wieder."

Bei aller schnörkellosen Männlichkeit sind es nun aber doch vor allem Frauen, die Sievers' Lyrik schätzen – durch ihre Klicks wird er schon vor seiner offiziellen Vermarktung ein großer MySpace-Star. Dennoch arbeitet er hauptsächlich mit Männern zusammen. An seinem ersten Album "Abgeliebt" bastelten unter anderem Jens Carstens und Zoran Grujovski (Rosenstolz) und Patrik Majer (Wir sind Helden, Lemonbabies, Nick Cave).

Udo Lindenberg hat einen Gastauftritt in seinem ersten Video "Die Suche" und findet, dass er "ein Cooler" ist. Für Gunter Gabriel wagt er sich, ganz männlich mutig, zudem auf heiliges Popterrain: Er übersetzt ihm die Radiohead-Hymne "Creep" ("Ich bin ein Nichts") - Thom Yorke erteilte die Freigabe.

Im Mai 2010 erscheint Jan Sievers' Debüt. Es ist 2010 eines von vielen, das die deutsche Sprache in Balladenform mit einprägsamer Stimme in den Mittelpunkt stellt. Aber vielleicht ist es ja Sievers' Doppelprofession, die hier den großen Unterschied macht. Verkaufen wird es sich allemal.

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