Porträt

laut.de-Biographie

Grand National

Grand National? Ist das nicht ein Pferderennen? Willkommen, Freunde des Reitsports! In der Tat handelt es sich beim Grand National um das traditionsreichste Jagdrennen Englands, abgehalten seit 1836. Siegerpferd im ersten Austragungsjahr: The Duke. Mittlerweile ist das Rennen wegen des extrem hohen Verletzungsrisikos für Ross und Reiter ein wenig in Verruf geraten. Zwei musizierende Herren aus dem Norden Londons schreckt das allerdings nicht: Sie wählen den altgedienten Namen für ihr Bandprojekt. Wobei es "Band" dabei nicht ganz trifft: Auch, wenn ihre im großen Stil instrumentierten Songs anderes vermuten lassen, bestehen Grand National doch lediglich aus zwei Mitgliedern. Rupert Lyddon und Lawrence "La" Rudd werden in ihrer britischen Heimat als die neuen Stone Roses gefeiert.

La stammt ursprünglich aus Weston-Super-Mare, einem Seebad in North Somerset. Sein Vater, selbst Drummer, ermutigt den Sohnemann zu Schlagzeugunterricht, kaum dass dieser laufen kann. Im zarten Alter von sechs Jahren wird er auf ein Konzert der Percussion-Legende Buddy Rich mitgeschleppt. Wirklich interessant wird die Trommelei, als La entdeckt, dass sich damit prima Mädchen beeindrucken lassen. Mit dreizehn spielt er in einer Police-Coverband. Neben den Drums übernimmt er auch die Sängerrolle. Später arbeitet er (auch nicht ganz ohne Hintergedanken, schließlich gibt das ein gutes Training ab) auf dem Bau. Wenn die Hände beschäftigt sind, ist der Kopf frei: La komponiert Melodien und denkt sich Texte aus, die er einem Diktiergerät anvertraut.

Das erste, was Rupert zu hören bekommt, ist Stevie Wonder - seine Mutter ist Fan. Später haben Queen großen Einfluss auf ihn; mit zwölf fängt er an, selbst Musik zu machen. Auch er landet in einer Combo, die in den Pubs und Bars der Umgebung aufspielen und Coverversionen von Police, Bob Marley, Human League und besagten Queen, später auch von Blur und den Chemical Brothers zum Besten geben. Er besucht die University of Swansee, studiert anschließend am Musicians' Institute in Los Angeles, wo er die Unruhen von 1993 hautnah miterlebt.

Die beiden treffen sich, nachdem sie jeweils nach London umgezogen sind. Wie solche Dinge zu laufen pflegen: Man kann sich leiden, hängt gemeinsam ab und fängt schließlich an, zusammen zu spielen. Da der Lebensunterhalt nicht vom Himmel fällt, müssen sich die Jungs etwas einfallen lassen. Neben den Kneipenauftritten ("Job mit Freibier") arbeitet Rupert für einen Lieferservice. In dieser Eigenschaft, als Wurstlieferant nämlich, gerät er in ein Aufnamhestudio in Hampstead, in dem Primal Scream gerade ihr Album "Xtrmntr" einspielen. Der Deal 'all you can eat'-Würste gegen die Schlüssel zum Studio dürfte wohl ins Reich der Legenden gehören. Tatsache aber: Rupert und die Primal Scream freunden sich an. Rupert bringt etliches an Material mit, das er im Verlauf der vergangenen drei Jahre mit La geschrieben hat. Die Herren von Primal Scream sind so begeistert, dass sie den beiden den Studioaufenthalt mitfinanzieren. Die Ergebnisse sind überzeugend genug: Rob Da Bank nimmt das Duo bei Sunday Best Recordings unter Vertrag.

2004 erscheint (auf "EP 1") der erste Song, den La und Rupert jemals gemeinsam geschrieben haben. "Playing In The Distance" wird Single der Woche im NME und schafft es auf die Output-Label-Compilation "Channel Two". Die Kombination aus New Order-Bässen und Blur'scher Selbstironie kommt an: Grand National spielen auf den Festivals von Cardiff bis Glastonbury, haben Konzerttermine in Frankreich, Deutschland und den USA. Obwohl sie im Studio die meisten Instrumente selbst spielen (auch Arrangements und Produktion erledigen sie in Eigenregie) und nur vereinzelt Gastmusiker hinzuziehen, sind Grand National auf der Bühne zu sechst. Ansonsten halten sie zwei Beteiligte für ausreichend; schließlich hätten die meisten Bands nur zwei starke Charaktere, man denke nur an Lennon/McCartney, Jagger/Richards oder Morrissey/Marr.

2005 erscheint Grand Nationals Debüt-Album "Kicking The National Habit". Bittersüße Melodien, melancholisch und doch - typisch britisch - "uplifting" durchziehen eine Mischung aus 80er-Pop, Rock, Electronica und Ska: der Soundtrack der Jugend der End-Zwanziger in zukunftsfähiger Aufbereitung.

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