Porträt

laut.de-Biographie

Grand Agent

Grand Agent gehört zu jenen amerikanischen Rap-Künstlern, die im Underground einen respektablen Ruf genießen. Im Unterschied zu vielen anderen Vertretern dieser Spezies macht ihn aber die Tatsache zu etwas Besonderem, dass er über den eigenen Tellerrand hinaus blickt. So hat der in Philadelphia ansässige Künstler kein Problem damit, mir nichts dir nichts seine Zelte im Geburtsland des Genres abzubrechen und sich kurzerhand in der musikalischen Provinz Deutschland niederzulassen. Das hängt schlichtweg mit dem Fakt zusammen, dass er zu den ersten Ami-Acts gehört, mit denen sich das deutsche Label Groove Attack auf dem amerikanischen Markt etablieren will.

Angefangen hat die Karriere des Jared Taylor aber in seiner Heimatstadt. Dort bestreitet er mit der Gruppe NAME sein musikalisches Debüt. Das Trio, bestehend aus Jared, Mr. Cisum und Old Man, formiert sich im Jahr 1995 und veröffentlicht die erste Single "12" zwei Jahre später. Bis zum Millenium folgen zahlreiche respektable Auftritte im 12''-Format und schließlich die EP "Artist Of The Yeah". Das Album "The Lost Page Of The B-Boy Document" erblickt zwar nie offiziell das Licht der Welt, mausert sich aber durch ordentliches Airplay in einigen namhaften Radioshows zu einem aussichtsreichen Stück Underground-Hip Hop.

Im neuen Jahrtausend kommt es zum angesprochenen Solo-Deal mit dem Kölner Label Groove Attack und wenig später steht das Solodebüt "By Design" zum Kauf bereit. Die Produzentenliste wartet mit großen Namen auf. Instrumentals kommen u.a. von DJ Hi-Tek, Lord Finesse von der legendären D.I.T.C.-Crew oder Kutmasta Kurt. Außerdem tauchen die Rapper Planet Asia und A.G. als Gäste auf. Im Gesamten vermisst man als Hörer auf dem Album zwar einen roten Faden, der die wahllos aneinander gesetzten Tracks verbindet, trotzdem erfährt "By Design" einen respektablen Zuspruch in der Szene.

Zur gleichen Zeit kommt es auch zum Umzug ins ferne Köln. Der Schritt aus einem künstlerisch anspruchsvollen Umfeld wie Philadelphia, in dem es stetig zu Kontakten mit Musikern wie den Roots, DJ Jazzy Jeff oder Jill Scott kommt, fällt Grand Agent sicher nicht leicht. Aber mehrere Reisen durch Europa und sein dort ansässiges Label bringen dem Rapper das alte Europa immer näher. In Deutschland entsteht zwei Jahre später das neue Werk "Fish Outta Water", an dem neben einigen amerikanischen Produzenten auch heimische Beatbastler arbeiten dürfen. Das ist aber nicht der einzige Grund, wieso Grand Agent einen deutlichen Qualitätsverlust erleidet. Neben den Produktionen lassen auch die Rapskills von Grand Agent zeitweise zu wünschen übrig.

Nach vier Jahren Aufenthalt in Deutschland zieht es Jared Taylor wieder zurück in die Heimat. Wie er mehrmals unterstreicht, hat das aber nichts mit dem Land oder dessen Bewohner zu tun. Er hat sich hierzulande stets wohl gefühlt und, nach eigener Aussage, hätte das europäische Intermezzo auch seiner Kreativität gut getan. Den Beweis dafür versucht er 2005 mit dem dritten Longplayer "Under The Circumstances" zu liefern. Die musikalische Verantwortung legt er dabei komplett in die Hände von Oh No, dem jüngeren Bruder des Beatconductors Madlib, der seine Sache im Gegensatz zum mittlerweile fast unscheinbar gewordenen Grand Agent auch gut macht. Vielleicht bringt Grand Agent sein altes Umfeld in Philadelphia wieder den nötigen Schwung, um das Niveau seines Erstlingswerk zu erreichen.

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