Porträt

laut.de-Biographie

Geyers

Bands, die nach dem neuesten, modernsten und angesagtesten Sound streben, gibt es mehr als genug. Ihrem Ideal kommen sie nur äußerst selten nahe. Auf der anderen Seite des Zeitstrahls stehen Musiker, die sich dem eigenen kulturellen Erbe verpflichtet fühlen. Europa und hier speziell der deutsche Sprachraum bietet eine Fülle an Möglichkeiten, um im musikalischen Vermächtnis zu wildern und die Töne längst vergangener Tage wieder aufleben zu lassen. Eine der wohl besten Vertreter dieser Zunft sind die Geyers. Die vierköpfige Gruppe besteht aus Thomes Roth (Gesang und Gestreiche), Albert Dannemann (Gesang, Blaserei und Leierei), Georg Hesse (Gitarre) und Rhythmus-Mann Jost Pogrzeba.

Unter dem Namen 'Des Geyers Schwarzer Haufen' spielen sie schon seit Mitte der Achtziger zusammen; damals noch ohne Georg Heese, der erst später hinzu stößt. Ihren Namen müssen sie 2000 aus rechtlichen Gründen ändern und nennen sich fortan schlicht Geyers. Während der Bauernkriege 1524/25 gab es einen Aufständischen, der Florian Geyer hieß. Seine Gefolgschaft war der schwarze Haufen. Schwarz als Zeichen der Armut. Im Jahr 1525 sollen 7995 seiner 8000 Gefolgsleute bei Schlachten mit dem schwäbischen Bund (die schon wieder) umgekommen sein. Nur "fünf absolut sympathische, gutaussehende, musikalische Recken haben das überlebt. Und die bespielen heute, so sie denn gesucht und bezahlt werden, die Bühnen im deutschsprachigem Raum". So richtig ernst scheinen sie sich selbst nicht zu nehmen und das ist auch gut so.

Zusammen kommen die Mitglieder der Geyers aber eher wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kinde, denn eine Planung "so, wir machen jetzt Mittelalter- und Renaissance-Musik" gab es nicht. Vielmehr steht der Zufall Pate. Bei einer Feier auf einer Burg spielt Thomas Roth Geige und ein weiter Musiker trommelt dazu. Den Wirten auf der Burg gefällt das so gut, dass sie die Musiker immer wieder einladen, bis diese ihre Instrumentierung um Drehleiern und Dudelsäcke und das Repertoir erweitern. Irgendwann, nachdem Albert Dannemann dazu stößt, ist das Line Up komplett.

Seit den Gründungstagen verbindet sie eine innige musikalische Freundschaft mit Ex-Purple und Rainbow-Klampfer Ritchie Blackmore, der sich nicht zuletzt von den Klängen der Geyers zu seinem Projekt Blackmore's Night inspirieren ließ. Nach dessen Worten beinhaltet die 1988er "All Voll"-Scheibe "die Quintessenz der Renaissance-Musik. Da sind ein paar unglaubliche Sachen drauf". Folgerichtig, dass der Meister der sechs Saiten sich auch bei seinen Ideenlieferanten bedankt, und so spielen die Geyers alljährlich im Vorprogramm von Candice und Ritchie, um das Publikum einzustimmen, und auch auf Geyers-Alben ist Blackmore zuweilen zu hören.

Die vier machen jedoch nicht nur im etwas poppigeren Rahmen von Blackmore's Night auf sich aufmerksam. Konzerte in ganz Europa tragen die Kunde der Spielleute ins Ausland, und auch bei den meisten großen Fernsehsendern sind sie schon zu bewundern gewesen. Vielseitigkeit ist ihre Domäne, wenn sie ihre stimmungsvollen Lieder zum Besten geben. Entweder als Akustik-Quartett, oder etwas elektrifizierter mit Michael Walter als Verstärkung am Bass. Dabei verzichten sie jedoch ganz explizit auf Keyboards, statt dessen wechseln die Geyers munter die Instrumente, um einen atmosphärischen Sound zu produzieren. Dabei kommen "Nyckelharpa, Drehleier, deutsche, französische, spanische, italienische und schottische Dudelsäcke, Rauschpfeifen, Krummhörner, Gemshörner, Schrayerie, Dulcian, Lauten, Mandoline, irische Bouzouki, Djembe und Udu" zum Einsatz.

Sie verlegen sich nicht starr darauf, alte Weisen widerzugeben, sondern mischen gekonnt alte Texte mit eigener Musik, oder greifen Melodien aus vergangenen Tagen auf und fügen diesen eigene Worte hinzu, die sie live immer wieder geschickt mit ironischen Spitzen versehen, so dass nichts ferner liegen würde, als Bierernstigkeit. Auf jeden Fall ist es sicher, dass beim Werkeln der Geyers immer wieder spannende Klänge entstehen.

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