Porträt

laut.de-Biographie

Georg Danzer

Galionsfigur des Austropop, hervorragender Sänger und Liedermacher, Meister des ironischen Zwischentons, rebellierfreudiger Humorist und echter Wiener. All diese Zuschreibungen sind Mosaiksteine, aus denen sich das Phänomen Georg Danzer konstruieren ließe.

Georg Danzer: Österreich sagt "Servus" Aktuelle News
Georg Danzer Österreich sagt "Servus"
Österreichs Austropop-Star Georg Danzer ist im Alter von 60 Jahren an Lungenkrebs gestorben.

Sicher ist jedenfalls, dass er mit seinem umfangreichen Wirken in etwa 35 Jahren Schaffenszeit einen nicht wegdenkbaren Beitrag für die österreichische Musikszene geschaffen hat. Danzer, der 2007 einem Krebsleiden erliegt, prägt sie mit typischem Wiener Grant, Ironie und schwarzem Humor. Hits à la "Jö Schau", "Hupf In Gatsch", "Ollas Laiwaund" oder "Lass Mi Amoi No D'Sunn Aufgeh' Segn" gehen auf sein Konto.

Der Schule steht der am 7. Oktober 1946 Geborene interesselos gegenüber. Weil er an der Akademie für Darstellende Kunst nicht angenommen wird, studiert er aufgrund mangelnder Perspektive Philosophie und Psychologie. Statt im Hörsaal, verbringt er seine Zeit dennoch lieber in Cafés, Parks und auf Reisen. So weit, so ereignislos.

Doch als im Sommer 1967 das Beatles-Album "Sgt. Pepper" erscheint, nimmt das Leben Georg Danzers eine Wende. Im Herbst beginnt er, Lieder zu schreiben. Dies soll sich als der richtige Weg erweisen. Im darauffolgenden Herbst erscheint Danzers erste Single "Vera". Diese stellt sich als Flop heraus. 1969 platzt der Plattenvertrag.

Glücklicherweise wird die Radio-Moderatorin Eva-Maria Kaiser auf sein Talent aufmerksam und so kommt es, dass Georg Danzer für unzählige Künstlerinnen und Künstler der Wiener Szene Lieder schreibt. Einige werden später ebenfalls bekannt, u. a. Wolfgang Ambros, Marianne Mendt und Erika Pluhar.

Anfang der 70er wird Danzer kurzzeitig Mitglied der Band Madcaps, die im Dialekt singt und einige Hits veröffentlicht ("Schneemensch", "Sommer is" und "John Wayne"). Kurz darauf löst seine anonym erscheinende Single "Tschik" einen kleinen Tumult aus. Es herrscht Unklarheit über die "Sandlerstimme", bis Ö3-Musikredakteur Peter Barwitz sie als Danzers entlarvt. Auf Börsen ist die Single gefragt und erzielt Jahrzehnte später Preise um die hundert Euro.

1972 kommt "Der Tschik" auf den Markt - die Platte erreicht auch in Deutschland Kultstatus. Die nächste Platte "Honigmond" (1973) erreicht nicht den gewünschten Erfolg. Trotzdem bleibt Danzer unermüdlich. Innerhalb eines Jahres erarbeitet er das Konzeptalbum "Der Tätowierer Und Die Mondprinzessin" mit dazugehörigem Buch, in dem er eine weitere künstlerische Seite - die des Malers - präsentiert. Wieder vergeht lediglich ein Jahr, bis "Danzer, Dean & Dracula" erscheint. 1975 trifft er auf Gerd Kämpfe. Erste Resultate der Koop sind die Single "Jö Schau" sowie die LP "Ollas Laiwaund". Im Herbst heiratet Georg seine langjährige Freundin Dagmara.

1976 veröffentlicht er mit "Du Mi A" seine erste Produktion für Polydor. Von der englischen Fachzeitschrift Music Week erhält Danzer indes die Auszeichnung zum Star Of The Year aufgrund seiner Verdienste für die österreichische Popmusik. Etwa zur selben Zeit erreicht "Jö Schau" Goldstatus. Denn mittlerweile wird auch das Ausland aufmerksam - ab Ende der Siebziger avanciert Danzer in Deutschland zum Star.

Die nächste Scheibe "Unter Die Haut" produziert Danzer in Berlin. Dort formiert sich unter Mitwirkung von Eberhard 'Bär' Wieland (Keyboards), Michael Gechter (Gitarre), Earl Bostic (Bass), Frank Lüdeke (Saxophon) und Olav Gustafson (Schlagzeug) die legendäre Danzer-Band. Einige Radioanstalten weigern sich, den Song "War Das Etwa Haschisch?" zu spielen, Danzer kommt sogar auf den Index. Aller Boykotts zum Trotz erhält die Platte gute Kritiken.

Schon Ende des Jahres schiebt die Band "Ein Wenig Hoffnung" nach, mit einigen ausgetauschten Liedern erscheint die Scheibe unter dem Titel "Narrenhaus" in Österreich. Sie erregt nicht wenig Aufsehen, und da der deutsche Fachhandel "Narrenhaus" importiert, sieht sich Polydor veranlasst, die Produktion, die im Dialekt erscheint, dort nachträglich zu veröffentlichen. Songs wie "Der Legendäre Wixerblues" werden Kult.

Ende der 70er erscheinen "Feine Leute" und "Notausgang". Die Besucherzahl auf Danzers Konzerten nimmt stetig zu. Die dreimonatige Tour findet u.a. in 32 ausverkauften Locations satt, und der Österreichische Rundfunk dreht die Spezialsendung "Danzer Direkt". Bevor er das Live-Doppelalbum "Danzer Live – Tournee ’79" veröffentlicht, erscheint das Studioalbum "Traurig Aber Wahr".

1981 erhält Danzer mit "Ruhe Vor Dem Sturm" die verdiente Anerkennung als ernstzunehmender Songschreiber. Schon in den ersten Wochen der Veröffentlichung verkauft er an die 40.000 Stück, mittlerweile sind es allein in Deutschland 250.000 verkaufte Platten. Es folgen ausgiebige Touren, die auf "Direkt" als Live-Mitschnitt erscheinen. Mit Ludwig Hirsch, Konstantin Wecker u. a. geht Danzer auf Open-Air-Tournee. 1982 bringt Danzer sein erstes Buch "Die Gnädige Frau Und Das Rote Reptil" mit Liedtexten, Erzählungen und Betrachtungen heraus. Im selben Jahr erscheint "Jetzt Oder Nie".

1983 bekommt Danzer ein neues Management (Ute Möllers Musik-Kontor). Die aktuelle Produktion heißt "...Und So Weiter" und erscheint erstmals auch auf CD. Nachdem er mit "Atlantis" ein Donovan-Cover als Single veröffentlicht, folgen 1984 "Menschliche Wärme" und "Weiße Pferde". Der Videodreh zu "Weiße Pferde" ist von unglücklichen Umständen geprägt, da sich Danzer bei einem Motorradunfall lebensgefährliche Verletzungen zuzieht und per Flugambulanz nach Wien gebracht werden muss.

Dem Schaffensdrang tut das keinen Abbruch. Im April des nächsten Jahres präsentiert er seine Single "Ihr Seid Alle So Normal". Außerdem hat Danzer eine neue Live-Band beisammen: Jürgen Kumlehn (Gitarre), Erwin Kiennast (Keyboards), Earl Bostic (Bass), Detlef Kessler (Schlagzeug) und Frank Lüdeke (Saxophon) - gemeinsam produzieren sie "Alles Aus Gold". 1986 entsteht bei der neuen Plattenfirma Teldec "Danzer", kurze Zeit später "Liebes Leben". Nach einem Aufenthalt in Spanien und dem Erlernen der Sprache macht er sich daran, Kurzgeschichten und Essays zu übersetzen.

Von seinem zeitweiligen Wohnort Hamburg aus erscheint "Rufze!chen", doch das nächste Album "Wieder In Wien" trägt seinen Titel nicht umsonst: Danzer verbringt wieder mehr Zeit in seinem Heimatland. Bei der Produktion unterstützen ihn Peter Cornelius (Gitarre), Marianne Mendt und Wilfried (beide Gesang). 1991 gibt es eine gleichnamige Tour zum Album, deren Höhepunkte auf der Live-Platte "Echt Danzer!" zu hören sind. "Keine Angst" entsteht in Köln und soll das letzte Vinyl-Album werden. Außerdem erscheinen kurz vor der Frankfurter Buchmesse zwei von Danzer übersetzte Bücher ("Mein Name Ist Kain" und "El Pais").

1992 heiratet Danzer ein weiteres Mal, nun seine Freundin Bettina, darüber hinaus erscheint das Album "Kreise" sowie eine weitere Übersetzung des Autors Manuel Vincent. Für die CD "Nahaufnahme" wirken u.a. Hans Theessink und Doretta Carter mit, gemeinsam mit Christian Kolonovits (Klavier, Keys, Bass, Ziehharmonika, Chor) und Hubert Waldner (Saxofon, Flöte, Gitarre, Bass, Chor) geht es auf eine dreimonatige Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Für sein umfangreiches Lebenswerk erhält Danzer (nach Paul McCartney als zweiter Singer/Songwriter) das "Goldene Ohr". Zeichnungen Danzers zu "Nahaufnahme" erscheinen 1994 in einem Kalender.

Dass er ein Allround-Genie ist, beweist auch ein Schauspielauftritt in der Hauptrolle des Herrn Lip in Nestroys "Der Zerrissene", für die ihn Elfriede Ott nach Wien holt. Im selben Jahr übersiedelt er wieder endgültig nach Österreich. 1995 gibt es eine neue Danzer-Band für die Scheibe "Große Dinge" - Ulli Bäer, Gary Lux, Thomas Morá und Peter Barborik. Frank Zappas Cutter Klaus Hundsbichler ist an der Produktion des erfolgreichen Videos "Anplaggd" beteiligt. Aus Spaß ruft er mit Adi Hirschal und Lukas Goldschmidt das Wienerlieder-Programm "Liada Ohne Grund" ins Leben, das bald zum Geheimtipp avanciert.

1996 beginnt Danzer die Arbeiten am nächsten Album, auch nimmt er den Titel "Say It In English" auf, für dessen Video abermals Hundsbichler zuständig ist. Zu seinem 50. Geburtstag präsentiert ihm sein Manager und Freund Christian Schwarz die Doppel-CD "Danke Danzer". Darauf interpretieren namhafte österreichische Musiker Danzers Lieder (mit dabei sind u. a. Wolfgang Ambros, Boris Bukowski und Jazz Gitti).

Auf der englisch gesungenen Single "Free Again" bekommt Danzer in Iris Sommerbauer eine Duettpartnerin. Die Single leitet die 30. CD Danzers "$ex Im Internet" ein. Zu diesem Anlass veröffentlicht er eine Multimedia-CD mit Video, Grafiken, Texten für Mac, Audio und PC – damit ist er zu der Zeit quasi der erste europäische Künstler.

Im Dezember 1997 steht er erstmals – zusammen mit Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich – als Austria3 auf der Bühne. Mit an Bord sind Ulli Bäer (Giarre, Gesang), Gary Lux (Keys, Gesang), Harald Fendrich (Bass), Andi Steirer (Percussions) und Harry Stampfer (Schlagzeug). Fendrich, Ambros und Danzer erhalten als Austria3 vier Auszeichnungen in Platin und Gold für Videos und CD. Danzer selbst widmet sich weiter dem Liederschreiben und tut dies auch für Jazz Gitti und Ambros.

Vor den Arbeiten zu "Atemzüge" (1999) schreibt er am Drehbuch für "Jackpot – Das Große Los" mit (nach Nestroys "Lumpazivagabundus"). Für die Scheibe hat Danzer abermals eine neue Band: Ulli Bäer (Gitarre), Dieter Kolbeck (Keys), Arnulf Lindner (Bass), Lenny Dickson (Schlagzeug) und Stephan Maass (Percussions). Nebenher gibt es einige Shows mit Austria3 in Deutschland und Österreich. "Atemzüge" stellt sich als großer Erfolg heraus, weshalb Zusatzkonzerte auf dem Programm stehen.

2000 erscheint unter "Raritäten" bei Universal eine Sammlung von teilweise auch unveröffentlichten Titeln. Mit drauf sind auch die Live-Alben "Direkt" und "Tournee '79". Neben der ständigen Produktion von neuen Alben findet er Zeit für wohltätige Zwecke. 2000 wird er zum Vorsitzenden von SOS-Mitmensch gewählt. Nachdem die Aufnahmen zu "13 Schmutzige Lieder" beginnen, erhält die CD "Atemzüge" den Evolution Award der Firma Sennheiser und somit eine Auszeichnung als beste Pop-Produktion 1999. Auch das 2001 erscheinende "13 Schmutzige Lieder" kommt äußerst gut an.

2002 schreibt er an der Musik zu Texten von Stermann & Grissemann, mit der das Duo an der Österreich-Ausscheidung zum Eurovision Song Contest teilnimmt. Nebenher bereitet Danzer das Jubiläums-Album "Sonne & Mond – Lieder Und Geschichten Aus 30 Jahren - Live" (2003) vor, dem im März eine ausgedehnte Tour folgt. Das 2004er Album "Persönlich" wird dann mit dem österreichischen Musikpreis Amadeus gekürt. Mit der nächsten Scheibe "Von Scheibbs Bis Nebraska" (2005) als Anlass, spielt er einen Gig in Scheibbs, von dessen Bürgermeister er zum Ehrenscheibbser ernannt wird.

Mit Austria3 gibt es die Greatest Hits-CD "Weusd' Mei Freund Bist...", die schlagartig Goldstatus erreicht. Das Trio motiviert später bei zwei Benefizkonzerten zugunsten der Tsunami-Opfer tausende Konzertbesucher und Sponsoren zu Spenden. Im März 2006 werden sie in Karlsruhe mit dem goldenen "Humanity Award" ausgezeichnet. Ein Monat nach der Abschlusstournee mit den Austria3 Ende Juni 2006 diagnostiziert man bei Danzer ein Lungenkarzinom.

Nur zwei Monate später steht schon sein nächstes Album "Träumer" in den Regalen. Auch für Live-Gigs steht er weiterhin auf der Bühne, so holt er Mitte April 2007 sein Jubiläumskonzert Danzer & Freunde nach (mit Marianne Mendt, Wolfgang Ambros, Andy Baum, Christian Becker, Rainhard Fendrich, Willi Resetarits und Band). Er arbeitet weiterhin an Texten, diesmal etwa mit Joesi Prokopetz an "Ich, Hackl..." für Karlheinz Hackls Soloprogramm. Für sein musikalisches Gesamtschaffen erhält Danzer im Mai 2007 den Amadeus, einen Tag darauf erscheint die CD "Raritäten II" mit Stücken aus fast 40 Jahren.

Am 21. Juni erliegt Danzer seiner schweren Krankheit im Kreise seiner Angehörigen. Das Angebot auf ein Ehrengrab seitens der Stadt Wien hat er zu Lebzeiten abgeschlagen, um Rummel um seine Person zu vermeiden. So wird er am 22. Juni lediglich im Beisein seiner Familie (er hinterlässt vier Kinder) und engsten Freunden eingeäschert.

Der Tod des Austropoppers im 61. Lebensjahr ist von viel Trauer seitens der Medien und der Österreicher begleitet, verliert man doch einen hervorragenden Songwriter, dessen Lieder- und Gefühlswelten voller (schwarzem) Humor vor Innovation, Sentimentalität, Aufsässigkeit und Wiener Identität nur so strotzen.

News

Alben

  • Georg Danzer

    Mit ausführlicher Biographie, Bildern, Videos, Musiktexten und Link zum Fanclub.

    http://www.georgdanzer.at/
  • Presse-Nachruf

    Presse-Beitrag zum Tod des Musikers.

    http://www.diepresse.com/home/kultur/news/312488/index.do
  • Der Standard

    Noch ein Nachruf.

    http://derstandard.at/?url=/?id=2930564
  • FM4

    FM4 über den Tod des Austropop-Poeten.

    http://fm4.orf.at/connected/218720

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