Porträt

laut.de-Biographie

Esbjoern Svensson

"Wenn er in Cargohose und Muskelshirt die Bühne betrat, wenn er sich zwischen den Nummern wie ein Tennisspieler Gesicht und Hände abtrocknete und ein paar Schluck aus seiner Flasche nahm, signalisierte er immer auch: Kinder, das hier ist Musik mit Bauchmuskeln. Rückhandvolleyjazz", ehrt ihn die Süddeutsche Zeitung.

Im britischen Guardian schreibt Phil Johnson: "Das, was Svensson im heutigen Jazz am meisten auszeichnete, war, dass er immer mit der gleichen Band Erfolg hatte. Und er war überaus glücklich darüber, dass sich Berglund und Oström ausgiebig Platz für ihre Soli nahmen."

Auf den mit 44 Jahren viel zu frühen Tod Esbjörn Svenssons, reagiert die Musikwelt mit tiefer Betroffenheit und Trauer. Ein Tauchunfall am 14. Juni, bei dem er tödlich verunglückt, sorgt für Fassungslosigkeit, denn Svensson galt als erfahrener Sporttaucher.

Zum Hergang der Ereignisse heißt es aus Schweden: "Klar ist, dass er auf Ingarö in einem Gruppentauchgang war, und der Dykledar (Gruppenführer) nach dem Auftauchen einen der Teilnehmer vermisste. Als klar war, dass es Esbjörn ist, kam zunächst keine Panik auf, nur etwas Sorge. Denn er galt als besonnen und versiert. Der Gruppenleiter ist dann am Steg (geringe Wassertiefe) nochmal runter und fand ihn am Grund. Da er ihn nicht alleine hochbringen konnte, musste er Hilfe holen. Da war es aber schon viel zu spät."

Esbjörn Svenssons Werdegang nimmt 1964 im schwedischen Västeras seinen Lauf. Er wächst mit den Einflüssen der Klassik (seine Mutter war klassische Pianistin), des Jazz (sein Vater liebte Duke Ellington) und den Radiohits der Popmusik auf. Nach den obligatorischen Schulbands folgt ein vierjähriges Studium, in dessen Anschluss Esbjörn sich zunächst als inspirierter und ideenreicher Sideman etabliert. 1990 gründet er sein Trio E.S.T., dem er bis zu seinem Tod die Treue hält.

Ausgedehnte Tourneen auf die angesagten Jazzfestivals und die Zusammenarbeit mit der Nils Landgren Funk Unit führen zuerst in Schweden zum Erfolg. Die Trophäen "Artist Of The Year", "Album Of The Year" und "Composer Of The Year" (im Bereich Pop), sind das Sprungbrett zum internationalen Durchbruch, der sich 1999 mit "From Gagarin's Point Of View" anbahnt. Es ist das erste Album des Esbjörn Svensson Trio, das außerhalb Skandinaviens erscheint. Auftritte beim Montreux Jazz Festival und auf der Jazz Baltica ebnen den Weg zum internationalen Durchbruch.

"Wir brauchen die amerikanischen Jazzstars auf den europäischen Festivals nicht, wir haben das alles schon gehört. Mit dem alten Jazz kommen wir jetzt nicht mehr weiter. Wenn Branford Marsalis sagt, Jan Garbarek mache keinen Jazz, weil er norwegische Folkidiome in seiner Musik verwende, okay - ich frage mich nur, wo die Grenzlinie gezogen werden soll. Oder heißt das nur: Alle, die weitergehen, die die Grenzen des alten Jazz überschreiten, sollten ihre Musik anders nennen? Ist das der Vorschlag, progressive Musik vom Jazz abzutrennen? Ich bin froh, dass wir nicht in diesen Kategorien denken. Wir sind grundsätzlich offen und freuen uns über jedes Rockfestival, das uns einlädt. Wir schätzen Jazzfestivals, die auch Pop- und Weltmusik-Stars präsentieren", kommentiert Svensson das erstarkende europäische Jazz-Selbstbewusstsein.

2000 erscheint das Album "Good Morning Susie Soho", mit dem das Trio durch ganz Europa tourt und eine stattliche Fangemeinde um sich schart. In Amerika wird das Major-Label Sony/Columbia auf das E.S.T. aufmerksam und veröffentlicht "Somewhere Else Before" - eine Kompilation aus den beiden letztgenannten Alben.

Nach der Veröffentlichung von "Strange Place for Snow" (2002) kennt die Begeisterung keine Grenzen mehr. Das Esbjörn Svensson Trio wird mit europäischen Musikpreisen überhäuft und absolviert eine neunmonatige Tournee durch Europa, USA und Japan, die ihren Kultstatus zementiert.

Mit "Seven Days Of Falling" veröffentlichen sie 2003 ein weiteres Album, das vor Ideenreichtum, stimmungsvollen Songs und munterer Kreativität sprüht wie eh und je. Der Silberling steigt in die Popcharts ein und kommt neben Europa und USA auch in Japan und Südkorea auf den Markt. In den zwölf Monaten, die der Veröffentlichung folgen, erleben mehr als 100.000 Zuschauer die Band live bei ihren Auftritten. Im selben Jahr tourt das Trio als Vorband von K.D. Lang quer durch die USA und spielt in Stadien und großen Konzerthallen vor weiteren 50.000 Menschen.

Im Januar 2005 erscheint auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs "Viaticum". Der Begriff bezeichnete im alten Rom eine Wegzehrung, den Proviant, den man auf eine Reise - sei es im Diesseits oder ins Jenseits - mitnahm. Ab März 2005 setzt das E.S.T. seine Reise im Diesseits mit ausgiebigen Tourneen fort. Die Band tourt ausgiebig quer durch die Welt und tritt in Konzertsälen und auf Festivals in Europa, Japan, Korea, China, Australien, Brasilien und den USA auf.

Viaticum erzählt von der Musik als Proviant, den man mit auf eine geistige Reise nimmt. Das 2006 erscheinende "Tuesday Wonderland" dagegen ist die Reise. "Was wir machen, nämlich Musik, bedeutet vielleicht nicht wirklich vielen Leuten etwas, aber wenn man sich in die Musik hineinfallen lässt, wird man auf eine Reise mitgenommen und kann sein eigenes Wunderland entdecken - eine Reise, die dein ganzes Leben verändern kann" (Dan Berglund).

Dass es 'die große Reise' für Esbjörn Svensson werden könnte, die auch Berglunds und Öströms Leben verändert, und dass 'Viaticum' auch mit 'letztes Abendmahl' übersetzt werden kann, all das war im Grunde unvorstellbar. Und so entpuppen sich die Vorzeichen, zusammen mit dem engelsgleich in weiß gehaltenen Cover von "Leucocyte", als unheilvolle Vorahnung.

Da die Aufnahmen für das zehnte Studioalbum bereits im Kasten sind, erscheinen am 29. August 2008, 77 Tage nach seinem tragischen Tod, die jüngsten Einspielungen des Trios. Ein weiteres posthumes Album erscheint 2012. Das Material dafür haben die Bandmitglieder schon 2008 beim Jammen im berühmten "301"-Studio in Australien gesammelt und später von Ake Linton abmischen lassen.

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