Porträt

laut.de-Biographie

Ersatzmusika

Ersatzmusika? Musik als Kaffeeersatz? Muckefuck für die Ohren? Ja! genau so möchte die bunte Truppe um Irina Dubrovskaja den Bandnamen verstanden wissen. Das ist natürlich rein augenzwinkernd gemeint. Denn zweitklassig oder gar minderwertig ist an der Kunst des ex-sowjetischen Musikerkollektivs gar nichts. Im Gegenteil: Leidenschaft, Poesie und klare, kritische Worte verleihen den Tonträgern von Ersatzmusika hohe Authentizität und Einmaligkeit.

Sie wehren sich als Musiker entschlossen dagegen, dass eine Gezeitenwelle von Trash und Oberflächlichkeit erstickt, was an der Kunst einst radikal und schön war. Alle Songs verkörpern damit auch Protest und die Ablehnung dagegen, Kultur von Marktgesetzen diktieren zu lassen. Die musikalischen Einflüsse erstrecken sich dabei über ein sehr weites Feld. Man hört ein wenig Doors, etwas Leonard Cohen, feurige Zigeunermusik, slawisch-jüdischen Folk und zu guter letzt eine Prise Velvet Underground.

Wer jetzt glaubt, solche Musik müsse zwangsläufig aus Moskau oder New York kommen, der irrt. Der zusammengewürfelte Haufen formiert sich aus langjährigen Wahlberlinern. Von der deutschen Metropole aus schickt man sich an, die Welt zu erobern. Als zentraler Fixstern fungiert Irina Dubrovskaja.

Zur gleichen Zeit unendlich traurig und voller Witz schreibt und intoniert die langjährige Malerin und Lyrikerin ihre zart-ruppigen Weisen mit der tief tönenden Stimme einer alten Zigeunerin. Von Klang und Phrasierung her erinnert sie des Öfteren an eine osteuropäische Version von Nico.

Die eigenwillige Chanteuse erklärt den Ansatz folgendermaßen: "Anfangs begann ich einfach, für eine kleine Gruppe von Freunden Aufnahmen zu machen, mit der Erinnerung an diese Postkarten im Hinterkopf, die wir in der Sowjetunion hatten, auf denen man eine Nachricht aufnehmen konnte. Eigentlich ein Stimmenbrief. Seit dem Zerfall der Sowjetunion leben viele unserer Freunde in aller Welt verstreut. Die Idee war, Musik zu machen, um sie mit diesen Freunden zu teilen. Aber je mehr Leuten wir diese Musik vorspielten, desto mehr meinten, wir sollten unsere Stimmenbriefe veröffentlichen."

Durch die verschiedenartigen musikalischen und sozialen Biografien der Bandmitglieder entsteht die eigenwillige Mischung aus Holz und Beton; aus realsozialistischem Plattenbau, dörflicher Tradition und fahrendem Volk. Das Ergebnis liegt in einer Art Psycho-Folk, dessen hypnotische Kraft sich in der Stimme der charismatischen Sängerin bündelt.

Klangorgien aus Tränen und Gelächter, aus Zerfall und Neubeginn symbolisieren eindrucksvoll den ewigen Kreislauf der Dinge.
"Das", so Dubroskaja, "fühlt sich zutiefst sowjetisch an."

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