Porträt

laut.de-Biographie

Eberhard Schoener

Was haben Horst Tappert und Eberhard Schoener gemeinsam? Nun, beide kennt das breite Publikum mehr oder weniger ausschließlich durch den Fernsehkrimi Derrick. Schoeners berühmtes Thema hat sich eingebrannt in das kollektive Gedächtnis der Republik. Den Stuttgarter dermaßen zu reduzieren kommt dennoch einer Todsünde gleich. Denn sowohl in der elektronischen Avantgarde als auch in der Verschmelzung von Klassik mit Populärmusik ist der vielseitige Komponist ein weltweit anerkannter Pionier.

Geboren 1938 studiert er von 1954 bis 1959 Violine und Chorleitung an der Nordwestdeutschen Musikakademie Detmold. Seit den 60er Jahren wirkt er als klassischer Violinist und Operndirigent. 1965 gründete er die Münchener Kammeroper. Ausgehend von der Klassik experimentiert er seitdem mit verschiedensten Musikrichtungen. Es reicht ihm nicht, nur eines Musikherrn Diener zu sein. Die Vision, gänzlich neue Klänge zu erschaffen, tritt immer dominanter in den Vordergrund.

Vor allem die bis dato kaum genutzte Elektronik hat es ihm angetan. Entsprechend richtet er 1968 in den Bavaria Studios ein eigens gegründetes Experimentallabor für rein elektronische Musik ein. Ab diesem Zeitpunkt ist Schoener der erste Deutsche, welcher bereits einen Moog Synthesizer besitzt und nutzt. Mit diesem Moog spielen später auch Popol Vuh und bis heute Klaus Schulze.

Ebenso ist er der erste Künstler weltweit, der ein Meditationsalbum herausbringt, welches auf rein elektronischer Instrumentierung basiert (Meditation 1973). Die hier errungenen Erkenntnisse des schwäbischen Schöngeistes münden in den 70ern in Fusionen orchestraler Klänge mit Synthies und unbearbeiteten Naturaufnahmen. Das hieraus entstehende Album Bali-Agúng 1975 darf man heute getrost als Geburtsstunde der Weltmusik begreifen.

Doch auch das bisher erreichte lässt den ruhelosen Entdecker musikalischer Landschaften nicht inne halten. Mit angesagten Hardrockbands der damigen Zeit, wie z.B. Deep Purple oder Procul Harum ebnet er der Synthese aus Klassik und Rock den Weg in die Ohren der Hörer. Auf "Flashback" arbeiten auch Pop-Ästheten wie Sting oder Andy Summers lang vor ihrem internationalen Durchbruch mit Police mit dem Deutschen an einer Variante zwischen Eingängigkeit und Avantgarde.

Der Ausflug in scheinbar rein kommerzielle Gefilde ist für den Süddeutschen dabei kein Widerspruch. Neben Derrick oder Siska komponiert er beispielsweise auch den Soundtrack für die 80er Jahre Seifenoper "Das Erbe Der Guldenburgs". Bis in die Gegenwart unternimmt er stets aufs Neue den Versuch, Experimentalklänge und Pop miteinander zu versöhnen. "Meine Botschaft ist die Musik. In meinem Leben versuche ich, eine genuine Form
zeitgenössischer Musik zu schaffen, in der sich Oper, Jazz, ethnische und elektronische
Musik miteinander verbinden. Emotionalität ist mein Credo.
"

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