Porträt

laut.de-Biographie

Klaus Schulze

Klaus Schulze ist ein legendärer Pionier der elektronischen Musik. Er gilt als der Hauptwegbereiter des Ambient und beeinflusst die Entwicklung dieser Sparte mit zahlreichen kompositorischen Neuerungen seit Beginn der 70er Jahre.

Überraschenderweise beginnt Schulze seinen musikalisch relevanten Weg als Schlagzeuger. In dieser Funktion spielt er 1970 gemeinsam mit Edgar Froese und Co. das Debütalbum von Tangerine Dream ein. Diese prägende Erfahrung lenkt ihn mehr und mehr vom rhythmisch strukturierten Denken eines Drummers ab und öffnet sein Herz für die Erzeugung rein elektronischer Klänge. Hinzu kommt die Inspiration von modernen Vertretern der klassischen Minimal Music wie z.B. Steve Reich oder Terry Riley. Zusammen mit Manuel Göttsching und Hartmut Enke gründet er die Band Ash Ra Tempel. Die Existenz dieses Projekts währt jedoch nur kurze Zeit, da die erhoffte Live-Präsentation an der damals noch rückständigen Technik scheitert. Ohnehin hat der Berliner eine ganz eigene Vision davon, komplett neuartige Musik zu entwickeln.

Beseelt und angetrieben von dieser Idee bringt er 1972 sein erstes Soloalbum "Irrlicht" heraus. Im Bereich der Rock- und Popmusik ist dieses Werk völlig neu und fremd. Alle bislang gültigen Gesetze wirft Schulze einfach über Bord. Perkussion und Rhythmus stehen - sofern überhaupt vorhanden - bei seiner Musik völlig im Hintergrund. Es dominieren sanfte, lang gezogene und warme Akkorde mit räumlichen Effekten. Diese repetitiv und psychedelisch ausgerichteten Soundteppiche mischt Schulze geschickt mit scheinbar gegensätzlichen schroff noisigen, oder die Tonalität übersteigenden Klängen.

Der bewusste Verzicht auf eine drängende Dynamik innerhalb der Songs, macht Schulzes Klanglandschaften zu der wohl zähflüssigsten und langsamsten Revolution der Musikgeschichte. Später verwendet man hierfür gerne den Begriff Soundscape oder auch Ambient. Obwohl Brian Eno diesen Begriff prägt und 1978 solche Töne zur gefälligen Fahrstuhlmusik glättet, gilt Schulze zu Recht als Erfinder und anspruchvollster Vertreter dieser Richtung. Dem Genre ist Schulze seither niemals untreu geworden. Oberflächlich betrachtet klingen seine Produktionen alle recht ähnlich. Seien es nun Meilensteine der 70er Jahre wie "Timewind" und "Mirage" oder neuere Werke wie "Moonlake" und "Kontinuum". Doch wie so oft steckt der Teufel hier im Detail. Mit zunehmendem Fortschritt der Technik gelingt es dem Visionär, seine von Beginn an ausgefeilten Kompositionen bis in die Gegenwart immer nuancierter umzusetzen.

In der Fachwelt erfährt Klaus Schulze dafür seit jeher große Anerkennung und Resonanz. Ohne diesen eigenwilligen Cocktail aus spacigen Science Fiction Sounds und klassisch symphonischer Klangkunst gäbe es heute weder Trance noch Ambient oder Future Pop. Entsprechend gilt es gegenwärtigen kommerziellen Vertretern elektronischer Musik wie z.B. Schiller als große Ehre, mit dem Berliner zu kollaborieren.

Für Aufsehen sorgt 2008 die Zusammenarbeit des Klangkünstlers mit der ebenso angesehenen Dead Can Dance Chanteuse und Oscarpreisträgering Lisa Gerrard. Das Doppelalbum "Farscape" und der zugehörige gemeinsame Gig auf der Freilichtbühne Loreley am 18. Juli 2008 vermischen erstmals den typischen Schulze Sound mit dem einmaligen Gesang einer Ausnahmestimme.

Jegliche Erklärungen oder Interpretationen seiner tönenden Landschaften weist der Klangarchitekt weit von sich. Die Musik ist ja vorhanden. Als ein Angebot an den Hörer, der zuhören und entscheiden kann. Je mehr Worte es braucht, desto unerfreulicher und langweiliger wird es.

Alben

Klaus Schulze - Rheingold: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 5 Punkte

2008 Rheingold

Kritik von Alexander Cordas

Lallende Nichtsnutze stören einen denkwürdigen Auftritt. (0 Kommentare)

X (1978)

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