Porträt

laut.de-Biographie

Django Reinhardt

Wer ihn einmal gehört hat, wird ihn nicht mehr vergessen. Auf der Basis fröhlicher Swing-Akkorde erfand Django Reihnhardt wahnsinnige Akustikgitarren-Soli, die über ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod noch immer begeistern. Dass er beides gleichzeitig und mit nur drei Fingern spielte, hebt seine Ausnahmestellung noch mehr hervor.

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1910 im belgischen Liberchies bei Charleroi mit dem Vornamen Jean Baptiste geboren, wächst er in wechselnden Orten auf. Er gehört einer Manouche-Familie an, französische Sinti, die ihm ihre Neigung zur Musik vererben. Er lernt zunächst Banjo und Geige, gilt jedoch schon als Jugendlicher als Gitarrenvirtuose.

Kritiker sehen in ihm den Begründer des europäischen Jazz, da er als erster den in den 20er Jahren populären New Orleans-Jazz mit dem französischen Walzer (Valses musettes) und Elementen aus der traditionellen Musik seiner Herkunft kombiniert. Sein Stil ist als Zigeuner- oder Gypsy-Swing bekannt.

Mit achtzehn verletzt Reinhardt seine linke Hand beim Brand seines Wohnwagens schwer. Um die Verkrüppelung des Ring- und kleinen Fingers wettzumachen, setzt er fortan auch den Daumen ein. Seine Soli bestreitet er ausschließlich mit Zeige- und Mittelfinger.

1933 gründet er mit dem Geiger Stéphane Grappelli das Quintette Du Hot Club De France, das außer ihnen aus zwei Rhythmusgitarren und einem Kontrabass besteht. Mit dem rasch einsetzenden Erfolg entwickelt Reinhardt Starallüren, erscheint zu spät oder gar nicht zu Konzerten oder verlangt kurzfristig mehr Geld als vereinbart, dennoch reicht der Ruhm der Combo bald bis in die USA. Bis 1939 spielt sie 200 Schallplatten ein und tritt europaweit auf.

Den Zweiten Weltkrieg verbringt Grapelli in London. Reinhardt ersetzt den Geiger durch eine Klarinette und zieht mit seinem Wohnwagen erst in die Schweiz, dann nach Nordafrika. Seine Unzuverlässigkeit steigert sich in neue Dimensionen. So soll er in einem Casino in Nizza an einem Tag 345.000 Francs gewonnen und am nächsten Tag 265.000 verspielt haben. Musikalisch setzt er auf einen Neuanfang, indem er eine Bigband anheuert, nebenbei eine Orgelmesse, einen Bolero und eine Symphonie komponiert.

1946 reist er auf Einladung Duke Ellingtons in die USA. Seine Selmer-Gitarre lässt er im Glauben zurück, bei seiner Ankunft mit teuren Instrumenten überhäuft zu werden. Als er einsam da steht, überlegt er sich, gleich umzukehren, zumal ihm an der Seite Ellingtons nur eine Nebenrolle zugedacht ist. Dennoch bestreitet er sechs der sieben Termine – mit einer E-Gitarre. Zum letzten erscheint er drei Stunden zu spät, nachdem er einen Bekannten getroffen und den Auftritt vollkommen vergessen hat.

1947 und 1949 kommt Reinhardt noch zweimal mit Grapelli für gemeinsame Aufnahmen zusammen. Anschließend zieht er sich immer mehr aus der Szene zurück, um sich seinen Hobbies Malerei, Fischen und Billard zu widmen. 1953 stirbt er, gerade mal 43-jährig, in Samois-sur-Seine bei Fontainebleau an einem Schlaganfall.

Seine Musik bleibt jedoch bestehen, nicht nur auf Platten, sondern auch durch zahllose Gruppen, die seinen Stil nachahmen. Nach wie vor findet jedes Jahr an seinem Todesort ein Festival zu seinen Ehren statt. Zudem dreht Woody Allen 1998 eine sehenswerte Hommage mit dem Titel "Sweet & Lowdown", in dem Sean Penn die Hauptrolle übernimmt.

Das Genie Django Reinhardts ist ein günstig zu habender Genuss, dank vieler Sammlungen, die für wenige Euro einen umfassenden Überblick über sein Werk verschaffen. Wem das nicht genug ist, dem sei die 2005 vollendete Serie "L'Intégrale De Django Reinhardt" empfohlen, die auf 20 Doppel-CDs alles beinhaltet, was er jemals aufgenommen hat.

Zu seinem 100. Geburtstag erinnern im Januar 2010 wiederum neue Kompilationen an sein reiches Erbe. Universal legt das kultgewordene Boxset "Retrospective 1934-53" neu auf. Eine limitierte Auflage enthält eine erst jetzt aufgetauchte, siebenminütige Filmaufnahme des Quintetts des Hot Club de France von 1939, featuring Reinhardt und Stephane Gappelli.

Das Münchner Liebhaber-Label Trikont versammelt auf dem Sampler "A Tribute To Django Reinhardt" mit gewohntem Feingefühl Künstler verschiedenster Stilrichtungen, darunter auch Djangos Enkel David Reinhardt. Die Hamburger Musikerin Susie Reinhardt (Hoo Doo Girl), ebenfalls mit Django verwandt, fungierte als Initiatorin des Projekts.

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Between the Devil and the Deep Blue Sea (1937)
Blues Clair (1943)
At the Jimmy's Bar (1940)
Believe It, Beloved (1935)
  • Deutsche Fanseite

    Umfangreich, mit Erläuterung der Spieltechnik.

    http://home.arcor.de/ccyrny/djangology/
  • MySpace

    Songs und Videos.

  • Französische Fanseite

    Liebevoll gestaltet und sehr umfangreich.

    http://www.about-django.com/
  • Gypsy Jazz

    Britische Seite mit einem guten Überblick der Musikrichtung und vielen Links.

    http://www.hotclub.co.uk/

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