Porträt

laut.de-Biographie

Die Vamummtn

So manche Eigenart, die man den Nachbarn aus Österreich verallgemeinernd auf den Leib definiert, ist dem berühmt berüchtigten Wiener Schmäh zu verdanken. Dabei steht natürlich weder die Hauptstadt für den gesamten Rest der Alpenrepublik, noch Falco, Wolfgang Ambros und Co. für deren gesamte Bewohnerschaft.

Weitgehend unverschuldet haben die Hauptstädter deswegen einen schwierigen Stand bei den Gesamt-Austriaken. A Wiener hats eben schwer. Vor diesem Hintergrund erscheint es kaum verwunderlich, dass irgendwann im Jahr 2007 ein Rap-Trio aus Wien zum Hassobjekt der Austrorap-Szene avanciert. Zumindest halbwegs. Die andere Hälfte kann von den Vamummtn und ihrem Schmäh nicht genug bekommen.

Alles beginnt mit einem YouTube-Video in bekannter Optik. Weithosige, bekappte Jungs blicken schlecht gelaunt in die Kamera und machen böse Mienen zu noch böserem Spiel. Üble Hasstiraden schicken sie in Richtung Jedermann, Waffengewalt drohen sie Söhnen, diverse Sexualdelikte deren Müttern an. Das harte Leben auf der Straße soll ausreichend Argumente für derlei Verhalten liefern.

Eine traurige Geschichte, das Ganze, wäre da nicht das kleine Detail, dass die Herrschaften durch die Häuserschluchten der pittoresken Touristenhochburg Salzburg hustlen. In den Ohren der meisten klingt das mächtig suspekt und lässt wahlweise an Genre oder gleich der kompletten Menschheit zweifeln.

Drei junge Herren aus Wien fühlen sich in der Folge dazu berufen, diese Nachwuchs-Gangster aus dem alpenländischen Problembezirk gehörig auf die Schippe zu nehmen.Sie geben sich absurde Namen, Ansa, Zwara, Dreia (zu Deutsch: Einser, Zweier, Dreier), ziehen sich Masken über die Gesichter, nennen sich, simpel aber passend, Die Vamummtn und rasseln per gerappter Videobotschaft die (Plastik-)Säbel. Tatsächlich entsteht aus der Fehde der erste Web-basierte Rap-Krieg Österreichs, dem sogar die dortigen Boulevardmedien Aufmerksamkeit schenken.

Es folgen ellenlange Foren-Diskussion und eine Szene-interne Hassliebe, die ihresgleichen sucht. Gut, dass man motiviert ist. Sogleich schießen die Vamummtn ihr Mixtape "Geht's Brunzn!" hinterher und scheiden weiterhin mit ihrer Mischung aus Absurdität und, ja, Talent die Geister.

Wenig später beweisen sie ein weiteres Mal ihre guten Näschen. Die Lokalmedien der Hauptstadt berichten von einer neuen Bewegung:. Jugendliche kleiden sich in Neon-Farben, strömen in Schwärmen in die Tanzclubs der Peripherie und erfinden einen neuen Tanzstil auf hart stampfende Techno-Beats. Die Kids nennen sich Krocha und präsentieren in immer neuen YouTube-Videos ihre Fortschritte beim Dancefloor-Zappeln.

Gefundenes Fressen für die Vamummtn, die sich spontan eine "Krocha Hymne" einfallen lassen, diese auf YouTube laden und innerhalb weniger Wochen Klicks im Hundertausender-Bereich verzeichnen.

Das bleibt auch der österreichischen Division von Universal Music nicht verborgen, wo die Single mit ein wenig Verspätung offiziell erscheint. Auf einmal haben die immer noch Masken tragenden Vamummtn einen Top-50-Hit in den Austrocharts, auf einer Bühne standen sie bis dato noch immer nicht.

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Intensiver wird die Geschäftsbeziehung mit dem Major jedoch nicht. Lieber schließen sich die Vamus dem lokalen Szene-Kollektiv Supercity an. Die Gerüchteküche brodelt sofort. Haben sich hier vielleicht nur bekannte Wiener Rapper verkleidet, sich einen großen Spaß erlaubt und outen sich so? Man weiß es nicht, die Identitäten des Trios bleiben unbekannt, der Einstieg von Supercitys DJ Buzz als Viera ein Zwischenspiel.

Diverse weitere Mixtapes folgen. Ein richtiges Album erscheint jedoch erst 2011. Das allerdings hat es in sich: Es beschert den Vamummtn neben Chartsplatzierungen und diversen TV-Auftritten einen Amadeus, Österreichs wichtigsten Musik-Preis.

Als erster der Vamummtn macht sich Ansa selbständig: Er veröffentlicht schon 2011 zusammen mit MOZ aus Salzburg das Kollabo-Album "Niedaschlog". Der richtige Alleingang folgt 2014 mit "Ansa Unta Millionan" als Antwort auf widrige Umstände: Nach einem Umzug des Dreias können die Vamummtn monatelang dessen Studio nicht nutzen. Statt sich unterdessen auf die faule Haut zu legen, werkelt der Ansa so lange eben alleine.

Mit Erfolg: "Ansa Unta Millionan" fährt 2015 ebenfalls eine Amadeus-Nominierung ein. Den Preis gewinnt allerdings ein anderer. Für Ansa kein Beinbruch: "Natürlich gewinne ich ihn gerne jährlich", sagt er der Krone, "aber wenn er so viel Effekt hat wie der letzte, ist er unnötig." Statt sich zu grämen, schraubt der Ansa schon am nächsten Solo-Album.

Am Zusammenhalt der Vamummtn ändert das nichts. Noch immer lautet des Ansas schlichte Antwort auf die Frage, welche Crew das Potenzial hat, endlich dafür zu sorgen, dass Mundart-Rap den Austropop beerbt: "Wir."

Im Interview mit dem österreichischen Szene-Magazin The Message begründen die Vamummtn, was sie als Retter des Genres qualifiziert: "Weil wir an g'scheiten Sound fabrizieren und wieder wegkommen wollen von dem ganz'n Kaschpaltheater!" Es braucht offensichtlich eine gehörige Portion Wiener Schmäh, um Gegner mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.

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