Porträt

laut.de-Biographie

Delays

Für jugendliche Musikfans im südenglischen Southampton gibt es nicht viel Möglichkeiten. Die Stadt hat keine besonderen Merkmale, außer einer reichen Seefahrer-Vergangenheit. Und schon gar keine besondere Musikszene. Früher gab es wenigstens noch den Thursday Club. Den macht man allerdings Ende der Neunziger platt und zieht an seiner Stelle einen gesichtslosen Riesensupermarkt hoch. Für die Delays ist der Thursday Club allerdings Ausgangspunkt ihrer Karriere.

Hier treffen sich die Schulkameraden Greg Gilbert (voc, git), Colin Fox (bass, voc) und Rowly (dr). Sie stellen schnell ihre Gemeinsamkeiten fest (böse Zungen würden sagen, diese Gemeinsamkeit drückt sich in einem anachronistischen Musikgeschmack aus) und beschließen, eine Band zu gründen. In der ersten Zeit treten sie als straighte Rockband auf und vergleichen sich gern mit den Manic Street Preachers. Ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass sie eher Prince, Abba, aber auch die Stone Roses und die LAs zu ihren Einflüssen. Greg gibt sogar Elektro und Breakdance an.

Aaron, der Bruder Gregs, spielt in seinem Zimmer im elterlichen Haus seine Musik immer so laut, dass Greg sich gar nicht anders helfen kann, als auf seiner Gitarre mitzujammen. Die elektroiden Sounds und verrücken Klangideen schlagen sich in der Musik der Band - zum Beispiel in ihrem Song "Wanderlust" - nieder. Über kurz oder lang wird Aaron das vierte Mitglied der Delays. Indiepop mit einem Elektro-Twist, so könnte man den Sound der Delays nennen. Immer dabei: eine gehörige Portion Sehnsucht, die daher rühren könnte, dass alle Vier im Schatten des örtlichen Flughafens groß geworden sind.

Gregs zeitweilig eunuchenartiger Gesang ist zwar seit The Darkness nichts Neues mehr, wirkt allerdings nicht so aufdringlich wie bei den Glamrockern. Er soll den Hörer provozieren, die Delays wollen, dass man sie entweder hasst oder liebt. Warum Greg so singt? Seine Antwort: "Ich habe früher halt Sachen mit Frauenstimmen und sowas wie Prince gehört!" Sie streben nach dem perfekten Popsong. Wenn sie diese Aufgabe erfüllt haben, lösen sich die Delays auf. Ein erster Schritt in diese Richtung erscheint im Mai 2004 in Form ihres Popperlen-Debuts "Faded Seaside Glamour".

Die Aufnahmen gestalten sich gar nicht so einfach, Greg macht oft den Kontrollfreak, doch diese Belastung bekommen die Vier zum Glück gemeinsam in den Griff. Dennoch gehen sich die Musiker während der Tour 2004 hin und wieder aus dem Weg, Greg ist offensichtlich mehr der Loner-Typ. In den Hotelzimmern sammelt er bereits Ideen für das nächste Album, während Aaron, Colin und Rowly sämtliche Eindrücke on the road in sich aufsaugen. Als sie wieder zu Hause in Southampton sind, kommt es ganz dick für die Delays: Aaron verliert die Disc, auf der sich die Songschnipsel für die zweite Platte befinden.

Glücklicherweise taucht davon nichts im Netz auf, dennoch muss die Band nochmal ganz von vorne anfangen. Greg lässt die Zügel bei den Aufnahmen zu "You See Colours" deutlich lockerer, und das Resultat ist eine schöne Platte, die wesentlich klarer und direkter ins Gehör geht als der verträumte Vorgänger.

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