Porträt

laut.de-Biographie

Cream

"Die Ersten werden die Letzten sein und die Letzten die Ersten, aber die Ersten, Zweiten und Letzen sind Cream", erklärt Robert Stigwood im Sommer 1966 vor Journalisten. Trotz seiner aufgebauschten PR-Sprache sollte der Manager im Kern Recht behalten. Zwar bleiben Cream nur drei Jahre zusammen, zählen aber nach wie vor zu den einflussreichsten Bands der Rock-Geschichte.

Eric Clapton, Ginger Baker und Jack Bruce – drei Namen, die das Herz des Fans höher schlagen lassen. Als sie ihre Zusammenarbeit ankündigen, entsteht der Begriff der Supergroup, einer Band, in der die angesagtesten Künstler des Moments gemeinsam spielen. Der Impuls stammt vom Schlagzeuger Baker, der sich in der Graham Bond Organisation einen Namen gemacht hat. Am Rande eines Konzerts spricht er Clapton an, der nach seinem Ausstieg bei den Yardbirds in der Begleitband John Mayalls gastiert. Clapton bringt den Bassisten Bruce ins Spiel. Baker willigt ein, obwohl sein Verhältnis zu Bruce kein gutes ist. Ihre gemeinsame Zeit bei der Graham Bond Organisation war mit einer Schlägerei während eines Auftritts jäh zu Ende gegangen.

Nach einer Pub-Tour in England veröffentlicht die Band im Dezember 1966 ihr Debütalbum "Fresh Cream", das Platz sechs in den UK-Charts und die Top 40 in den USA erreicht. "Wir hatten eigentlich nur Spaß. Wir sind ohne jeglichen Ernst an die Sache heran gegangen. Meistens haben wir rum geblödelt und getrunken", erinnert sich Clapton, der mit der Vorgehensweise im Studio unzufrieden ist.

Spannungen entstehen auch wegen der musikalischen Richtung. Während Clapton vor allem Blues spielen will, plädiert Bandchef Baker eher für einen poppigen Stil. Bruce, der die meisten Stücke mit dem Texter Peter Brown schreibt und auch singt, interessiert sich eher für Jazz. Die verschiedenen Ansichten führen zunächst zu einem fruchtbaren Gemisch. Mit den virtuosen Tönen Claptons, dem wuchtigen Schlagzeug Bakers und dem pulsierenden Bass Bruces entsteht ein harter Sound, der als proto-hart durchgehen kann. Cream werden zu den Vorreitern der Prog-Rock-Bands, die in den folgenden Jahren entstehen.

Der in den USA aufgenommene Zweitling "Disraeli Gears" erscheint im November 1967. Mit "Sunshine Of Your Love" enthält er einen veritablen Hit, aber auch auf der Bühne erreicht die Band den Höhepunkt ihrer Zusammenarbeit, indem sie ihre Lieder mit Improvisationen und neuen Arrangements immer wieder neu interpretiert. Der Publikumserfolg zeigt sich mit dem dritten Album, "Wheels Of Fire" (1968), das in England auf Platz drei und in den USA an die Spitze der Charts gelangt. Die erste Scheibe des Doppelalbums enthält Studiomaterial mit der Begleitung von Streichern, Trompeten und einer Orgel, die zweite dagegen einen überarbeiteten Livemitschnitt aus dem angesagten Fillmore in San Francisco.

Mit dem Erfolg steigt die Spannung weiter an. Bruce und Baker streiten sich ständig, vor einem Auftritt in Kopenhagen bricht Clapton nach eigenen Angaben in Tränen aus. Manager Stigwood erkennt das nahende Ende und schickt das Trio auf eine beschwerliche US-Tour, anstatt ihm eine Auszeit zu geben. Zwar füllen sie große Stadien, neben der Bühne sind die Mitglieder aber damit beschäftigt, sich aus dem Weg zu gehen oder zu streiten. "Unser Erfolg entwickelte ein eigenes Leben. Wir waren so bekannt, dass es den Zuschauern egal war, was wir spielten. So lange wir auftauchten und einen Haufen Lärm produzierten, waren sie zufrieden. Für kreative Musiker wie wir war es aber die Todesglocke. Cream hatte sich in die Karikatur seiner selbst verwandelt", erinnert sich Baker.

Im Mai 1968 verkündet die Band ihre Auflösung - nach der Veröffentlichung eines letzten Albums und einer Abschiedtour. Als "Goodbye Cream" 1969 erscheint, ist schon alles vorbei. Obwohl die Mitglieder nur zu den Aufnahmen von "Badge" gemeinsam im Studio sind, um mit George Harrison zu arbeiten, entwickelt sich die Platte mit Platz eins den USA und England nachträglich zu ihrem größten Erfolg. Nach einem Auftritt vor 22.000 Menschen im New Yorker Madison Square Garden beenden Clapton, Baker und Bruce ihre gemeinsamen Karriere im November 1968 mit zwei Konzerten in der Londoner Royal Albert Hall.

"Es könnte wieder passieren. Wären wir drei im selben Raum, würden wir sofort unseren Level erreichen und perfekt funktionieren. Das ist komisch! Wir haben uns nicht sehr verändert. Jack ist mehr oder weniger der gleiche geblieben, Ginger und ich auch. Die zwei haben sich gestritten wie Hunde, aber das Dreieck hat funktioniert", macht Clapton in einem Interview wieder die Tür auf. Nach einem kurzen Gig bei der Aufnahme in die Rock'n'Roll Hall Of Fame 1993, erfolgt die lange ersehnte Reunion im Mai 2005 mit vier Konzerten in der Royal Albert Hall. Ein Mitschnitt auf DVD soll im darauf folgenden Herbst auf den Markt kommen.

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