Porträt

laut.de-Biographie

Christian Fennesz

Als Christian Fennesz 2001 über das Wiener Label Mego sein drittes Album "Endless Summer" veröffentlicht, löst er damit eine mittlere Revolution in der experimentellen elektronischen Musik aus. Watet der Großteil der avantgardistischen Elektroniker zu jener Zeit in Meeren aus Glitch, Abstraktion und Clicks & Cuts, bringt Fennesz Melodie, Songhaftigkeit und sogar die E-Gitarre in die kontemporäre Experimental-Elektronik. Und findet damit Heerscharen an Nachahmern.

Fennesz - Endless Summer Aktuelles Album
Fennesz Endless Summer
Digitales weißes Rauschen: Romantik für den Rechner.

Nachdem der 1962 im österreichischen Burgenland geborene Musiker in den 1980er Jahren als Sänger und Gitarrist der Experimental-Rockformation Maische aktiv ist und im Trioformat Grenzen auslotet, wendet er sich in den Neunziger Jahren dem Laptop-Kosmos zu. Den ersten Longplayer als Solist veröffentlicht er 1997. "Hotel Paralell" kommt noch gänzlich ohne die für Fennesz später charakteristische prozessierte E-Gitarre aus. Es folgt Plus Forty Seven Degrees 56' 37" Minus Sixteen Degrees 51' 08", das auf dem genre-essentiellen Label Touch erscheint.

"Endless Summer" hat riesige Einschlagskraft und macht Fennesz international bekannt. Radiohead preisen ihn zu "Kid A"-Zeiten ebenso als wesentlichen Einfluss an wie auch der ehemalige Red Hot Chili Peppers-Gitarrist John Frusciante.

Für den Nachfolger "Venice" lässt sich Fennesz drei Jahre Zeit – auf "Endless Summer", seinem bis dahin größten Erfolg, will er sich nicht reduzieren lassen. Dennoch ist "Venice" eine konsequente Weiterentwicklung: noch mehr Melodie- und Songhaftigkeit, eine sich durchziehenede, maritime Atmosphäre eines Ozeans aus digitaler Verfremdung und klanglicher Wärme. Für den Schlusstrack "The Stone Of Impermanence" verwendet er sogar einen Gastsänger: Fennesz’ Kollaborateur David Sylvain steuert den Track zum bis dato einzigen Vokal-Stück bei.

Dass zwischen Fennesz' Solo-Arbeiten mehrere Jahre vergehen, darf in keinerlei Hinsicht auf eine Untätigkeit des Musikers hindeuten: ein großer Teil seines Ouevres sind Kollaborationen mit anderen Musikern. Mit dem japanischen Komponisten Ryuichi Sakamoto arbeitet Fennesz im Laufe der Jahre vermehrt zusammen – unter anderem veröffentlichten die beiden die Gemeinschaftsalben "Sala Santa Cecilia" (2005) und "Cendre" (2007). Gemeinsam mit Mego-Chef Peter Rehberg und Jim O' Rourke bildet Fennesz auch das Trio Fenn O'Berg. Ein weiteres Highlight der Fennesz'-Kollaborationen ist seine Zusammenarbeit mit dem 2010 verstorbenen Sparklehorse-Mastermind Mark Linkous, unter anderem nachzuhören auf dem gemeinsamen "In The Fishtank"-Album. Auftragsarbeiten für Filme, Klanginstallationen und Tanz sind ebenso Teil von Fennesz' umfangreicher Arbeit.

2014 kehrt Fennesz für sein sechtes Solo-Album "Bécs" (das ungarische Wort für Wien) in den Labelschoss von Mego – mittlerweile als Editions Mego reanimiert – zurück. 2015 kollaborierte er mit King Midas Sound auf dem Album "Edition 1".

In Österreich geschätzt, international ein Star, spielt Fennesz weiterhin auf Bühnen zwischen Asien, den USA und Europa und lotet seinen Klangkosmos in alle Richtungen aus.

Alben

Surftipps

Noch keine Kommentare