Porträt

laut.de-Biographie

Ryuichi Sakamoto

Man muss lange suchen, um in der Musikszene einen derart umtriebigen Künstler, wie den Japaner Ryuichi Sakamoto zu finden. Seit den späten 70er Jahren folgt Veröffentlichung auf Veröffentlichung. Stilistische Grenzen oder Genrezuweisungen sind für Sakamoto schlicht nicht existent und so hat er sich auf den unterschiedlichsten musikalischen Feldern bewegt. Die einzige Konstante in seinem umfangreichen Schaffen bildet die Innovationskraft, die alle seine Arbeiten ausstrahlen.

Die Musik wurde dem am 17. Januar 1952 in Tokyo geborenen Sakamoto praktisch in die Wiege gelegt. Bereits mit drei Jahren war das heimische Klavier nicht mehr vor ihm sicher. Während der High-School spielte er in diversen Jazzbands und studierte an der Tokioter University Of Art elektronische Musik. Als prägende Einflüsse nannte er einmal so unterschiedliche Künstler wie die Beatles, Beethoven oder John Cage. Aber auch der Avantgardefilm übte eine ständige Faszination auf Sakamoto aus, was sich in seinen zahlreichen Filmmusiken eindrücklich manifestiert.

Die ersten grossen Erfolge feierte Sakamoto mit der japanischen Techno-Pop Band Yellow Magic Orchestra, die in Japan zur äusserst populären Kultgruppe wurde. In ihrer Ästhetik erinnerten Yellow Magic Orchestra an die Robotermusiker von Kraftwerk.

Schon während der Zeit bei Yellow Magic Orchestra beschritt er Solopfade und veröffentlichte mit "1000 Knives of Ryuichi Sakamoto" ein erfolgversprechendes Debütalbum. Kaum war das Yellow Magic Orchestra 1983 Vergangenheit, folgte er seiner Affinität zum Film mit einem ersten Soundtrack ("Merry Christmas Mr. Lawrence"), dem noch viele folgen sollten. Für die musikalische Umsetzung von "Der letzte Kaiser" wurde Sakamoto 1987 mit einem Oscar, einem Grammy und einem Golden Globe geehrt.

Eine Sache linear zu verfolgen, war noch nie die Sache des Ryuiche Sakamoto; und so widmete er sich in den 90er Jahren verstärkt multimedialen Projekten wie "Discord", um am Ende des Jahrzehnts seine Rückkehr zur klassischen Komposition bekannt zu geben und seiner Biographie eine weitere Ungereimtheit hinzuzufügen. Sein Ruf als schillernde Figur im Popgeschäft kommt eben nicht von ungefähr.

Im neuen Jahrtausend ist es keineswegs still um den musikalischen Allrounder Sakamoto. 2002 arbeitete er zusammen mit Alva Noto alias Carsten Nicolai am Album "Vrioon". Auf dieser Scheibe vermischt sich Sakamotos Pianospiel und der individuelle Elektro-Sound Alva Notos. 2004 wurde die Platte in der Kategorie Electronica vom britischen Magazin The Wire zum Album des Jahres gekürt. 2005 und 2009 finden sich die beiden experimentierfreudigen Musiker zu weiteren Kooperation zusammen und veröffentlichen die minimalistischen Nachfolgewerke "Insen" und "utp_".

Seine 24 Jahre andauernde Ehe mit der japanischen Pop- und Jazzmusikerin Akiko Yano endet 2006, 14 Jahre nach dem beidseitigen Entschluss, getrennt zu leben. Erwähnenswerte Filmkompositionen, die er zwischen 2002 und 2007 hervor bringt, sind die Soundtracks zur Dokumentation "Derrida" und zum Anime "Appleseed". Der Soundtrack zu "Silk", einer französisch-kanadischen Produktion mit Schauspielerin Keira Knightley in der Hauptrolle, steht 2007 in den Läden.

Außer seinen musikalischen Ambitionen ist Sakamoto im Klimaschutz tätig und Initiator des Projekts Stop-Rokkasho, einer Kampagne gegen Atomstrom, die von vielen Musikern, wie beispielsweise der deutschen Elektroband Kraftwerk, unterstützt wird.

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Ryuichi Sakamoto - Cinemage: Album-Cover
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2000 Cinemage

Kritik von Daniel Straub

Das filmmusikalische Best-Of des nonkonformen Japaners (0 Kommentare)

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