Porträt

laut.de-Biographie

Charlottefield

Irgendwann Anfang 2000 stolpern im südenglischen Küstenstädtchen Hastings vier Typen übereinander. Es ist nicht das erste Mal, dass man sich über den Weg läuft, im Nachbarort Tunbridge Wells hängen Thomas House, Adam Hansford, Ashley Marlowe und James Dennet schon vorher in einem Club ab. Obwohl die Auftrittsmöglichkeiten in Hastings mit "beschränkt" noch euphemistisch beschrieben sind, machen sich Charlottefield zu diesem Zeitpunkt daran, dem mindestens halbtoten Noiserock ein Dutzend Adrenalinspritzen auf die Brust zu setzen.

Charlottefield - How Long Are You Staying Aktuelles Album
Charlottefield How Long Are You Staying
Vier Noiserock-Autisten nach dem Kunstunterricht.

Wer sie dazu motiviert hat? Miles Davis, The Fall, Captain Beefheart, Throwing Muses, Erik Satie, The Jesus Lizard, Harkonen, The Dave Brubeck Quartet, Nirvana, Gang Of Four, Movietone und Botch. Sagen sie. Und fügen grinsend hinzu, dass das nicht bedeute, dass ihre Musik mit den Genannten verwandt klinge. Ihre Freizeit verbringen die Jungs vorzugsweise mit dem Beobachten von lächerlichen Verhaltensweisen anderer Menschen.

Chris Butler ersetzt ziemlich bald Dennet am Bass. Heute leben Dreiviertel der Band in Brighton, bekannt für seine große Musikszene. Umso schwerer für eine Rockband (im weitesten Sinne), dort Aufmerksamkeit zu bekommen, wenn selbst für neue Gitarrenseiten die finanzielle Grundlage fehlt. Aber auch weil das Budget eine konsequente DIY-Attitüde schlicht nicht erlaubt, folgen Charlottefield festen Werten. "Mit Hingabe Songs zu schreiben und zu spielen, uns musikalisch weiterzuentwickeln, gehörte stets zu unseren Prinzipien. Und so viel wie möglich live zu spielen."

Was sie leider nicht recht in die Tat umsetzen. Zwischen der Veröffentlichung diverser Vinylsingles via Fat Cat (Picture Diary, 2002) und Jonson Family (Firewood, 2004) zeigen sich die vier bei einigen ausgewählten Clubshows in England, aber hierzulande enthalten sie ihre viel gelobte Live-Energie bislang vor. Die wenigen Auftritte reichen aber, um John Peel auf die Band aufmerksam zu machen; der verhilft "Picture Diary" zu Airplay.

Im Juli 2005 werfen Charlottefield ihr Debüt "How Long Are You Staying" auf den Markt. Das Album weist gerade einmal 28 Minuten Spielzeit auf. Doch im Fall der Briten, die ein ausgefeiltes Kunstverständnis offenbaren, reicht das auch: Schlagzeug und Bass hüllen jedes Stück in ein knochentrockenes Soundgerüst, zwei Gitarren (Hansford und House) vermeiden jede Verspieltheit und greifen selten auf mehr als zwei Riffs zurück. Hinzu kommt mit Thomas House ein manisch kreischender Sänger, der auf der Bühne wahrscheinlich des Öfteren Blut spuckt - mehr braucht hypnotischer, fesselnder, avantgardistischer Lärm im neuen Jahrtausend nicht.

Alben

Noch keine Kommentare