Porträt

laut.de-Biographie

Bruder Und Kronstädta

Bruder und Kronstädta sind Teil des P-Packs, eines freien Kollektivs von Musikern, Grafikern und Künstlern aller Art. Bereits 1993 wird das P-Pack als unabhängiges Kultur- und Mediennetzwerk gegründet. Ziel ist es, sich untereinander zu unterstützen und langfristig eigene Strukturen zu entwickeln. Zur Gründungszeit des P-Pack rappt der Berliner Danny Bruder bei der funkigen Rap-Truppe CPS sowie später bei der Hardcore-Band Gunjah. Mitglieder beider Gruppen gehören bereits zum Netzwerk.

Dannys künstlerische und politische Sozialisation erfolgt im Georg von Rauch-Haus, dem ersten besetzten Haus Berlins. Kronstädta steht bei diversen Reggae-und Crossoverformationen seinen Frontmann und findet dadurch seinen Weg zum P-Pack. Die beiden Emcees lernen sich während der Aufnahmen zum Hip Hop-Hörspiel "Hüttenkäse" richtig kennen. Im Sommer '99 gründen sie dann mit Multiinstrumentalist Hinnack die Gruppe Das Department.

Im Georg von Rauch-Haus nehmen die drei Querdenker den Song "Wir müssen hier raus" für das Ton Steine Scherben-Tribute-Album "Keine Macht für Niemand 2000" auf. Zusammen arbeiten sie an Sampler-Beiträgen, Filmmusiken, Remixen sowie an der 5-Track-EP "Heimaudioattacke" bei Jive-Records. Im Juni 2001 erscheint das Department-Debüt "Brennstoff". Die Single "Besondere Kennzeichen: Keine" rotiert ordentlich auf MTV.

Auf dem Album geben sich Sera Finale vom Mikrokosmos, die kurdische Sängerin Sen, Souri von Stereoton, Four Music-Reggae-Rapper Clueso, die englischsprachigen Hardcore-Rapper von KMC und die Crossoverpioniere H-Blockx die Klinke in die Hand. Ein Jahr später löst sich das Department wegen Differenzen zwischen B&K und Hinnack auf. Letzterer sah sich nicht weiter in der Lage, sich hinter die in den Texten von B&K vertretenen radikal-freiheitlichen Positionen zu stellen.

Auf der 2003 erscheinenden EP "Guerillero" kicken Bruder und Kronstädta minimalistisch experimentelle Ragga-Styles. Sie bleiben dabei ihrem Rap-Flow aus Department-Zeiten treu. Gefeatured werden die Pack-Partner Tolcha, Sen, Susie Van der Meer, Max'well Smart und Yaneq, deren Zuhause jedoch nicht nur im Reggae sondern auch im Dub, Elektro und Breakbeat liegt. Des weiteren sind die Sängerin Sera sowie die Brüder im Geiste Mellow Mark und Dr. Ringding am Start.

Ein Longplayer von Bruder und Kronstädta sowie ein P-Pack-Sampler sollen folgen, lassen jedoch aufgrund mangelnder kommerzieller Ambitionen der beiden bereits einige Zeit auf sich warten. 2004 erscheint die EP "Probably Yeah", die unter anderem mit Remixen von DJ Hype und Shir Khan aufwartet.

Während es musikalisch scheinbar still bleibt um B&K, widmet sich zumindest Bruder verstärkt der Arbeit im P-Pack-Kollektiv und setzt sich für die Verbreitung freier Musik ein. Im Dezember 2005 teilt er der Öffentlichkeit seinen Ausstieg aus der GEMA mit, nach dem er zuvor versucht hatte, über Pledgebank 10 weitere Musiker zum Ausstieg zu überreden. Die starren Strukturen und vertraglichen Fesseln der GEMA standen im Widerspruch zu seinen Ambitionen als Aktivist für Freie Kultur.

In der Folge unterstützen die beiden das CopyCan-Project (siehe Surftipps) und veröffentlichen CreativeCommons-lizensierte Tracks, vornehmlich unter dem Namen The Joseph Boys. Ein Auszug aus der "intagalaktischen Presseerklärung der Besatzung des Muttaschiffs Elektroanarchia" liest sich so: "Die Joseph Boys sind die neue Retortenband aus dem Hause Bruder & Kronstädta. Fahrlässig zusammengecastete Marionetten, willige Werkzeuge & Waffen des wütenden Produzentenduos, die selbst- und furchtlos den Zorn ihra Schöpfa im Kamikaze-Jihad-Style wahllos ins Publikum feuan. Die Joseph Boys wurden programmiert, um den Wahnsinn umzusetzen, den B&K sich nie getraut haben ..."

Wie das alles aussieht, kann sich jeder auf der Homepage der Truppe ansehen. Dort steht auch der Titel "Staat" zum freien Download zur Verfügung. Aber auch das B&K-Projekt bleibt weiter aktiv, wenn auch eher sporadisch: Anfang Dezember 2006 erscheint "Hausalarm/Punkkaufmann" über Finetunes mit sieben Tracks, bei denen u.a. Nina Hagen und Clueso mit von der Partie sind.

Mitte des Jahres 2007 bekräftigt Bruder das Bestreben, eines Tages tatsächlich ein Full-Length-Album unter dem Namen B&K zu veröffentlichen, und postet zahlreiche Remixe und Tracks aus dem B&K-Archiv auf tribalradix.org. Nachdem er außerdem den Reboot des Departments bekannt gibt und Kronstädta ein komplettes Album mit GittaSpitta, einem von ihm betreuten Projekt mit Jugendlichen der Jugendstrafanstalt Plötzensee, abschließt, scheinen die dünnen Jahre vorbei und alle nach dreckig-punkigem Electro-Hip-Hop lechzenden Junkies dürfen hoffen sich bald wieder einen ordentlichen Schuss setzen zu können.

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