Porträt

laut.de-Biographie

Bob Frank

In gewisser Hinsicht ist Bob Frank ein paar Jahre zu spät auf die Welt gekommen: ein bekiffter Singer/Songwriter in der Tradition von Woody Guthrie oder Gordon Lightfoot, mit beiden Füßen im traditionellem Folk stehend.

Bob Frank - Bob Frank Aktuelles Album
Bob Frank Bob Frank
Drogen, Alkohol, Liebe und Syphilis.

Die goldene Zeit des Genres ist schon wieder vorbei, als Frank 1972 sein Debüt veröffentlicht. Unangepasstheit bedeutete 1962 noch einen Pluspunkt, wie das Beispiel Bob Dylans zeigt. Zehn Jahre später sorgt sie nur für kurzes Achselzucken.

1944 in Memphis geboren, wächst Bob Frank im Zentrum des frühen Rock'n'Rolls auf, ohne überhaupt zu merken, was da los ist, wie er selbst erzählt. Nach dem College muss er 1966 zum Wehrdienst und auch nach Vietnam. Als er zwei Jahre später in die USA zurück kehrt, unterschreibt er einen Vertrag beim Verlag Tree und erhält 25 Dollar im Monat, um Songs für andere zu schreiben.

Sein Erfolg hält sich in Grenzen. Die Stücke landen fast ausnahmslos in der Schublade. Frank zieht es vor, durch die Staaten zu ziehen und in Kommunen zu leben. Von einigen seiner Lieder nimmt er Demos auf. Sein Jugendfreund Jim Dickinson, Produzent in Nashville, überredet ihn, ins Studio zu gehen, und nimmt für sein eigenes Album Dixie Chick 1972 Franks Nummer "Wild Bill Jones" auf.

Von November 1971 bis Februar 1972 arbeitet Frank am Material für sein selbstbetiteltes Debüt, das auf dem Folk-Label Vanguard erscheinen soll. Unter die Arme greifen ihm dabei Charlie McCoy und Eric Weissberg, die schon mit Franks großen Vorbild Bob Dylan aufgenommen haben.

"Bob ging nach Vietnam und nach Nashville. Ich weiß nicht, was schlimmer für ihn war", fasst Dickinson die Stimmung seines Freundes zusammen. In der Tat ist Frank mit dem Ergebnis der Aufnahmesessions nicht zufrieden, was er im Nachhinein aber eher auf seine Ablehnung jeglicher Obrigkeit und seine Exzesse als auf das Material an sich schiebt.

Jedenfalls vergeigt er seine Chance großartig: Bei der Pressevorstellung im Max's Kansas City in New York spielt er kein einziges der Stücke und reagiert ungehalten, als er dazu aufgefordert wird. "Wenn irgendjemand die Songs vom Album hören will, dann schickt ihn das verdammte Album kaufen", schnauzt er.

Die Verkaufszahlen halten sich sehr in Grenzen, bald darauf hängt Frank die Gitarre an den Nagel. Um sich, seine Frau und ihre vier Kinder zu ernähren, nimmt er einen Job als Bewässerungsplaner im kalifornischen Oakland an.

Erst im neuen Jahrtausend findet er im Internet heraus, dass sein Debütalbum Kultstatus erreicht hat und die wenigen Exemplare für über 100 Dollar das Stück gehandelt werden. 2001 vertont er "A Little Gest Of Robin Hood", ein englisches Gedicht aus dem 13. Jahrhundert, weitere Platten auf Kleinstlabeln folgen.

Light In The Attic, das Label, das bereits Rodriguez wiederentdeckt hatte, veröffentlicht 2014 sein Debütalbum auf CD und Vinyl mit ausführlichem Booklet neu.

"Ich habe keine Ahnung, wie man mit Musik Geld verdient. Ich habe es auch nie. Was dieses Album so wertvoll macht, ist der Umstand, dass es alles sagt", erklärt Bob Frank. "Mehr gibt es über diesen Vogel nicht zu berichten."

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