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In Brixen, Südtirol gründen im September 2001 die beiden Gitarristen Philipp 'Fips' Burger und Jonas 'Joy' Notdurfter zusammen eine Band. Als Fans von Böhse Onkelz, Rammstein oder Subway To Sally besinnt man sich darauf, deutsch zu singen.
Gemeinsam mit Basser Jochen 'Zegga' Gargitter und Drummer Christian 'Föhre' Fohrer steht das Line-Up: Wild und frei fühlen sich die Jungs, genau so soll die Musik klingen - der passende Name: Frei.Wild. Vor allem der Einfluss der Onkelz ist auf dem 2002 erscheinenden Debüt "Eines Tages" deutlich zu hören. Die Südtiroler gehen in ihren Texten ähnlich direkt wie Stephan Weidner zu Werke.
Da sich im deutschsprachigen Bereich keine Plattenfirma für Frei.Wild interessiert, landen sie beim belgischen Razorwire Records Label, wo bereits im folgenden Jahr "Wo Die Sonne Wieder Lacht" erscheint. Obwohl "Mensch Oder Gott" bereits Anfang 2004 fertig gestellt ist, kommt das Album erst Mitte 2005 - das Label kämpft mit finanziellen Problemen. Da sich die Onkelz mittlerweile aufgelöst haben, stehen die Chancen nicht schlecht, die Lücke zu füllen. Die Band wechselt zu Asphalt Records nach Magdeburg.
Weil dem Quartett, wohl auch wegen der Vorliebe für die Onkelz, immer wieder rechtsradikale Tendenzen unterstellt werden, distanzieren sich Frei.Wild auf "Mitten Ins Herz" vom Rechts- wie vom Linksradikalismus. Nachdem Mitte 2005 der Fanclub Frei.Wild Supporters Club entsteht, geht es mit dem Bekanntheitsgrad der Südtiroler deutlich aufwärts. Das zeigt sich auch auf der DVD "Von Nah Und Fern" (2007), die Shows in Magdeburg und Brixen zeigt.
2008 legen die Südtiroler mit "Gegen Alles Gegen Nichts" nach, kommen aber negativ in die Schlagzeilen, weil sie für eine Veranstaltung der Südtiroler Rechtspartei Die Freiheitlichen zusagen. Das stößt vielen Fans und auch einigen der Hauptverantwortlichen des Fanclubs sauer auf. Erst nachdem das Management Druck macht, sagen Frei.Wild das Konzert wieder ab, büßen aber einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit in Sachen unpolitische Einstellung ein.
Neben dem G.O.N.D.-Festival vor 15.000 Leuten, zählt vor allem das Wacken Open Air zu den größten Liveerfolgen 2009. Ende Oktober steht zudem das sechste Album "Hart Am Wind" in den Regalen. Darauf gibt es ein paar neue, aber auch ein paar neu eingespielte Songs, da der Sprung in die breite Öffentlichkeit mittlerweile vollzogen ist.
Immer wieder haben Frei.Wild mit Gerüchten und Halbwahrheiten bezüglich ihrer politischen Ausrichtung zu kämpfen, sie kokettieren aber auch mit diesem Halbwissen. Zwar lassen sie in ihren Texten auf "Gegengift" kaum einen Zweifel daran, dass sie faschistisches Gedankengut ablehnen, schwingen aber gleichzeitig die ein oder andere Stammtisch-Rede.
Auch auf "Feinde Deiner Feinde" erinnert der Gestus als stets missverstandener Rebell oder Prophet, der mit den wenigen wahren Freunden um so enger zusammenhält, vereinzelt immer noch an die Onkelz. Zeilen wie "Lieber alleine, doch mit Stolz in den Augen" (in "Wir Gegen Alle") oder "Der Sture Kopf, er bleibt bestehen (...) Und niemand kann dich je verdrehen" (in "Oft Bekriegt, Nie Besiegt") bleiben zwar die Ausnahme. Doch bei Songtiteln wie "Wir Reiten Den Untergang" oder, andersrum, "Unendliches Leben" fragt man sich, obs nicht eine Nummer kleiner geht.
Im Lauf des Jahres 2012 bekommen die Tiroler reichlich Gegenwind in deutschen Medien, taz, SZ oder WDR diagnostizieren auch in den aktuellen Texten "offene Hintertürchen" nach rechts. 2013 fällt das von Freiwild oft beschworene Freund-Feind-Schema erstmals deutlich auf die Band selbst zurück. Nachdem Sponsoren und Präsentatoren aus Protest abgespringen, muss man einen bereits gebuchten Auftritt auf dem With Full Force Festival absagen.
Philipp Burger über das neue Album und die Arbeit mit den Kastelruther Spatzen.
Wie auch schon zur Veröffentlichung von "Gegengift" suchen Frei.Wild auch für "Feinde Deiner Feinde" die Nähe zu ihren Fans und drehen ihre Runden durch die Media-Märkte unseres Landes.
In Mainz steht anschließend noch eine Pressekonferenz bei Rockland Radio auf dem Programm, die dank eines vollkommen planlosen Freizeitredakteurs der Allgemeinen Zeitung aber weitgehend sinnfrei verschwendet wird. Nach der Livesendung mit Radio Rockland-Moderatorin Alexandra Philipps nimmt sich Philipp 'Fips' Burger allerdings noch eine viertel Stunde Zeit, um sich mit mir ernsthaft über "Feinde Deiner Feinde" zu unterhalten. Dabei wird der Mann - es mag am steigenden Alkoholpegel liegen - auch mal ein wenig pathetisch und vielleicht auch realitätsfern.
Philipp, schöne Sendung gerade, aber du solltest beim Sprechen nicht immer den Kopf vom Mikro wegdrehen, sonst rastet der Tonmensch irgendwann noch aus.
Ja, hast ja recht, aber damit muss er jetzt halt leben (lacht).
Ich konnte bislang nur die Snippets der Songs hören, fand die aber schon ziemlich gut. Wie waren denn die Reaktionen bisher?
Ausgezeichnet, und wir sind auch sehr glücklich mit der Scheibe. Frei.Wild waren schon immer eine Band, die sehr lebensbejahende Themen, aufbauende Themen verarbeitet hat. Und auch auf unserem achten Album geht es darum, dass wir unsere eigene Geschichte schreiben. Dass wir für unser eigenes Handeln verantwortlich sind, was ein Lied wie "Mach Dich Auf" deutlich unterstreicht. Man bemerkt einfach überall, dass vor allen die Jugendlichen unter der momentanen Wirtschaftskrise enorm leiden, weil sie überhaupt nicht darauf vorbereitet waren, keine Schuld daran tragen und oft auch nicht verstehen, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Aber den Kopf in den Sand zu stecken, bringt halt gleich mal gar nichts, und deswegen wollen wir den Leuten Mut machen, ihr Schicksal so weit wie möglich selber in die Hand zu nehmen und sich aufzuraffen. Jeder Mensch will im Grunde seines Herzen nur ein bisschen Glück erleben und für dieses Glücksgefühl sind eben diverse Faktoren verantwortlich. Natürlich auch Liebe und gegenseitiger Respekt, was wir auf der Scheibe ebenfalls zum Thema machen, wie auf allen Scheiben zuvor auch.
"Feinde Deine Feinde" ist stilistisch merklich breiter aufgestellt, als noch "Gegengift". Was hat euch da denn beeinflusst?
Was heißt beeinflusst? Wir rennen ja keinem Trend hinterher. Wenn wir in ein paar Jahren zurück schauen, kann es durchaus sein, dass wir sagen: 'Das würden wir heute in der Art nicht mehr machen.' Aber im Jahre 2012 war das für uns eben genau richtig so, da stehen wir dahinter. Da müssen wir uns von nichts beeinflussen lassen, dazu machen wir schon zu lange zusammen Musik und wissen einfach, was uns, was Frei.Wild ausmacht. Warum sollten wir da irgendwo was klauen oder kopieren oder sonst was tun?
Davon sprech ich doch gar nicht, aber als ich die Bläser und die Ska-Sachen gehört habe, kamen mir nun mal die Broilers in den Sinn, die ja auch mit ähnlichen Mitteln arbeiten. Die Grenzen des Street Punks sind doch relativ eng. Auf "Freunde Deiner Feinde" geht ihr da stellenweise schon drüber raus, und es funktioniert. Wie weit denkt ihr könnte das noch gehen?
Was die Broilers angeht, ist das eine Musikrichtung, welche wir vor fünf bis sieben Jahren gehört haben. Die Band hat ihre Wurzeln im Punk und ist auf jeden Fall gut! Wir haben aber eigentlich kaum Zeit gehabt die letzten Jahre, großartig Musik anderer Bands zu hören und uns, auf welche Art auch immer, davon beeinflussen zu lassen. Was die Bläser angeht, die tauchen auch in unzähligen anderen Bands und Musikstilen auf und sind da nach und nach immer mehr in den Vordergrund getreten. Gerade im alpenländischen Bereich war die Rockmusik nie so weit von der Blasmusik entfernt. In Südtirol sind diese Blasmusik-Kapellen allgegenwärtig. Dass Rockmusik mit Bläsern Anklang findet, wussten wir auch schon vor den Broilers.
Naja, aber Volksmusik ist dann doch noch mal ne andere Baustelle - ich hab das Gefühl, wir reden hier etwas an einander vorbei. Es geht ja nicht ums Klauen oder wo was zuerst aufgetaucht ist. Die Sache ist doch einfach die, dass ihr euch, verglichen mit den Anfängen der Band, musikalisch weiter entwickelt habt.
Ja klar, wir haben halt die letzten beiden Alben schon mit Bläsern gearbeitet und das Ergebnis hat uns und den Fans sehr gut gefallen. Also haben wir das beibehalten und ein wenig ausgebaut. Auf dem letzten Album hatten wir aber auch Kontrabass und Ziehharmonika, was wir dieses Mal dann wieder nicht dabei haben.
Das meine ich ja. Es geht in die Breite und deswegen frage ich mich, wie weit ihr den typischen Deutschrock, Street Punk, was auch immer, noch aufbrechen werdet?
Ganz klar, so weit es uns gefällt. Wir haben dieses Mal mit dem Henning von Unheilig daran gearbeitet, unsere Songs auch unplugged zu spielen. Gerade dabei haben wir festgestellt, dass die Möglichkeiten in die Breite zu gehen, nahezu unendlich sind.
Das ist klar, aber wie weit gehen die Fans mit?
Du ganz ehrlich, das ist für uns nicht wirklich von Bedeutung. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bands, die da draußen unterwegs sind und ein Stück vom Kuchen abhaben wollen, sind wir nicht darauf angewiesen, ob die Band funktioniert oder nicht. Ich will damit nicht sagen, dass wir nicht jedem einzelnen Fan von uns dankbar sind, dass sie uns dahin gebracht haben, wo wir stehen, aber wenn von heute auf morgen Schluss damit ist, dann brechen wir nicht zusammen. Jeder von uns Vieren kommt aus einem stinknormalen Handwerksberuf und hat diesen auch gelernt. Das heißt, wenn bei Frei.Wild plötzlich der Ofen aus ist, arbeite ich wieder als Tischler oder unser Basser Zegga wieder als Gärtner weiter. Wir haben ja alle in unseren Berufen gearbeitet, bevor und während es mit der Band los ging. Die meisten Bands, die alles dafür geben, um groß zu werden, die haben doch gar keinen Plan B. Die müssen unbedingt erfolgreich sein und bleiben, weil sie sonst nichts anderes können. Wenn es mit Frei.Wild vorbei ist, geht das Leben für uns ganz normal weiter, deswegen können wir auch als Band tun und lassen was wir wollen. Wenn wir damit den Geschmack unserer Fans treffen, ist das toll. Wenn nicht, scheißt der Hund drauf. Aber es muss vorerst wohl niemand befürchten, dass wir ein reines Ska-Album aufnehmen, oder unseren Sound drastisch ändern werden. Die Reise geht dahin, wo wir uns wohl fühlen, aber Frei.Wild werden immer nach Frei.Wild klingen.
Wir bekamen 2001 vom Südtiroler SOS Kinderdorf die Möglichkeit, in deren Räumlichkeiten zu proben. Die hatten einen alten Bauernhof, der schon weitgehend verfallen war, und wir durften da rein und proben. Es hat nicht lange gedauert, dann war auch schon die nächste Band mit uns drin usw. Wir haben dann eben diesen Song "1000 Meilen 1000 Worte" geschrieben und dachten uns, dass der sich eigentlich perfekt als Charity-Projekt eignet, also von mehreren Künstlern mit uns zusammen gesungen werden könnte. Für uns war von vorne herein klar, dass wir damit dem Kinderdorf etwas zurück geben könnten, und so entstand das Ganze eigentlich. Das hat sich dann immer weiter entwickelt, und wir sind in dieser Kinderdorf-Geschichte mittlerweile viel tiefer drin, als wir das je dachten. Ganz einfach, weil uns das Schicksal vieler dieser Kinder einfach dermaßen bewegt, dass wir da auch weiterhin am Ball bleiben und helfen wollen. Deswegen haben wir auch dem Kinderdorf schon VOR dem Verkauf der Single einen gewissen Betrag überwiesen, weil wir uns sicher waren, dass wir das mit dem Verkauf schon wieder rein bekommen würden. Das war dann auch recht schnell der Fall, und alles, was wir seitdem noch dazu verdient haben, geht direkt an das Kinderdorf.
Wie lief die Auswahl der Musiker ab? So was wie die Kastelruther Spatzen ist ja jetzt nicht der erste Name, der einem normalerweise dazu einfällt.
Sag das nicht, die wohnen ja quasi neben uns. Die sind vor allem auch immer wieder bei uns im Studio und ganz ehrlich: gerade die haben uns in unserer Einstellung immer bestärkt, denn auch die leben nach dem Motto, dass wenn es mit der Musik nicht weiter geht, dann sollte man auf jeden Fall ein Gleichgewicht bilden können, in Form eines ganz normalen Berufs. Das haben die von vorne herein gemacht und die fahren verdammt gut damit. Die haben jetzt ihre Bauernhöfe, Hotels, Gaststätten, was weiß ich alles. Das scheint so eine Südtiroler Mentalität zu sein. Wenn das Standbein mit der Musik fällt, steht das andere wie eine Mauer. Ruhm, gerade im Musikbusiness, ist eine verdammt kurzlebige Sache und darauf will sich keiner von uns verlassen.
Mir ist auch aufgefallen, dass in Südtirol eigentlich nur Plakate von irgendwelchen Heimatbands hängen. Gibt es da eigentlich sowas wie eine Musikszene?
Klar, und im Vergleich zur Einwohnerzahl sogar eine relativ große. Das Problem für die meisten ist nur, dass sie alle nach den Sternen greifen, aber im Tal danach suchen. Soll heißen, es gibt nur drei, vier Bands, die tatsächlich auch mal den Sprung ins Ausland geschafft und diesen auch tatsächlich angestrebt haben. Das sind dann zwei Heimatbands, eine Metal-Band und wir. Versucht haben es natürlich viele, aber oftmals nur halbherzig. Schade eigentlich, denn es gibt da ein paar echt gute Bands, aber durch den Wohlstand, den Südtirol eben bietet, fehlt oft der wirkliche Antrieb, es auch international zu schaffen und dafür Dreck zu fressen. Wir hatten allerdings auch das Glück, dass wir von vorne herein das richtige Umfeld in Sachen Management hatten und dass wir nie wirklich vor hatten, von der Band zu leben. Das war für uns immer nur ein Hobby, das sich auf einmal selbst finanziert hat. Der Grundgedanke war: anstatt am Wochenende nur zu saufen und dafür zu zahlen, spielen wir doch lieber, saufen dann und lassen uns dafür bezahlen.
Bei "Wir Reiten In Den Untergang" singst du eingangs ganz schön tief. Da scheinst du mir doch dicht an der Grenzen des Machbaren. Das hätte man ja auch einfach ein, zwei Halbtöne höher transponieren können.
Hätte man können, aber warum? Alles was du auf der CD hörst, lässt sich live durchaus umsetzen, da haben wir schon drauf geachtet. Gleichzeitig war uns aber auch wichtig, dass wir in der Vorproduktion schon die ideale Stimmlage finden. Da haben wir sehr viel Zeit drauf verwendet, dass sich alle damit wohl fühlen. Wir haben das live immer wieder durchgespielt, bis alle zufrieden waren, und dabei ging es nicht immer nur um die Hauptstimme, sondern auch, dass der Chor stimmlich passt. Ich musste da auch das ein oder andere Mal kleinbei geben.
Nehmt ihr deswegen jetzt ein paar Gitarren mehr mit auf Tour mit unterschiedlicher Stimmung?
Nein, gar nicht. Wir spielen alles auf D. Das liegt wahrscheinlich einfach daran, dass wir zu faul sind, ständig die Gitarren neu zu stimmen oder zu wechseln. Sowohl im Proberaum, als auch auf Tour. Deswegen spielen wir alles in D. Manchmal schmerzt das dann im Hals, aber druff geschissen. Rock'n'Roll muss weh tun (lacht).
Ja klar, wir haben uns auf Wacken getroffen und eigentlich ganz gut unterhalten und ich weiß nicht, warum er so was sagt. Ich möchte dazu eigentlich auch nichts sagen oder irgendwas rein interpretieren, was nachher wieder falsch zitiert oder ausgelegt wird. Wir haben uns damals gut verstanden und ich kann ihn als Menschen auch gut leiden. Seine Musik sowieso. Deswegen möchte ich zu seinen Aussagen im Rock Hard auch nichts weiter sagen. Jeder hat das Recht auf seine Meinung. Da gibt es kein böses Blut, warum auch. Wir machen unser Ding und der Weidner seins.
Wie läuft es eigentlich mit eurem Label Rookies & Kings?
Mega! Jetzt nicht unbedingt in der Hinsicht, dass wir damit Tonnen von Geld scheffeln würden, ganz und gar nicht. Aber in Hinsicht darauf, dass wir das Label vor drei Jahren gegründet haben und uns unserer Manager damals prophezeite, dass so was auf mindestens fünf Jahre und mehr hinaus nichts abwirft und unzählige Risiken birgt, sind wir echt auf einem guten Weg. Gerade die Entscheidung, uns Anteile von SPV zu sichern, war verdammt glücklich, denn mittlerweile stehen die wieder richtig gut da. Ok, die mussten sich von 120 auf 15 Leute runter schrumpfen, aber das Team, das jetzt den Kern ausmacht, hat die richtige Einstellung, den Willen und die Fähigkeiten, SPV wieder ganz nach vorne zu bringen. Und das war uns schon immer wichtig, dass wir mit Menschen arbeiten, die auch in schwierigen Zeiten auf uns vertrauen und mit uns an einem Strang ziehen. In guten Zeiten hast du immer 1000 Leute um dich, die viel versprechen und wenig halten. Am liebsten sind mir wirklich diejenigen, die zuvor wenig versprechen, aber so hart und ehrlich daran arbeiten, dass sie viel mit uns erreichen können.
Habt ihr bei Rookies & Kings eigentlich nur deutschsprachige Bands unter Vertrag.
Einige, aber mit Spitfire haben wir jetzt auch ne Band aus München mit englischen Texten unter Vertrag. Die gehen auch mit uns und Gonzo auf Tour. Ursprünglich wollten wir nur Bands haben, die wir auch verstehen, und wir als Südtiroler verstehen eben nur Deutsch oder ein bisschen Italienisch (lacht). Aber letztendlich kommt es nur darauf an, dass uns die Band musikalisch berührt, und als wir das Demo von Spitfire aus dem Briefkasten gezogen haben, waren wir echt begeistert. Vor allem, weil uns dann wieder einfiel, dass wir die schon als Vorband von Serum 114 mal gesehen hatten und die geil fanden. Damals waren wir nur zu besoffen (lacht). Mit ner richtig guten Produktion wird das Album von denen echt klasse und landet meiner Meinung nach in den Charts. Das haben wir bislang tatsächlich mit jeder Veröffentlichung auf unserem Label geschafft.
Den Song "Aus Traum Wird Wirklichkeit" hast du ja für deinen Nachwuchs geschrieben.
Ja, aber nie mit dem Hintergedanken, ihn jemals zu veröffentlichen. Ich saß irgendwann mal im Studio, hatte diese Melodie im Kopf und dachte mir dann: 'Philipp, eigentlich singst du um den heißen Brei herum, was das ganze Album betrifft. Du sprichst da viel an, aber was dir am Wichtigsten ist, lässt du außen vor.' Ich wollte ein paar Zeilen an meine Kinder schreiben, die mir wirklich alles bedeuten, in den buchstäblich mein komplettes Lebenselixier steckt. Die sind schließlich der einzige Grund, warum ich diesen Weg gehe, warum ich morgens früh aufstehe und hart arbeite, um was zu erreichen. Erst auf der Christmas Tour hab ich mich dann dazu entschieden, den Song auch auf das Album zu packen. Egal, ob der jetzt für manchen zu klischeehaft ist, oder nicht. Uns haben viele davon abgeraten, aber das war bei "Land Der Vollidioten" nicht anders. Wir haben einfach immer nach unserem Gefühl gehandelt, und das war dieses Mal genauso. Und glaub mir, jeder, wer im Kreissaal dabei war und die Geburt seines Nachwuchses miterlebt hat, fühlt und denkt genauso.
Sänger Philipp 'Fips' Burger über "Gegengift, Kommerzvorwürfe und Heimatliebe in Südtirol.
Halbwahrheiten und Halbwissen begleiten von Beginn an die Geschichte von Frei.Wild. Der jungen Band aus Südtirol wird ihre musikalische und textliche Nähe zu den Onkelz vorgeworfen.
Schließlich war Fronter Philipp 'Fips' Burger auch vor Jahren mal in einer Nazi-Band aktiv, und bei solchen Themen schreien die mit der wenigsten Ahnung gern am lautesten. Obwohl Fips schon in diversen Texten Stellung zum Thema Radikalismus bezogen hat, war klar, dass die politische Einstellung von Frei.Wild auch im Interview mit laut.de ein Thema ist.
Fips, wie waren die Reaktionen bisher auf euer Album?
Bislang eigentlich nur gut. Wir beobachten auch ein paar Foren und da gab es meist positive Reaktionen. Das freut uns natürlich sehr, weil es uns einige doch nicht zugetraut haben, das vorherige Album noch mal zu überbieten. Vor allem in die Produktion haben wir dieses Mal viel Zeit und Arbeit investiert.
Meine Review zu "Gegengift" ging gestern bei uns online. Der erste Kommentar war gleich irgendwas von wegen Nazi-Band. Ich hab dann gepostet, dass ich heute ein Interview mit euch habe und jeder gern sagen kann, was er von euch wissen will.
Aha, gut. Und was kam?
An Fragen? Nichts!
Ja, das wundert mich nicht (lacht). Das ist immer das Problem, im Internet kann man sich immer verstecken und sich das Maul über andere verreißen. Ist ja auch viel schöner und einfacher, als sich mit einer Band oder Sache entsprechend auseinander zu setzen. Was soll ich sagen? Wir haben auch dieses Mal in dem Lied "Wahre Werte" unsere Einstellung klipp und klar niedergelegt und mehr ist dazu nicht zu sagen. Von dem her ist das das Lied, von dem wir sagen können: "Leute, lest euch den Text durch, da steht alles drin. Anders ist es einfach nicht." Menschen, die eh schon ihre vorgefertigte Meinung haben, werden sich auch dadurch nicht eines Besseren belehren lassen, aber daran können wir auch nichts ändern. Menschen, die ihren Frust an der Tastatur auslassen, gibt es viele, und für die sind wir eben ein willkommenes Hassbild.
In "Das Land Der Vollidioten" habt ihr doch eigentlich auch schon eindeutig Stellung bezogen. Als ich euch dieses Jahr auf dem Summer Breeze zum ersten Mal live gesehen habe, wurden die entsprechenden Textzeilen von Tausenden von Leuten bereits vor der Bühne gesungen.
Boah, auf dem Summer Breeze war ich richtig voll!
Was du nicht sagst, ist kaum aufgefallen.
Mir wurden danach die Videoaufnahmen zugeschickt und ich hab erst da gemerkt, dass ich die ersten Lieder komplett mit Sonnenbrille gespielt hab. Und die saß dann auch noch total schief … Aber ich war danach auch mal kurz nüchtern.
Wann? Kurz vor der Abfahrt?
Nein (lacht), kurz nach dem Konzert, weil ich alles raus geschwitzt hatte. Das hat aber nur kurz angehalten. Wir haben dort dann auch gleich wieder ein Interview gegeben und das … naja, war wohl auch nicht so großartig. Weißt du, das Problem ist, dass wir alle so introvertiert sind (grinst).
Den Eindruck hab ich auch ganz stark … aber auf dem Breeze war im Vorfeld auch die Situation, dass im Pressezelt andauern was von Nazi-Band gefaselt wurde, aber trotzdem jeder vor der Bühne stand.
Auf Wacken war das genauso. Im Vorfeld hat jeder gemeint, er muss seinen Senf dazu geben, und dann war das Zelt dermaßen gerammelt voll, dass sogar draußen noch die Leute standen. Es ist auch wirklich ärgerlich, dass man diesen paar Idioten so viel Aufmerksamkeit schenkt. Das sind in der Regel immer dieselben Leute, die einfach überall ihre Parolen verbreiten und dadurch hat man den Eindruck, dass das eigentlich viel mehr sind.
Ok, ich seh den Punkt. Aber du musst einfach auch bedenken: Wir sind keine Deutschen! Wir sind Südtiroler. Wir sind dort aufgewachsen und die Heimatliebe, die ist dort allgegenwärtig. Dort hat keiner ein Problem mit unseren Texten, die verstehen, um was es uns geht. Wenn dort ein Feiertag ist, dann wird da die Tiroler Flagge vors Haus gehängt und zwar überall. Die haben da auch lauter Vereine, die das hegen und pflegen und diese Verbundenheit zu Südtirol auch erhalten wollen. Wir sind in diesem Umfeld aufgewachsen und sprechen aus unserer Sicht als Südtiroler, nicht als Deutscher. Das verstehen einige anscheinend nicht. Da muss ich doch nicht andauernd Rücksicht darauf nehmen, dass man als Deutscher keinen Nationalstolz entwickeln oder zeigen darf, weil man sofort als Nazi beschimpft wird. Das darf man als Deutscher immer nur während der EM oder WM. Ich weiß, dass das viele Leute provoziert, aber das sind halt Sachen, die uns wichtig sind. Meine Fresse, das ist Rockmusik, da sollte etwas Provokation schon erlaubt sein. Wenn nicht, dann spielen wir am Ende alle Walzer, aber dazu sind wir zu schlecht an den Instrumenten (lacht).
Letztendlich nervt mich das aber schon an, auch wenn da immer Vergleiche mit dem Onkelz gezogen werden. Wer sich ein wenig mit uns beschäftigt, der wird feststellen, dass Frei.Wild immer eine Deutschrock Band waren. Wir hatten nie irgendwas mit Rechtsrock zu tun. Das war allein ich, der noch vor Frei.Wild in jungen Jahren in einer Nazi-Band war. Zwischen der Band und Frei.Wild lag aber noch über ein Jahr. Und wenn ich mental tatsächlich so drauf wäre, wie man mir das gerne nachsagt, dann hätten die anderen drei Jungs hier überhaupt keine Band mit mir gegründet.
Dennoch warst du vor einiger Zeit Mitglied in der Partei Die Freiheitlichen, was euch einige Probleme mit eurem Fanclub eingebrachat hat.
Oje, ja, das war so ein Scheiß. Den Schuh muss ich mir anziehen, das war ein ziemlicher Schwachsinn, den ich da recht blauäugig angegangen bin. Als ich das erste Mal mit dieser Partei zu tun hatte, ging es um ganz normale, kommunale Fragen. Die Gemeinde hat Geld rausgefeuert für alle möglichen, unsinnigen Investitionen, aber für Dinge, wie zum Beispiel Schulwege von Kindern entsprechend zu beleuchten oder Nachtbusse für Jugendliche und ähnliches, da wurde dann gespart. Die Freiheitlichen haben sich eben um genau diese Sachen gekümmert. Der Vorsitzende ist dann mal zu mir gekommen und hat mich gefragt, ob ich sowas nicht auch unterstützen will. Ich war – ungelogen – ein einziges Mal bei einer Sitzung, bei der über Katzenaugen und Schulbusschilder gelabert wurde. Mehr wurde da nicht diskutiert und das war mir zu wenig, weswegen ich mich mit denen auch nicht weiter beschäftigt habe.
Man sollte dabei eigentlich auch wissen, dass Die Freiheitlichen in Südtirol sich schon seit Jahren von der österreichischen Mutterpartei losgesagt hatten, weil sie den ganzen Scheiß mit Jörg Haider nicht unterstützen wollten. Man kann Die Freiheitlichen auch nicht mit den ganzen rechten Parteien wie NPD und wie sie alle heißen in Deutschland vergleichen, auch wenn ihre Ziele und Wege alles andere als toll sind.
Wie konnte sich das dann so hochschaukeln?
Hah, das ist ne ganz einfache Geschichte. Der Zeitpunkt war denkbar beschissen. Es war kurz vor den Wahlen, als ich da bei der Sitzung war. Wir hatten etwa einen Monat zuvor schon von einem Parteimitglied die Anfrage bekommen, ob wir nicht auf einem Konzert irgendwo spielen wollten. Worauf wir geantwortet haben, dass wir das nur machen, wenn das kein von einer Partei organisiertes Konzert ist und wenn da nirgendwo irgendwas von irgendeiner Partei drauf steht. Wer das letztendlich organisiert, war uns egal, Hauptsache es hatte nichts mit irgendwelchen Parteien zu tun und es war alles ordnungsgemäß angemeldet. Das wurde uns so zugesichert und das Ende vom Lied war, dass auf den Plakaten letztendlich doch das Zeichen der FJ, der Freiheitlichen Jugend zu finden war. Ein paar Südtiroler haben das Plakat dann ins Forum gestellt und auf einmal war die Hölle los und wir galten als Sympathisanten und Parteimitglieder der Freiheitlichen.
Die größte Zeitung in Südtirol gehört der Südtiroler Volkspartei und für die war das ein gefundenes Fressen. Die wollten auf unserem Rücken die anderen Partei und auch uns in den Dreck ziehen, was letzten Endes nicht funktioniert hat. Sie haben weder uns kaputt gemacht, noch den Wahlausgang verändert.
Ich war halt der Vollidiot, der nicht abschätzen konnte, welche Kreise das alles ziehen kann. Da sind ein paar Komponenten zusammen gekommen und auf einmal war das ein großes Thema, wo eigentlich gar nichts war. Ich lass mir aber beim besten Willen nicht nachsagen, dass ich irgendwo politisch aktiv gewesen wäre, nur weil ich ein paar Ideen in meiner Gemeinde unterstützen wollte.
Stimmt es denn, dass wegen dieser Angelegenheit der halbe Fanclub flöten gegangen ist?
Nein, ach was. Unser Manager hat uns damals verlassen, aber das lag weiß Gott nicht nur an dieser Sache, sondern viel mehr daran, dass er schon seit Jahren mit der Zeiteinteilung nicht mehr hinterher kam. Frei.Wild sind unglaublich schnell gewachsen und das Management hat immer mehr Zeit beansprucht, die er schlicht und ergreifend nicht hatte. Er war noch Vollzeit beschäftigt und konnte das nebenher einfach nicht mehr stemmen. Und zu behaupten, dass er wegen dieser Aktion gegangen wäre – er war als Manager schließlich derjenige, der diesen Vertrag damals unterschrieben hatte (lacht). Mittlerweile ist er auch wieder bei uns dabei, zwar nicht mehr als Manager, aber er ist wieder Teil des Teams. Aber ansonsten, wer ist denn noch gegangen, mal überlegen. Wenn du mich jetzt so fragst, dann ist eigentlich jeder, der Teil der Crew und zwischenzeitlich weg war, wieder mit dabei. Mehr als ein Sturm im Wasserglas, war das eigentlich nicht.
Ja, das haben wir aber zuvor auch schon ein, zwei Mal gemacht. Auch das mit den Slidegitarren in "Die Gedanken Sind Frei", die dem Ganzen so eine Volbeat-Kante geben. Wir lassen uns natürlich auch von anderen Sachen beeinflussen, von dem was wir hören. Einer unserer Kumpels fährt immer auf Tour mit und gibt uns Gitarrenunterricht. Wenn ich während des Unterrichts manchmal was spiele, dann steigt er da einfach dazu ein und dabei ist die Nummer eben entstanden. Da kann man durchaus sagen, dass das nach Volbeat klingt, aber beim ersten Ton vom Gesang hat sich das ja erledigt (lacht). Aber Volbeat ist auf jeden Fall ein Band, auf die wir alle stehen und dir wir auch schon ein paar Mal live gesehen haben. Aber die haben ja schließlich auch nicht das Patent auf die Art Musik (lacht).
Für "Hart Am Wind" habt ihr auch die ganzen alten Songs noch mal komplett neu eingespielt und zum Teil auch deutlich umarrangiert.
Das war vielleicht ein Scheiß! Wir haben die ersten beiden Scheiben ja im Proberaum aufgenommen und so klingen die halt auch. Die sind aber stellenweise gefragter, als die neuen Sachen. Die Erstauflage der ersten CD hab ich mal für 250 Euro auf eBay gefunden. Die Neuauflage davon hat noch denselben Sound und ist ebenso gefragt. Bei den Neuaufnahmen musste unserer Tontechniker jetzt tricksen wie ein Großer, um einen ähnlichen Sound hinzubekommen wie damals. Die Idee dazu kam aus dem Forum, wo immer mehr Leute danach fragten, dass wir die alten Songs einfach mal anständig produzieren und neu einspielen. Wir haben also insgesamt 24 Songs neu aufgenommen in den drei Monaten, wovon es dann acht auf das Album geschafft haben.
Für so eine Aktion erntest du nicht nur Lob, auch nicht aus den eigenen Reihen. Da kamen dann Kommerzvorwürfe und Kram, aber die Arbeit die dahinter gesteckt hat, wird dabei gern übersehen. Wenn du mich fragst, haben wir in "Hart Am Wind" letztendlich mehr Arbeit und Zeit investiert, als in "Gegengift".
Dann würde mich abschließend noch interessieren, welches Buch euch zuletzt nachdrücklich beeindruckt hat.
(Langes Schweigen und große Augen ) Also ich lese eigentlich nicht sonderlich viel, aber das Geschichtenbuch meiner Tochter, aus dem ich ihr immer vorlese, hat zumindest bei ihr einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wie heißt das noch mal … ach ja, Der Kleine Prinz.
Aha, und was macht ihr die ganze Zeit im Bus, wenn ihr auf Tour seid?
Na wir haben alle nen Laptop.
Und zockt da den ganzen Tag, oder was?
Wenn du's genau wissen willst, wir versuchen immer noch, unseren Manager davon zu überzeugen, eine Tischtennisplatte mit auf Tour zu nehmen, aber der hält uns für total bekloppt (lacht). Wir spielen zu Hause jeden Tag und sind echt gut. Wir würden dann auch gegen Fans spielen, aber die hätten keine Chance!
Die Welt Brennt - Live In Stuttgart (2012), Durch Straßen, Durch Dreck, Ins Händemeer (2011)
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23.11.12, 18:25 sculpteur |
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