Porträt

laut.de-Biographie

Rodriguez

"Hat jemand Informationen über Jesus Rodriguez, ein Sänger aus den USA mit vielen Fans in Südafrika, der all seine Stück im Knast geschrieben und sich auf der Bühne erschossen hat, nachdem er aus seinem Lied 'Thanks For Your Time' zitierte?" , fragt 1996 der Leser einer südafrikanischen Zeitungen.

Woher die "Informationen" stammen, ist schwer nachzuvollziehen. Wie sie entstanden dagegen einfach: Der Musiker war seit Beginn der 80er Jahre spurlos aus der Öffentlichkeit verschwunden. Wie, wenn nicht durch seinen Tod, ließe sich dieser Umstand erklären?

Die Wirklichkeit erweist sich als viel banaler. 1942 in Detroit als Sohn mexikanischer Einwanderer geboren, wächst Sixto Diaz Rodriguez unter schwierigen Lebensumständen in der Innenstadt der Autometropole auf.

Unter dem Pseudonym Rod Rodriguez veröffentlicht er 1967 eine erste Single, "I'll Slip Away". 1969 erscheint unter seinem Nachnamen das Debüt "Cold Fact". Die politischen, kritischen Texte begleitet Rodriguez mit einer Mischung aus Folk und Funk, doch der Durchbruch lässt auf sich warten. 1971 nimmt er in London den Zweitling "Coming From Reality" auf - ebenfalls ein kommerzieller Schlag ins Wasser.

Bis auf drei Songs, die er 1976 aufnimmt, zieht sich der Sänger aus dem Musikbusiness zurück, arbeitet in einer Tankstelle und engagiert sich für Obdachlose sowie verarmte Jugendliche. 1981 schließt er ein Studium der Philosophie ab. Ohne Erfolg strebt er mehrere Male politische Ämter in seiner Heimatstadt Detroit an, in der er weiterhin lebt.

Während Rodriguez in den USA ein absoluter Nobody ist, entwickelt sich "Cold Fact" in Australien und Neuseeland überraschend zu einer erfolgreichen Platte. 1979 und 1981 begibt sich der Sänger Down Under auf Tour, bevor er sich endgültig nach Detroit zurückzieht.

Dabei erreicht sein Debüt dank des Songs "Sugar Man" in Südafrika Platinstatus - ohne dass er es mitkriegt. Der Mangel an Informationen führt Anfang der 90er Jahre zur Bildung von allerlei Legenden – etwa, dass Rodriguez abenteuerlich verstorben sei.

Als der Totgeglaubte 1996 über eine südafrikanische Webseite stolpert, die ihn zum Thema hat, beschließt er, wieder Musik zu machen, und begibt sich 1998 dort auf Tour. Im neuen Jahrtausend nimmt sich das kleine US-Label Light In The Attic der Mastertapes an und bringt die erste tauglichen CD-Version von Rodriguez' Alben auf den Markt. Nun horcht auch die US-Presse auf und beschert den lang ersehnten Achtungserfolg.

Diesen außergewöhnlichen Werdegang erzählen zwei Filme: "Looking For Jesus" (1998) und "Searching For Sugar Man", der 2012 das Sundance Festival eröffnet und 2013 den Oscar für den besten Dokumentarfilm einheimst. Somit hat die Geschichte des Musikers Rodriguez doch noch ein Happy End.

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