Porträt

laut.de-Biographie

Bigga Bush

"Es gibt Tunes, die mich zum Musikmachen anregen, und solche, die mich zum Tanzen bringen. DJing ist die Disziplin, die beides verbindet." Studio Don Glyn "Bigga" Bush weiß, wovon er spricht, zählt er doch gleichermaßen zur produzierenden und zur auflegenden Zunft. Der Mitbegründer von Rockers Hi-Fi ist seit der Trennung der britischen Formation solo unterwegs. Ob unter dem Alias Lightning Head oder als Bigga Bush - auf die Tanzbarkeit seiner Tracks hat der Name keinerlei Auswirkungen.

Bigga Bush - Sound Sensation Aktuelles Album
Bigga Bush Sound Sensation
Tanzbare Achterbahnfahrt durch musikalische Kulturen dreier Kontinente.

Glyn Bush lebt in Birmingham, England. 1991 tut er sich mit Richard Wittingham zusammen, der als DJ Dick in der Punk-, Rare Groove- und Acid House-Szene bereits zu Ehren kam. Die beiden benennen sich nach einer LP von Augustus Pablo, "Original Rockers", und veröffentlichen auf Cake, dem Label eines Freundes, ihre Debüt-Single "Breathless". Auf die Bitte Pablos hin ändert das Duo seinen Namen. Aus den Original Rockers werden Rockers Hi-Fi, das Label firmiert fortan unter Different Drummer. DJ Dick und Glyn Bush holen sich Rapper Farda P ins Boot. "Push Push" gerät zum Riesenerfolg.

"Rockers To Rockers", das erste Album von 1995, erinnert eher an eine Kollektion von Singles. Auf ein Dub Remix-Album ("Music Is Immortal", 1996) folgt ein Jahr später die zweite LP, "Mish Mash". Rockers Hi-Fi leisten bei der Verschmelzung von Genres Pionierarbeit. Sie mischen Dub, hypnotische Grooves, traditionelle Klänge und modernste Electronica. Aus der Ambient-Dub-Szene, der später das Etikett "Trip Hop" verpasst wird, sind sie nicht mehr weg zu denken. Mit dem "Black Album" bestreiten Rockers Hi-Fi noch eine Ausgabe der !K7-Sampler-Reihe "DJ Kicks", bevor sie sich 1998 auflösen.

Glyn Bush wandelt seitdem auf Solopfaden. In einem Interview mit Lee Perry stößt er auf den Ausdruck "Lightning Head", den er prompt zu seinem Künstlernamen erhebt. Ende der 90er kehrt Bush Birmingham den Rücken zu und zieht aufs Land: Nach Dorset, wo er sein Aufnahmestudio einrichtet. Seine jahrelange Erfahrung als DJ und seine Ausbildung zum Batucada-Musiker (er trommelte in verschiedenen Samba-Bands) kommen ihm in seiner Produzententätigkeit mehr als gelegen. Er pflegt eine Vorliebe für Beats südamerikanischer und afrikanischer Prägung. Jamaika liefert ihm neben Dub auch Ska, Rocksteady und Ragga; die hier übliche Praxis, sich andere Musikstile, 60er-Soul-Klassiker, TV-Themen und Pop-Hits einzuverleiben und zu adaptieren, schaut er sich bei der Reggae-Kultur ab.

Daniel W. Best vom Berliner Label Best Seven Records ersucht bei Glyn Bush um eine klassisch produzierte 7". Dieser lässt sich nicht lange bitten, puzzelt mit einem Dancehall-Break herum, fügt Funk- und Latinelemente sowie Vocals von Singing Bird hinzu. So schafft er neben seinem Solo Debüt-Tune "Me & Me Princess" gleich auch das Konzept für seine weiteren Veröffentlichungen. Der Erfolg von "Me & Me Princess" auf den Dancefloors der Welt gibt ihm Recht: Seine Hybriden aus jamaikanischem, kubanisch-nu-yorikanischem und brasilianischem Stil liefern Musik, die zu Hause wie auch im Club funktioniert.

In Zusammenarbeit mit den Labels Best Seven und Sonar Kollektiv erscheint 2002 das Lightning Head-Album "Studio Don". Der Titel stellt nicht umsonst eine Huldigung an Sir Coxsone Dodds legendäres Label Studio 1 dar: Wie einst der Jamaikaner setzt Bush auf klassische Instrumentalisierung, die ein Live-Gefühl vermittelt. Die Vocals auf "Studio Don" stammen von Singing Bird, dem alten Weggefährten Farda P, von Monterria (einer Soul-Sängerin aus Atlanta) sowie dem Hamburger Reggae-Star Patrice. Das Album selbst bildet eine musikalische Reise von Kingston über Havanna in die Bronx, und von da über Memphis ins englische Dorset. Guten Flug.

2004 bringt Glyn als Bigga Bush das nächste Album heraus. "Bigga Bush Free" findet bei Stereo Deluxe eine Heimat. Die B-Seite der Single "Acid Fly" liefert "Deep Eastwood", in einer von Fat Freddy's Drops Fitchie ge-remixten Fassung. Auch hier begegnen sich wieder Dub-, Latino-, Ambient- und sogar Hip Hop-Einflüsse. Bässe, Percussion und eingängige Melodielinien dominieren das Bild. Für die 2005 folgende "Sound Sensation" kompiliert Bigga Bush handverlesene Tracks aus aller Welt. An der beeindruckenden Vielfalt der vertretenen Stile haben ein weiteres Mal Farda P und die Herren von Fat Freddy's Drop ihren Anteil.

Alben

Bigga Bush - Sound Sensation: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2006 Sound Sensation

Kritik von Dani Fromm

Tanzbare Achterbahnfahrt durch musikalische Kulturen dreier Kontinente. (0 Kommentare)

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