Porträt

laut.de-Biographie

Alina Simone

Eine der interessanteren Künstler-Biografien schreibt diese gebürtige Ukrainerin. Die ganz frühen Lebensjahre verbringt Alina Simone in Kharkov, der zweitgrößten Stadt des Slawenstaats. Weil ihr Vater die Zusammenarbeit mit der KGB verweigert und für die Sowjetarmee zwangsrekrutiert wird, wandert die Familie als politische Flüchtlinge in die USA aus.

Alina wächst in einer Vorstadt von Boston, Massachusetts auf, graduiert dort auf einer Kunsthochschule und zieht anschließend nach Austin, Texas. Doch damit nicht genug der Wanderjahre. In Austin singt Simone erstmals in der Öffentlichkeit – zwischen Tür und Angel einer verlassenen Bar überwindet sie ihr Lampenfieber.

In kürzester Zeit schlägt Simones leidenschaftlich sehnende Stimme in den Bann. Dabei begleitet sie sich selbst nur karg: Mehr als Akustikgitarre, Autoharp, Strumstick und einige Schüttel-Idiophone brauchen die schroffen Folksongs selten. Ihre rohe, kraftvolle Stimme kommt aus der Tiefe des Raums, pendelt irgendwo zwischen erster und zweiter Welt, Ost und West, Cat Power und PJ Harvey. Nirvanas Unplugged-Album bezeichnet sie als ihren Alltime-Favorite.

In den USA unterstreichen John Lynch und Chris Barrey ihre Erscheinung mit Schlagzeug- und Zweitgitarrenspiel. Auf Europa-Tour hingegen steht die Chanteuse solo im Rampenlicht. Zu keiner Zeit jedoch erfüllen ihre Kompositionen irgendwelche Lagerfeuer-Folk-Klischees. Sie bleiben stets im tiefen Schatten US-amerikanischer Heilsversprechen, getränkt in Entfremdung und Heimatlosigkeit.

Sie singt auf englisch und russisch, interpretiert die Songs der russischen Punkfolk-Legende Yanka Dyagileva, die 1991 unter ungeklärten Umständen verschwand ("Everyone Is Crying Out To Me, Beware", 54º40' or Fight! Records). Sprachbarrieren überwindet diese melancholiegetränkte, würdevolle Musik, die tschechischen Wintermärchen entlehnt scheint, mit absoluter Selbstverständlichkeit. Alina Simone live, das grenzt manchmal an Method Acting.

Darüber hinaus arbeitet Simone einen erheblichen Teil des Jahres in Sibirien als Englischlehrerin. Dort sammelt sie Eindrücke von Menschen und Orten, die sie in ihren Songs verarbeitet. Heute lebt Alina Simone in Brooklyn, New York und ist mit einem Philosophie-Professor verheiratet.

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