Porträt

laut.de-Biographie

Ali Farka Touré

"Von allen Platten, die ich jemals im Radio gespielt hatte, rief diese die meisten Anfragen hervor", erinnert sich BBC-Moderator Andy Kershaw an eine Aufnahme von Ali Farka Touré. "Mit ihrem rhythmisch gezupften Gitarrenstil und dem nasal und einsam klingenden Gesang war dies die westafrikanische Version des Delta Blues von Lightnin' Hopkins oder John Lee Hooker."

Völlig verdient trägt Ali Farka Touré seine Ehrentitel: Er gilt als Bluesman of Africa, als König des Wüsten-Blues. Als erster adaptiert er traditionelle westafrikanische Musikstile für die Gitarre und bringt es auf dem Instrument zu Virtuosität und Weltruhm.

Dabei deutete anfangs wenig auf eine Karriere als Musiker hin. Ali Ibrahim Touré wird am 31. Oktober 1939 in eine Familie hineingeboren, die keinerlei musikalische Tradition besitzt.

Ali kommt in Kanau im Nordwesten Malis zur Welt. Nach dem frühen Tod seines Vaters zieht die Familie gen Süden und findet in Niafunké eine neue Heimat.

Als einziger der zehn Söhne seiner Mutter überlebt Ali das Kleinkindalter. Seine Zähigkeit trägt ihm den Spitznamen Farka ein - was in der Sprache seiner Landsleute "Esel" bedeutet, ein Tier, das man für seine Sturheit kennt.

Obwohl er gläubiger Muslim ist, interessiert sich Ali auch für die Zeremonien, bei denen Naturgeister beschworen werden - und insbesondere für deren musikalische Untermalung. "Die Musik übte eine immense Anziehungskraft auf mich aus."

Mit elf Jahren erlernt er das Spiel auf traditionellen Instrumenten. Bald spielt er die einsaitige Gitarre Djerkel, Njarka (eine ebenfalls einsaitige Violinen-Form) und Ngoni, eine Art Laute. Später gesellen sich noch Flöte, Percussion- und allerlei andere Instrumente, darunter Banjo, Schlagzeug und Akkordeon, dazu.

1956 dann die Erleuchtung: Bei einem Konzert sieht Ali Farka Touré den Gitarristen Keita Fodeba. "In diesem Moment schwor ich mir, Gitarrist zu werden. Ich kannte sein Instrument nicht, aber ich habe es gleich gemocht."

Die Sympathie beruht auf Gegenseitigkeit: Während er sich mit verschiedenen Jobs, darunter Schneider, Taxifahrer und Mechaniker, über Wasser hält, bringt er es auf dem ungewohnten Instrument zur Perfektion.

Sein Gitarrenspiel begleitet Ali Farka Touré mit Gesang, für den er sich sieben Sprachen seines Heimatlandes bedient, die er allesamt fließend spricht.

Nachdem Mali 1960 in die Unabhängigkeit entlassen wird, erfährt Touré Unterstützung seitens der Regierung - die sich offenbar Kulturförderung auf die Fahnen geschrieben hat. Mit seinem Ensemble Troupe 117 erlangt er nationale Bekanntheit.

Die erste Auslandsreise führt ihn 1968 nach Bulgarien. Erst hier erwirbt er seine erste eigene Gitarre. Bei einem Freund kommt er gleich noch mit westlicher Musik von Otis Redding, James Brown, Wilson Pickett, Jimmy Smith, Albert King und vor allem John Lee Hooker in Kontakt.

"Der Gedanke 'Diese Musik stammt von hier' traf mich wie ein Blitz", erinnert er sich. "Ich war überrascht, dass er auf Englisch sang."

1970 zieht Touré selbst nach Bamako um und arbeitet als Tontechniker bei Radio Mali. Auf den Rat eines befreundeten Journalisten hin schickt er eigene Aufnahmen zum Label SonAfric nach Paris.

Sieben Longplayer entstehen auf diesem Weg. Zwar fühlt sich Ali Farka Touré beständig - und vermutlich mit Recht - finanziell über den Tisch gezogen. Trotzdem fußt seine weltweite Bekanntheit auf den Aufnahmen aus dieser Zeit.

Obwohl Touré internationale Anerkennung genießt, bleibt er seiner Herkunft stets treu. Immer wieder zieht er sich für mehrere Jahre aus dem Musikgeschäft zurück, um sich seiner Familie und seiner Landwirtschaft zu widmen. Später engagiert er sich in der Lokalpolitik. 2004 wird er zum Bürgermeister von Niafunké gewählt.

Seine zunächst größten Erfolg zieht eine Tour in den USA 1993 nach sich. Das in Zusammenarbeit mit Ry Cooder entstandene Album "Talking Timbuktu" wird mit dem Grammy für die beste Weltmusik-Aufnahme ausgezeichnet.

Einen zweiten Grammy erhält Ali Farka Touré 2006 für "In The Heart Of The Moon", das erste von drei Alben, das in London aus dreitägigen Sessions mit dem Kora-Virtuosen Toumani Diabaté hervor geht.

Den Erfolg der beiden weiteren Longplayer "Savane" und "Ali & Toumani" erlebt Ali Farka Touré nicht mehr. Am 7. März 2006 stirbt er in Bamako an Knochenkrebs. Seine letzte Ruhe findet er in Niafunké, das er Zeit seines Lebens als sein Zuhause betrachtete.

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